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Mercedes X-Klasse: Fahrbericht des Luxus-Pickup

Seitenansicht der Mercedes x-Klasse fahrend
© Mercedes

Die Mercedes X-Klasse ist der erste Pickup von Daimler. Unsere Testfahrt klärt, wie gut der noble Pritschenwagen ist. Plus: technische Daten, Videos, Fotos, Preise und das Ergebnis des Crashtests

  • Die Mercedes X-Klasse basiert auf dem Nissan Navara

  • Konkurrenten sind Renault Alaskan, VW Amarok und Ford Ranger

  • Motoren von 163 bis 258 PS, Preise ab 37.295 Euro

Das Spitzenmodell hat einen 258-PS-Motor

Draufsicht auf Mercedes x-Klasse
Der X 350d ist das stärkste Modell der X-Klasse ∙ © Mercedes

Es ist ein Mercedes, es ist 5,34 Meter lang, aber eine S-Klasse ist es nicht. Wir stehen vor einem mannshohen Gefährt (1,82 Meter), das man Mercedes eigentlich gar nicht zugetraut hatte: die X-Klasse, der erste Pickup der Marke. Seit dem Verkaufsstart im November 2017 gibt es auch auch eine bärenstarke Luxusversion, die dem Stern im Kühlergrill deutlicher Rechnung tragen soll.

X 350d heißt das gute Stück, es kostet 53.360 Euro, und als einziger X-Mercedes fährt es mit einem Sechszylindermotor vor. Warum auch nicht? Da sich VW bei seinem Amarok für eine nahezu identische Top-Motorisierung entschieden hat, ist die Idee offensichtlich nicht ganz falsch, auch bei Mercedes eine Art Pickup de Luxe anzubieten.

258 PS bringt der wuchtige Benz mit (der VW ebenfalls), dazu kommen 550 Newtonmeter Drehmoment (VW: 580). So ausgerüstet, muss man praktisch keine Herausforderung fürchten. Kein Anhänger sollte zu schwer sein, keine Steigung zu steil und kein Gelände zu schwierig.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Die X-Klasse ist kein echter Offroader

Ja, Pickups sind geländegängig, das gehört zur Job-Beschreibung. Auch wenn es für jeden Typ ein Basismodell mit Einachs-Antrieb und ohne Gelände-Untersetzung gibt (denn Pickups müssen auch preiswert sein), so stammen sie doch von den echten Geländewagen ab, mit Leiterrahmen und robuster Karosserie.

Das ist auch bei Mercedes nicht anders, zumal sich die Marke hier beim Kooperationspartner Renault-Nissan bediente – und vom Nissan Navara, der der X-Klasse zugrunde liegt, hat es schon zehn Generationen gegeben, wie Mercedes-Projektleiter Stephan Manger sagt. Aber: "Wir mussten aus dem Nissan einen Mercedes machen."

Man muss nicht lange Probe fahren, um zu erkennen, dass das gelungen ist. Zwar werkelt unter der Haube ein drei Liter großer Diesel-V6, aber man sollte schon genau hinhören, um ihn auch zu bemerken. Die Sanftheit des Federungskomforts und die Güte des Innenraums entsprechen ebenfalls weit mehr dem Mercedes-Standard als dem, was man von Nissans Nutzfahrzeug gewohnt war.

Bleibt die X-Klasse auf der Straße, kann man Ansprechverhalten von Motor und Sieben-Gang-Automatik (beide von Mercedes) auf Knopfdruck anpassen: Die Komfort-Stellung ist standardmäßig aktiviert, wer "Eco" wählt, lässt die Automatik früher hochschalten, bei "Sport" passiert ziemlich genau das Gegenteil.

Motoren, Verbrauch & Preise

TypMotorAntriebVerbrauch pro 100 kmPreis

X 220d

Diesel R4, 2,3 l, 163 PS

Hinterradantrieb

7,4 l

37.295 €

X 250d

Diesel R4, 2,3 l, 190 PS

Hinterradantrieb

7,3 l

41.819 €

X 350d

Diesel V6, 3 l, 258 PS

Hinterradantrieb

8,8–9 l

53.360 €

Große Ladefläche, gute Fahrleistungen

Ladefläche der Mercedes x-Klasse
Die Ladefläche bietet Platz für Mountainbikes, Surfbretter oder Brennholz ∙ © Mercedes

Sehr interessant ist die Einstellung "Manuell", vor allem auf lockerem Geläuf, das noch nicht die Gelände-Untersetzung erfordert. Wer sich hier entscheidet, die Gänge selbst zu wechseln, hält den Wagen bergauf deutlich besser in Schwung und kann ihn bergab sicherer langsam werden lassen. Zudem spielt der Dieselmotor hier sein hohes Drehmoment aus: Die Elektronik greift nur dann ein, wenn der Motor abzuwürgen droht. Ansonsten ist man erstaunt, wie gut enge, langsam gefahrene Kehren bergan selbst im dritten Gang funktionieren.

