Autonomes Fahren: Gefahr durch Hacker

6.2.2019

Selbstfahrende Autos sind Computer auf Rädern. Das könnte sie verwundbar für Hacker-Angriffe machen. Diese Risiken gibt es. Und so lassen sie sich begrenzen.

Platine mit aufgedrucktem blauem Auto
Ständig auf Empfang: autonome Autos
  • Die Vernetzung macht Autos angreifbar
  • Erste Hacker-Angriffe auf vernetzte Pkw waren erfolgreich
  • Experten kritisieren: Die Hersteller tun zu wenig zum Schutz vor Hacker-Angriffen

Müssen autonome Autos digital vernetzt sein?

Nein. Autonome Fahrzeuge müssen stets unabhängig von äußeren Informationen sicher fahren können. Ist das aus irgendeinem Grund nicht der Fall, sind sie so zu programmieren, dass sie – auch ohne Eingriff des Fahrers – selbstständig in einen sicheren Zustand kommen. Also beispielsweise abbremsen und an den Seitenstreifen fahren.

Hochautomatisiert oder autonom fahrende Pkw werden sich aber grundsätzlich über leistungsstarke Schnittstellen mit dem Internet, anderen Autos, der Umgebung und Satelliten verbinden lassen. Das soll ihnen dabei helfen, auf mögliche Gefahren zu reagieren und sich auf das Verhalten anderer Verkehrsteilnehmer einzustellen. Dafür sind zuverlässige und schnelle Mobilfunknetze nötig.

Besonders anspruchsvoll ist die Verarbeitung der Sensor-Informationen im Auto selbst. Sie müssen vom Bordcomputer mit Höchstgeschwindigkeit ausgewertet und für die Steuerung des Wagens genutzt werden.

Erhöht die Vernetzung die Gefahr von Hackerangriffen?

Zoom-In
Hacker hackt am Computer und am Smartphone
Theoretisch lassen sich autonome Pkw fernsteuern

Nicht unbedingt. Ein Auto, das permanent online ist, kann genauso zum Ziel von Hackern werden wie jeder PC, der am Internet hängt. Außerdem dürften autonome Fahrzeuge künftig regelmäßig Software-Updates benötigen – auch hier nähern sich Computer und Auto einander an, zugleich entsteht ein neues Einfallstor.

Dass die Gefahr von Auto-Hacks schon jetzt real ist, zeigte ein spektakulärer Fall im Jahr 2015. Damals brachten Angreifer in den USA einen Jeep aus der Ferne unter ihre Kontrolle und lenkten ihn per Laptop in den Straßengraben.

Damals waren die Hacker allerdings nicht in krimineller Mission unterwegs: Sie wollten nur zeigen, wie verwundbar die von Jeep verbaute Technik war: Sie drangen über das Entertainment-System in die Fahrzeugsteuerung ein. Fahrer war damals ein Journalist des amerikanischen Wired-Magazins, Gefahren für den Insassen bestanden nicht.

Mit zeitgemäßer und systematischer Absicherung der Auto-Elektronik lässt sich das Hacker-Risiko jedoch deutlich verringern. Der ADAC fordert seit Jahren einen neutralen Nachweis der Elektronik-Sicherheit – etwa durch Anwendung der so genannten Common-Criteria-Standards, mit denen die Sicherheit von IT-Produkten geprüft und bewertet werden kann.

Wie können Hacker ins Auto eindringen?

Schon jetzt gibt es viele „Einfallstore“ für Hacker in ein Fahrzeug. Das zeigte auch ein Test des ADAC am Connected-Drive-System von BMW im Jahr 2015. Künftig werden es noch mehr Angriffspunkte. Experten nennen folgende Angriffspunkte: Im Auto SD-Kartenleser, USB-Schnittstellen, CD- oder DVD-Laufwerke, die Service-Schnittstelle (OBD). In direkter Umgebung aber auch Bluetooth-Sender, Keyless-Schlüsselsysteme oder auch die Reifendruckkontrolle, die über Funk arbeitet. Auch eine WLAN-Verbindung des Autos zum heimischen Internet könnte missbraucht werden

Von überall auf dem Globus können Hacker außerdem versuchen, über die inzwischen häufig standardmäßig verbaute internetfähige Mobilfunkeinheit ins Fahrzeug einzudringen.

Was tun die Hersteller gegen Cyberangriffe?

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Illustriertes Auto fährt durch angedeuteten Datenstrom
Mit der Digitalisierung steigen die Risiken

Zu wenig. So zumindest die Ansicht von Experten und Datenschützern. Eine häufig gehörte These: Systeme gegen Cyberkriminalität kosten Geld. Allerdings lassen sich diese Kosten kaum auf den Kunden abwälzen, weil der für den Mehrpreis kein sichtbares Extra erhält.

Die Hersteller neigten deshalb (noch) zu einer vor allem wirtschaftlichen Abwägung darüber, wie viel digitale Sicherheit sie ins Auto einbauen. Und die fällt nach Expertenmeinung immer wieder zu Ungunsten der Sicherheit aus.

Fotos: iStock.com/BeeBright/PeopleImages/nadla