Vision Urbanetic: Mercedes autonom

28.9.2018

"Vision Urbanetic" heißt der elektrische und autonome Prototyp von Mercedes, der Personen und Güter transportieren soll. Aber was kann der Daimler der Zukunft wirklich?

Mercedes Urbanetic fahrend
Autonom, elektrisch, futuristisch: So sieht der Vision Urbanetic von Mercedes-Benz Vans aus

Die Ampel schaltet auf Rot, Pkw, Transporter und Lkw stauen sich dicht hintereinander. Einer will die Spur wechseln, Autofahrer hupen, sind gestresst. Endlich wird es Grün, dann kommt die nächste Baustelle, wieder Stillstand. Fahrrad- und Mopedfahrer schlängeln sich vorbei. Auf dem Gehweg warten Fußgänger an einer Haltestelle auf ihren Bus, der mal wieder zu spät kommt.

Mehr Personen und Güter, weniger Fahrzeuge

Egal, ob Berlin, München oder Köln – so sieht der Verkehrsalltag in deutschen Städten aus. Wenn es nach Autoherstellern, wie Mercedes geht, gehören solche Situationen bald der Vergangenheit an. Stau, genervte Pendler und hohe CO2-Emissionen waren gestern, künftig kommen Personen entspannt und Güter nachhaltig und unkompliziert von A nach B.

Klingt erstmal gut, aber wie soll das funktionieren? Der Gedanke dahinter: Auf einer unveränderten Straßeninfrastruktur sollen mehr Personen und Güter mit weniger Fahrzeugen befördert werden können.

Zwei in eins: Transporter und Pkw

Mercedes Urbanetic verschiedene Modul
Cargo- und Personenmodul können auf das "Skateboard" gesetzt werden (v.l.)

Mitte September präsentierte der Konzern seine Fahrplattform "Vision Urbanetic", die mit zwei unterschiedlichen, Container-ähnlichen Aufsätzen bestückt werden kann. Das Gefährt soll Level 5 des autonomen Fahrens beherrschen – wenn es denn je auf den Markt kommt.

Mit dem People-Mover Modul ist das System für die Personenbeförderung gerüstet, mit dem Cargo-Modul für den Gütertransport. Diese Teile können in wenigen Minuten können diese Teile automatisch oder manuell ausgetauscht werden.

Im fahrenden Untersatz, auch "Skateboard" genannt, sind alle Funktionen untergebracht, sodass er auch ohne Aufbau zum nächsten Einsatzort rollen kann.

Schickes Design: Lounge auf vier Rädern

Mercedes Urbanetic Innenraum
Zurückziehen oder Aussicht genießen? Der Innenraum ist zweigeteilt

Wie fahrerlose Taxis sollen die Wagen in der Stadt der Zukunft unterwegs sein. Ob von der Arbeit nach Hause, zu einem Geschäftstermin oder zum Essen mit Freunden – die Ride-Sharing-Fahrzeuge können per App bestellt werden und von bis zu zwölf Personen gemeinsam genutzt werden. Die Passagiere müssen sich im Innenraum auf acht Sitz- und vier Stehplätze verteilen.

Im vorderen Fahrzeugteil bieten großflächigen Fenster und ein Panoramadach einen weiträumigen Aussichten. Wer sich mehr für Details über die Route interessiert oder aktuelle Nachrichten sehen will –  ein 360-Grad-Display an der Decke macht’s möglich.

Paketdienst und Lieferservice 

Mercedes Urbanetic mit Cargo Modul
Cargotransport: Weil es keine Fahrerkabine gibt, bleibt mehr Platz für Waren

Für den Gütertransport wird ein Cargo-Modul mit flexiblem Ladeboden eingesetzt. Es kann in zwei Ebenen unterteilt werden und bietet Platz für bis zu zehn herkömmliche Europaletten.

Insgesamt hat das rund fünf Meter lange Fahrzeugsystem eine Laderaumlänge von 3,70 Metern, sodass maximal 10.000 Liter reinpassen.

So kann der Wagen zum Beispiel auch als mobile Packstation bestellte Ware an Kunden ausliefern.

Safety first – für Mitfahrer und Fußgänger

Kommunikation mit Außenwelt via Display und leuchtenden Farbsignalen

Um die Sicherheit während der Fahrt müssen sich Passagiere keine Sorgen machen, sagt Mercedes. Die Geschwindigkeit der Personen-Variante ist auf 60 km/h begrenzt, Gurte seien deshalb nicht nötig. Außerdem schont das geringe Tempo die Batterie. Für den Einsatz als Cargo-Fahrzeug ist maximal Tempo 80 vorgesehen.

Auch andere Verkehrsteilnehmer dürfen sich auf das fahrerische Können des autonomen Pkw oder Transporter verlassen. Mit Hilfe von farbigen Lichtsignalen und Animationen auf einem Frontdisplay am Kühlergrill kommuniziert das Auto mit der Außenwelt. Will etwa ein Fußgänger einen Zebrastreifen überqueren, signalisiert das Fahrzeug dem Wartenden mit  grünem Licht, dass die Sensoren ihn erkannt haben.

Alles Zukunftsmusik?

Mercedes Urbanetic mit People Mover Modul
Personenmodul und automatisierte Fahrplattform: Klingt total praktisch

Auf den ersten Blick wirkt die Vision von Daimler sinnvoll und schlüssig. Allerdings gibt Mercedes keine technischen Details ihrer futuristischen Erfindung heraus, auch konkrete Jahreszahlen für einen möglichen Start am Markt sind geheime Kommandosache.

Deshalb wird es sicherlich noch eine Weile dauern, bis wir via fahrerlosem Kleinbus von A nach B kommen oder die bestellte Pizza autonom ins Haus geliefert wird. Spannend ist das Konzept auf jeden Fall.