e-Fahrzeuge im Winter – Wie weit reicht der Akku?

7.12.2018

Im Winter benötigt ein Auto deutlich mehr Energie als im Sommer. Innenraum, Heck- und Frontscheiben werden beheizt, eventuell auch Sitze und Lenkrad. Im Gegensatz zu Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor, die hier die Motorabwärme nutzen, kommt die benötigte Energie bei Elektroautos ausschließlich aus der Antriebsbatterie. Diese Energie fehlt dann bei der Reichweite. Doch wie stark ist der Verlust?

Wie stark sinkt die Reichweite von e-Autos im Winter?

Zunächst sollte man folgendes wissen: Lässt man den zusätzlichen Energieverbrauch zunächst unberücksichtigt und betrachtet lediglich den Energiebedarf für den Antrieb, so nimmt die Reichweite bei zunehmender Geschwindigkeit überproportional ab. Der Grund: Bei höherer Geschwindigkeit wird aufgrund des Windwiderstandes mehr Energie verbraucht als bei niedrigerer.

Bei kalten Temperaturen wird nun zusätzlich Energie für die Heizung des Innenraums und gegebenenfalls auch für die Batterieheizung benötigt. Fährt man langsam, braucht man für eine bestimmte Strecke mehr Zeit, somit verbraucht auch die Heizung mehr Energie als für dieselbe Strecke bei höherer Geschwindigkeit. Die Folge: Prozentual gesehen sinkt die Reichweite bei niedrigeren Geschwindigkeiten deutlich stärker als bei höheren. Dabei gilt jedoch: Je größer die Batteriekapazität eines e-Autos ist, desto weniger fällt der Reichweitenverlust aufgrund der Heizung ins Gewicht.

Zoom-In
Die Testergebnisse im Detail

Beispiel Mitsubishi Electric Vehicle (i-MIEV)

Was bedeutet dies nun konkret? Wie groß die Reichweitenverluste bei unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Außentemperaturen sind, haben wir gemeinsam mit unseren Kollegen vom österreichischen Automobilclub ÖAMTC untersucht. Testfahrzeug war ein Mitsubishi Electric Vehicle (i-MIEV).

Das Fazit: Im Stadtverkehr (30 bis 50 km/h) muss man bei einer Außentemperatur von 0 Grad im Vergleich zu milden 20 Grad mit Reichweitenverlusten von bis zu 50 Prozent rechnen. Bei höheren Geschwindigkeiten (100 km/h), z. B. auf Autobahnen und Landstraßen, reduziert sich die Einbuße auf rund 10 Prozent. Hier ist die Reichweite – wie oben ausgeführt – aber von Haus aus geringer als im Stadtverkehr. Bei eisiger Kälte von minus 20 Grad werden die Heizungsverluste noch einmal erheblich stärker – im Stadtverkehr betragen sie hier bis zu 65 Prozent, bei 100 km/h steigen sie auf 20 Prozent.

Tipps zur Akku-Handhabung bei Kälte

Nach dem Antrieb ist der größte zusätzliche Energieverbraucher im Winter die Heizung. Diese benötigt je nach Außen- und gewünschter Innenraumtemperatur bis zu 5 Kilowatt Leistung. Ein Vorteil ist, dass Elektroautos durch die direkte Erwärmung der Luft sehr schnell warm werden. In der Praxis arbeitet die Heizung zudem nicht dauerhaft mit voller Last, sondern wird geregelt. So benötigt sie nur in der Aufheizphase die volle Leistung und wird zum Halten der Wohlfühltemperatur nach und nach herunter geregelt.

Folgende Tipps können helfen Energie zu sparen:

  • Die Innenraumheizung sensibel handhaben und gegebenenfalls etwas niedriger einstellen. Darüber hinaus die Sitzheizung verwenden, die körpernah wirkt und deswegen spürbar weniger Energie benötigt.
  • Bei sehr kalten Temperaturen empfiehlt es sich das e-Auto möglichst in einer Garage abstellen, um ein Auskühlen der Batterie zu reduzieren.
  • e-Autos können bereits beim Laden den Fahrzeuginnenraum vorwärmen. So kommt die Heizenergie aus dem Stromnetz und nicht aus der Antriebsbatterie. Dies kann häufig in den Fahrzeugeinstellungen oder - noch einfacher - per App aus der Ferne programmiert bzw. gestartet werden.

Was man sonst noch beachten sollte:

  • Energie sparen darf niemals auf Kosten der Sicherheit gehen. Alle Scheiben müssen stets eis- und beschlagfrei sein und auch beim Licht, z. B. in der Dämmerung, darf keinesfalls gespart werden.
  • Generell empfehlen wir Käufern von e-Autos, für ihre Stammstrecke eine ausreichende Reichweitenreserve für den Winter einzuplanen.
  • Einige Hersteller bieten ihre e-Autos optional auch mit einer Wärmepumpe an, mit der die Batterieenergie deutlich effizienter zum Heizen genutzt werden kann als ohne. Ist die Winterreichweite ein relevantes Kriterium, empfehlen wir beim Kauf von e-Autos darauf zu achten, dass das Fahrzeug über eine Wärmepumpe verfügt.

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