Test Mercedes A-Klasse Limousine: Was bringt das Stufenheck?

Sieht gut aus: Die A-Klasse als Stufenheck
Sieht gut aus: Die A-Klasse als Stufenheck© Daimler AG

Neben dem schicken CLA hat Mercedes einen weiteren Stufenheck-Ableger der A-Klasse im Programm: die A-Klasse Limousine. Preis: ab gut 30.000 Euro. Der A 200 d im ADAC Test. Daten, Verbrauch, Video

Mercedes hat die aktuelle A-Klasse auch als Limousine aufgelegt. Ungewöhnlich, denn zuvor hatte diesen Part das schicke Stufenheck-Coupé CLA inne. Doch offenbar wollte man dem Audi A3 Stufenheck und dem BMW 2er etwas entgegensetzen. Und wohl auch mit einem kleineren Stufenheckmodell diejenigen Kunden zurückgewinnen, denen eine C-Klasse mittlerweile zu groß geraten ist.

Der ADAC hat die Limousine als A 200 d mit 150 PS starkem Dieselmotor und Automatikgetriebe getestet. Diese Version ist zwar ab gut 38.000 Euro zu haben, doch dabei dürfte es in den seltensten Fällen bleiben. Der Testwagen war zum Beispiel mit allerlei Extras ausgerüstet – und am Ende standen 55.000 Euro auf der Liste. Ganz schön heftig für einen Kompaktwagen.

Beim Außendesign orientiert sich der 4,55 Meter lange Viertürer bis zur B-Säule am kompakten Fünftürer. Das Heck bildet eine klassische Stufe, die relativ kurz und knackig ausfällt. Nach fünf Jahren Bauzeit hat Mercedes jetzt ein bisschen am Aussehen und am Innenleben der A-Klasse gefeilt – Details siehe unten.

Kleinerer Kofferraum als im CLA, aber mehr Platz

Typische Mercedes-Front mit Stern im Grill © Mercedes

Rund 400 Liter Kofferraumvolumen sollen sich laut Hersteller unter der Heckklappe verbergen. Doch die ADAC Messung offenbart nur 335, doppelte Böden nicht mit eingerechnet. Damit ist der Kofferraum der A-Klasse Limousine sogar etwas kleiner als der des 14 Zentimeter längeren CLA Coupé. Immerhin passen sechs Getränkekisten in den Kofferraum der Limousine. Die Stunde der Stufenheck-A-Klasse schlägt beim Platzangebot auf der Rückbank, wo der eng geschnittene CLA nicht mithalten kann. In der A-Klasse sitzt man recht kommod. Die Beinfreiheit würde hier sogar für 1,95 Meter große Personen reichen (wenn vorn ein 1,85-Meter großer Fahrer sitzt), limitierend ist allerdings die Kopffreiheit: Bei 1,85 Metern Körpergröße ist Schluss.

A-Klasse Stufenheck: Schwierige Bedienung

Elegantes Interieur mit großem Touchscreen-Display © Mercedes

In der erste Reihe ist kein Unterschied zur A-Klasse mit Heckklappe. Heißt: Das Platzangebot ist ordentlich und Fahrer und Beifahrer finden sich vor einem sehr modern gehaltenen Armaturenbrett wieder mit runden, beleuchteten Lüftungsdüsen und einem auffälligen Bildschirm, der sich bis zur Mittelkonsole erstreckt. Der sieht super stylish aus, wirkt aber so mit Funktionen überfrachtet, dass man einige Zeit braucht, um damit zurecht zu kommen.

Zudem verwirren sehr vielfältige Arten der Bedienung: Für welche Funktion man den Touchscreen bemüht, das berührungsempfindliche Touchpad auf der Mittelkonsole, die Sprachbedienung, die auch Befehle versteht wie "Mir ist warm" und dann die Heizung runterregelt oder die berührungsempfindlichen Lenkradtasten, muss man erst herausfinden. Hier wäre weniger mehr gewesen.

