VW Bulli: Beziehungskisten

Junge Frau liegt in ihrem VW Bulli
Love, Peace & Understanding: Isabell in ihrem T2 Bulli ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Liebe auf den ersten Blick: Kein Auto ist mit so emotionalen Geschichten verbunden wie ein historischer Bulli. Besitzer erzählen, wie sie und ihr Kultmobil zueinander gefunden haben.

  • Die Ikone wurde mehr als 13 Millionen Mal gebaut

  • Der erste T1 wurde am 8.3.1950 produziert

  • Vor allem T1 bis T3 sind als Oldtimer beliebt

Wer einen gut erhaltenen alten Bulli sieht, dem geht das Herz auf. Plötzlich riecht es nach
Meer und Tannenwald, Erinnerungen an Love, Peace und Understanding werden wach. Heute nutzen nicht nur junge Leute den Bulli, um zum Surfen und in den Urlaub zu fahren. Auch viele Ältere verfallen dem Charme der Ikone auf vier Rädern.

Den Bulli gibt es inzwischen in sechs Generationen. Die ersten drei haben längst Kultstatus, aber auch T4-Youngtimer sind gesucht. Die Grundkonstruktion besticht durch maximale Raumausnutzung: Motor im Heck, Fahrer und Beifahrer weit vorn, dazwischen viel Platz. Zum Wohnen. Zum Schlafen. Zum Träumen.

Egal, wen man trifft: Alle, die einen Bulli besitzen, sind innig mit ihrem Fahrzeug verbunden. Besonders, wenn sie mit ihm schon viele Hotspots dieser Welt gesehen haben. Doch selbst wenn sie diese Abenteuer erst noch vor sich haben, erzählen Bulli-Fahrer mit leuchtenden Augen, warum sie sich für das Kultmobil entschieden haben. Und warum sie manchmal Qualen ertragen müssen – und dennoch immer verzeihen.

Alter Bus – neues Lebensgefühl

Familie Schmechel vor ihrem VW Bulli
Susanne, Ralf und ihr T2: Ein Bund fürs Leben ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Susanne und Ralf haben die für Bulli-Besitzer typische höchst emotionale Beziehung zu ihrem Bus. Der T2 Baujahr 1979 ist überall, wo sie damit auftauchen, ein begehrtes Fotomotiv. "Wir sind im Urlaub schon 2500 Kilometer gefahren. Und man lernt mit dem Bus immer tolle neue Leute kennen", schwärmt Susanne. Fast jedes Wochenende packen sie und ihr Mann die Bonanzaräder ein, und los geht's. 

Unglaublich viele individuelle Details fallen an dem T2 ins Auge. Die Farben signalisieren jede Menge Lebensfreude. Und das soll auch so sein. Susanne meint, der bunte Bus habe ihr Leben verändert, das Lebensgefühl sei ein anderes. "Ich rege mich nicht mehr auf über Dinge, die ich sowieso nicht ändern kann."

Susanne ist Leiterin einer Kindertagesstätte, Ehemann Ralf hat 30 Jahre als Kfz-Mechaniker bei VW gearbeitet. Jetzt schraubt er mit Begeisterung am T2 herum. "Aber nur nach Anweisung meiner Frau", sagt er lachend. Die lasse sich immer wieder neue Details einfallen. Wie das bestrickte Reserverad an der Front, den Blumentopf an der Stoßstange oder die bunten Radnaben-Aufsätze. Das fänden auch die Kinder ganz toll.

Ein Bulli als Strandbar

Jürgen Krückel in seinem VW Bulli
Jürgens T3 sorgt für Urlaubsgefühl ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Jürgen hat einen T3 Kastenwagen Baujahr 1988 zu einer Strandbar umgebaut. Der Bulli sieht aus, als gehöre er nach Surfers Paradise an die Goldküste von Australien. Dabei ist Jürgen gar kein Surfer, und er setzt sein Kleinod auch nur selten in Bewegung. Der gelernte Kfz-Mechaniker sieht den Wagen mehr als Designobjekt. Gekauft hat er ihn, weil schon sein Vater einen T3 Kasten besaß. Offensichtlich färbt die VW-Bus-Leidenschaft ab auf die nächste Generation.