Wer das Auto dann doch in den Geländemodus versetzen muss, kann das mit einem Drehschalter in der Mittelkonsole sogar während der Fahrt tun, muss allerdings zwischendurch einmal mit dem Automatikwählhebel in den Leerlauf schalten. Jedenfalls funktioniert der Wagen im Low-Range-Modus ausgesprochen souverän, wozu auch die Bodenfreiheit von 20 Zentimetern beiträgt – eine Höherlegung auf 22 Zentimeter erhält man auf Anfrage.

Wer langsam über die Hindernisse rollt, kommt eigentlich überall durch, der einschränkende Faktor ist eher die enorme Länge des Fahrzeugs. Rangieren und Wenden im Gelände will trotz Rückfahrkamera gut überlegt sein.

Lifestyle-Offroader mit Nutzfahrzeug-Charakter

Heckansicht der Mercedes x-Klasse
Trotz aller Geländetauglichkeit soll die X-Klasse kein Arbeitspferd sein ∙ © Mercedes

Allerdings wird der Pickup, speziell die De-Luxe-Variante, häufiger auf als neben der Straße anzutreffen sein. "Seien wir ehrlich", sagt Marketingchef Christian Pohl, "unser X 350d ist kein Arbeitspferd." Die Anlagen dazu hätte er. Doch wenn man sieht, was für Anbau- und Zubehörteile allein für die Ladefläche angeboten werden, weiß man, dass Mercedes zumindest mit dem Topmodell der X-Klasse künftig eher Leute anspricht, die ihre Mountainbikes oder Surfbretter spazieren fahren als solche, die im Wald Holz machen.

Dazu passt das Fahrverhalten auf Asphalt perfekt. Der X 350d fühlt sich weit weniger stelzbeinig an, als man erwarten sollte. Oberste Entwicklungsziele scheinen Komfort und Handling gewesen zu sein. Kurvige Landstraßen meistert zumindest der Fahrer gut, nur die Beifahrer könnten irgendwann protestieren – Nebenwirkung von hoher Bodenfreiheit und gutem Federungskomfort ist eine gewisse Seitenneigung.

Als Lifestyle-Auto taugt dieses Produkt aus der Nutzfahrzeugabteilung allemal. Und die beste aller X-Klassen bildet einen interessanten Kontrapunkt zu den mittlerweile etwas verweichlichten SUV, ohne dabei selbst zu ruppig zu werden. Das wäre dann auch der Unterschied zum vergleichbar motorisierten VW Amarok – er ist deutlich mehr Arbeitspferd, als es die X-Klasse sein will.

Mercedes X-Klasse im Euro NCAP-Crashtest: 5 Sterne

Die Mercedes X-Klasse erreicht volle 5 Sterne. Das Fahrzeug ist überall mit Gurtkraftbegrenzern, Gurtstraffern, Kopfairbags sowie optischen und akustischen Gurtwarnern in ausgestattet. Für die vorderen Plätze sind zusätzlich Seitenairbags verbaut, für hinten sind sie optional erhältlich. Der Fahrer wird mit einem Knieairbag geschützt.

Der Insassenschutz ist gut, das Verletzungsrisiko ist für Erwachsene und Kinder überwiegend gering bis sehr gering. Hinten sind ISOFIX-Halter montiert. Der mittlere Sitz hinten ist für einige gegurtete Kindersitze geeignet, die gegurtete Montage auf dem Beifahrersitz ist unkritisch.

Der Frontairbag auf der Beifahrerseite ist deaktivierbar. ISOFIX-Anbindungen sind für den Beifahrersitz nicht erhältlich. Die X-Klasse ist mit einem leistungsfähigen Assistenzpaket mit automatischem Notbremsassistenten und Spurverlassenswarner serienmäßig ausgestattet.

Hier finden Sie die detaillierten Crashtest-Ergebnisse der X-Klasse.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © Euro NCAP
Technische DatenMercedes X 350d

Motor

6-Zylinder-Turbodiesel, 190 kW/258 PS bei 3400/min, maximales Drehmoment: 550 Nm bei 1400-3200/min

Fahrleistungen

7,5 s auf 100 km/h, 205 km/h Spitze

Verbrauch

9,0 l/100 km

Maße

L 5,34 / B 1,92 / H 1,82 m

Ladefläche

2466 m³

Preis

53.490 €

Mercedes Nutzfahrzeuge hat die Produktion der X-Klasse im Frühjahr 2020 eingestellt. Der Pickup ist also nur noch auf dem Gebrauchtmarkt zu finden.

Hier finden Sie viele weitere Fahrberichte und Autotests.

Text: Stefan Anker/SP-X