A-Klasse mit gutem Federungskomfort

Standardmäßig ist die A-Klasse mit einem konventionellen Fahrwerk (Komfortfahrwerk) ausgestattet. Gegen Aufpreis stehen zudem ein Komfortfahrwerk mit 15 mm Tieferlegung und wie im Falle des Testwagens ein Fahrwerk mit adaptiven Dämpfern zur Wahl. Die kleine Limousine bietet mit den optionalen Adaptivdämpfern einen gelungenen Federungskomfort. Besonders auf der Landstraße und Autobahn gibt sich der kleine Benz alle Mühe, sachte schwingend über Bodenwellen zu rollen. Mit gemessenen 68,8 dB(A) bei 130 km/h ist die A-Klasse Limousine allerdings nicht sonderlich leise.

Top-Noten erhält die A-Klasse beim ADAC Ausweichtest. Der Stuttgarter lässt sich präzise und zügig durch die Pylonengasse dirigieren, dabei verhält sich der Schwabe jederzeit sicher und bestens kontrollierbar. Das ESP regelt sensibel und nur im nötigen Rahmen.

Vier Diesel, fünf Benziner, ein Plug-in-Hybrid

Unter dem Stufenheck verbergen sich 335 Liter Kofferraumvolumen © Mercedes

Bei den Benzinern hat man die Auswahl vom Brot-und-Butter-Modell A 180 (136 PS) bis zum sportlichen AMG-Modell A 35 4Matic (306 PS). A 200 (163 PS) und 250 (224 PS) gibt es optional sogar mit Allradantrieb 4Matic. Bei den Dieselmotoren gibt es eine Bandbreite von 116 (A 180 d) bis 190 PS (A 220 d). Und auch einen Plug-in-Hybrid hat Mercedes mittlerweile im Angebot: Er bringt es auf eine Systemleistung von 160 kW/218 PS und kostet knapp über 38.000 Euro.

A 200 d: Testverbrauch 5,1 l Diesel/100 km

Im ADAC Test musste sich der A 200 d samt Doppelkupplungsgetriebe beweisen, das inzwischen zwangsweise an den 4Matic genannten Allradantrieb gekoppelt ist. Der Zweiliter-Turbodiesel leistet 150 PS und sorgt für mehr als ausreichende Fahrleistungen. Von null auf hundert km/h beschleunigt die A 200 d Limousine in 8,2 Sekunden, die Spitze liegt bei beachtlichen 227 km/h – mehr Leistung braucht man nicht. Zumal auch die Durchzugskraft für einen 150-PS-Motor erstaunlich gut ist: Beim Überholen vergehen von 60 auf 100 km/h nur 4,8 Sekunden, so dass auf der Landstraße Lkw zügig und sicher passiert werden können. Auch der Testverbrauch geht mit 5,1 Litern Diesel im Schnitt völlig in Ordnung.

Nicht ganz überzeugen kann allerdings die Laufkultur des Dieselmotors. Besonders bei niedrigen Drehzahlen neigt der Antrieb zu unschönen Vibrationen und ist damit weit von dem Niveau entfernt, das man von einem Mercedes erwarten würde.

Das Getriebe überzeugt nicht, die Abgasreinigung schon

Die Schaltstrategie des Getriebes gefiel den ADAC Testingenieuren nicht. Vor allem das Ansprechverhalten beim Anfahren und nach einem Gaspedalbefehl aus gleichmäßiger Fahrt heraus wirkt unsouverän – was gerade angesichts des kräftigen Motors schade ist. Das Getriebe braucht lange, bis es sich für einen passenden Gang entschieden hat. Im schlimmsten Fall rollt man langsam in die Kreuzung hinein, statt zügig anzufahren.

Gut dagegen: Die gesetzlich limitierten Schadstoffe wie Kohlenmonoxid, Stickoxid etc. liegen durchgehend auf einem niedrigen Niveau. Nicht nur auf dem ADAC Prüfstand. Die wirkungsvolle Abgasreinigung stellte der Wagen auch bei einer Fahrt im realen Straßenverkehr (PEMS-Messung) unter Beweis.

Fazit

Die A-Klasse Limousine ist eine gute Alternative für Stufenheck-Fans, die nicht auf das bessere Platzangebot einer C-Klasse angewiesen sind oder deren Garage angesichts der immer größeren Maße von Mittelklassefahrzeugen an ihre Grenzen kommt. Schließlich ist eine C-Klasse mittlerweile 4,69 Meter lang. Preiswert ist die A-Klasse Limousine aber nicht.