Oldie-Import aus Brasilien

Mann steht an seinem VW Bulli
Jens 68er-Bus trägt noch seine Originallackierung ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Der Bulli von Jens wurde wie viele andere in Brasilien gebaut. Jens arbeitet in der Entwicklung bei Volkswagen und hat sich auch zwei der letzten Käfer aus Mexiko nach Deutschland geholt. Sein brasilianischer Bus ist Baujahr 1968. Den Lack hat er im Originalzustand belassen, Rost ist in Brasilien kein Thema. Aber die für den TÜV relevanten Dinge mussten natürlich umgebaut werden, wie die Scheinwerfer und die Blinker. "Als ich mich später mal unter das Auto gelegt habe, habe ich festgestellt, dass ein Querträger fehlt. Das hatte der TÜV nicht moniert."

Typisch Bulli: Erst die Hölle, dann der Himmel

Jan Harders sitzt in der Schiebetür seines VW Bullis
Jan wäre an der Restauration des T1 fast gescheitert ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Den Entschluss, einen VW Bus T1 zu kaufen, fasste Jan, als er in England arbeitete. "In England", erzählt der Architekt, "gibt es eine riesige Fangemeinde. Wenn du mit den Leuten zu tun hast, bist du irgendwann angefixt." Gekauft hat Jan seinen T1 Baujahr 1960 dann in Frankreich – übers Internet. Heute sagt er, es sei naiv gewesen, den Bus auf diesem Weg nach dem bloßen Eindruck von Fotos zu kaufen. Denn wie sich herausstellte, war der Wagen beinahe schrottreif.

Zwei Bücher mit der Dokumentation des Restaurationsprozesses inklusive Fotos von jedem Arbeitsschritt hat Jan angefertigt. 2006 hat er den Wagen gekauft, 2010 durch den TÜV gebracht. Das allein sind vier Jahre Arbeit. Ab 2011 folgte der Innenausbau. Zwischendurch war Jan so gut wie pleite und völlig entnervt. Doch er hatte bereits so viel Geld ins Bulli-Projekt gesteckt, dass es für ihn kein Zurück mehr gab.

"Ich hab's nie wirklich ausgerechnet, aber es sind bestimmt 60.000 Euro, die ich investiert habe", erzählt der Architekt. "Deswegen kann ich das Auto wahrscheinlich nie wieder ohne Verlust verkaufen." Aber eigentlich wolle er das auch gar nicht. Lieber solle eines seiner Kinder den Bus mal übernehmen.

Verkaufen ist keine Option

Stefan Lommek in seinem VW Bulli
Stefan in seinem tiefergelegten Samba-Bus ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Auch Stefan hat seinen Bus im Internet gefunden. Gesucht hatte er einen dieser unglaublich begehrten Samba-Busse mit den vielen Fenstern und den beiden aufstellbaren Frontscheiben. Geworden ist es dann ein T1 Baujahr 1962. Stefan – Typ Raucher mit Baskenmütze – ist seit 30 Jahren bei VW beschäftigt und kennt sich aus mit der Materie.

Er hat den Original-Samba-T1 jedoch nicht originalgetreu restauriert, wie man es eigentlich macht mit einem Oldtimer. Stattdessen hat er ihn tiefergelegt und einen Porschemotor mit immerhin 120 PS eingebaut. Erhalten wollte er hingegen unbedingt den Patina-Look des alten T1 Bus.

Damit ist das Auto ein reines Showcar. TÜV hat das Schmuckstück nicht und bekommt es auch nicht. Für den Alltag besitzt Stefan einen etwas weniger betagten T2 mit TÜV und Zulassung. Den Samba-Renn-Bus wieder verkaufen? Das würde er nur im absoluten Notfall.

Bulli mit "Save my bug"-Kontakt

Holger Harras sitzt in seinem VW Bulli
Holgers Bulli hat einen 1600er-Motor mit Hot Oil Stick ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Bei Holger und seiner Frau hat die Beziehung zum VW Bus mit einem modernen T5 angefangen. Mit dem sind die beiden zu einem Bulli-Treffen gefahren, wo sie sich in einen T1 setzen durften.

"Von da an war es um uns geschehen. Wir wollten unbedingt auch einen alten Bus haben." Gefunden haben sie ein gut restauriertes Exemplar aus den USA: einen T1 Baujahr 1967.

Der Motor ist nicht mehr original, weil er bekannt dafür ist, dass der dritte Zylinder wegen Überhitzung fest geht. "Der war bei diesem Modell irgendwie schlecht gekühlt. Liest man überall", erzählt Holger. Ursprünglich gebaut wurde sein Bulli in Hannover. "Und so habe ich die Geburtsurkunde von VW nachträglich bekommen können. Da steht sogar der Name des Verantwortlichen in der Qualitätskontrolle drauf."

Damit der Motor nicht überhitzt, kommt in Holgers Bulli eine Erfindung der amerikanischen Firma "Save my bug" zum Einsatz: Ein Ölmessstab (Hot Oil Stick), der eine drohende Überhitzung des Motoröls per Kontrolleuchte im Tacho anzeigt. Außerdem hat Holger das offizielle Kennzeichen-Schild im Fenster hinten angebracht. Da, wo es eigentlich hängen sollte, prangt ein "black plate", ein Kennzeichen aus Kalifornien. "Das kostet mich immer zehn Euro, wenn die Polizei mich anhält. Die sind es mir aber wert."

VW Käfer und VW Bus: Zwei Ikonen

Lars Conrads bereitet vor seinem VW Bulli Frühstück zu
Lars ist Schweiß-Experte von Beruf. Das passt... ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Lars hat sich einen T1 gekauft, der 1990 stillgelegt worden war. Das bedeutet Vollabnahme beim TÜV. Lars ist Schweißfachingenieur, das passt gut, wenn man ein Auto des Baujahres 1963 restaurieren will. Insgesamt besitzt er 43 alte VW-Modelle, darunter vor allem Käfer. Mehr als ein Dutzend seiner Fahrzeuge haben eine Zulassung mit Wechselkennzeichen.

"Ich bin mit Oldtimern aufgewachsen, das ist mein Ding. Als ich 13 Jahre alt war, habe ich mir meinen ersten Käfer gekauft und restauriert, mit Bleche Dengeln und allem." Den T1 hat er übrigens acht Jahre stehen lassen, bevor er das Schweißgerät an dem alten Eisen angesetzt hat.

Bulli-Liebe als Familientradition

Isabell Menke in ihrem VW Bulli
Isabells Bus ist Baujahr 1969. ∙ © ADAC/Sebastian Pfütze

Schuld an ihrer Liebe zu VW Bussen sei ihr Ziehvater, der frühere Lebenspartner ihrer Mutter gewesen, sagt Isabell. Die Zeit unterwegs im Bus verbindet sie mit den schönsten Erinnerungen. Klar, dass sie selbst auch irgendwann einen Bulli besitzen wollte, um damit in den Urlaub oder an den See zu fahren.

Für 8000 Euro kaufte Isabell einen T2 Bus Baujahr 1969. Der Bus stammt ursprünglich aus Bundeswehrbeständen. Problem: Er war in einem sehr schlechten Zustand. Und es gab keine Dokumente für den Oldie. Gemeinsam mit dem Ziehvater restauriert sie das geschundene Vehikel. Da sie im Lager bei VW arbeitet, ist sie sozusagen vom Fach, und weiß sehr gut, wo sie welche Ersatzteile bekommen kann. Meistens greift sie auf Reproduktionen der Teile zurück.

Den ursprünglichen Zustand beim Kauf schätzt Isabell auf eine 4 Minus. Allüberall sei der Rost gewesen. Aber es gelingt, den auseinander bröselnden Haufen wieder instand zu setzen. Probleme mit dem TÜV gibt es nur wegen der Beleuchtung. Lohn: Beim Bulli-Festival auf Fehmarn gewinnt sie den Titel "Schönster Hippie-Bus". Isabell sagt: "Ich hoffe, dass der Bulli mit mir alt wird." Sie arbeitet daran.

Bulli-Modelle

Typ

Bauzeit

Produktion

T1

1950-1967

2,3 Mio.

T2

1967-1979

3,9 Mio.

T3

1979-1992

1,9 Mio.

T4

1990-2003

1,9 Mio.

orangen VW T1 stehend
Aufregend und irre teuer: T1 Elektro-Bus ∙ © Volkswagen Nutzfahrzeuge

Lesen Sie hier, wie VW einen T1-Samba-Bus mit einem modernen Elektro-Antrieb ausgestattet hat.

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Wolfgang Rudschies
Redakteur
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