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Frische Akzente fürs Modelljahr 2023

Mercedes hat die Limousine der A-Klasse überarbeitet

© Mercedes-Benz

Mercedes verpasst der 2018 eingeführten A-Klasse eine Modellpflege. Sie sorgt auch bei der Limousine für optische Frische, mehr Ausstattung, verbesserte Infotainment-Funktionen und mehr elektrische Reichweite. Erkennbar ist die überarbeitete A-Klasse unter anderem an zwei Powerdomes in der Motorhaube, außerdem wurden die Frontschürze sowie das Kühlergrill-Gitter mit dem von einer Querspange getragenen Stern überarbeitet. Die optionalen
LED-Scheinwerfer haben eine neue Grafik. Ein modifizierter Heckdiffusor und die nun serienmäßigen LED-Rückleuchten sollen die Rückseite verschönern.

Die Basis beinhaltet nun eine Rückfahrkamera, das USB-Paket und ein neues Lenkrad mit Doppelstegen und Nappalederbezug. Die Ausstattung Progressive wird um LED-Scheinwerfer, Lordosenstütze sowie Park- und Spiegelpaket erweitert. Das Park-Paket bietet künftig die Funktion des Längseinparkens sowie ein 360-Grad-Kamerabild der Fahrzeugumgebung. Neu im Cockpit verfügbar sind ein USB-C-Anschluss sowie ein Fingerabdrucksensor, über den sich der Fahrer identifizieren kann.

Die A-Klasse wird lernfähiger

Neues Lenkrad und neues Design beim Touchscreen

© Mercedes-Benz

Wie bisher gibt es ein Cockpit mit zwei Displays. Das hinterm Lenkrad ist im 7- oder 10,25-Zoll-Format erhältlich, der zentrale Touchscreen ist nun 10,25 Zoll groß. Schnellwahltasten und Trackpad in der Mittelkonsole entfallen. Die Anzeige bietet die drei neu gestalteten Stile „Klassisch“, „Sportlich“und „Dezent“. Über den rechten Touchscreen wird das Infotainment-System MBUX gesteuert, das in seiner jüngsten Auflage Einzug in die A-Klasse hält. Mit der Aktivierung von Online-Diensten der „Mercedes me“-App soll der Sprachassistent dialog- und lernfähiger sein und Fahrzeugfunktionen erklären können.

Bei den Antrieben werden die zwischen 100 kW/136 PS und 165 kW/225 PS starken Benziner nun von einem Starter-Generator unterstützt, der zusätzlich 10 kW/14 PS einbringt. Die bisherigen Benziner-Versionen A 160, A 200 4Matic und A 250 entfallen. Alle übrigen Motorvarianten werden ausschließlich mit Automatikgetrieben kombiniert. Die Handschaltung fliegt aus dem Programm

Im Fall der Plug-in-Hybridversion erlaubt der höhere nutzbare Energiegehalt mehr elektrische Reichweite. Statt bisher für maximal 78 reicht der Stromvorrat künftig für bis zu 82 Kilometer. Außerdem ist die Leistung des E-Motors um 5 kW/7 PS auf 80 kW/109 PS gestiegen. Das Laden mit Wechselstrom wird künftig mit 11 kW möglich sein. Alternativ stehen drei Diesel mit 85 kW/116 PS, 110 kW/150 PS sowie 140 kW/190 PS zur Wahl. Erste Auslieferungen erfolgen Anfang 2023. Die Preise dürften jenseits von 30.000 Euro starten.

Mercedes A 200 d: Technische Daten, Preis

Technische Daten (Herstellerangaben)

Mercedes-Benz A 200 d Limousine Progressive 8G-DCT (06/20 - 10/22)

Motorart

Diesel

Hubraum (Verbrennungsmotor)

1.950 ccm

Leistung maximal in kW (Systemleistung)

110

Leistung maximal in PS (Systemleistung)

150

Drehmoment (Systemleistung)

320 Nm

Leistung maximal bei U/min. (Verbrennungsmotor)

4.000 U/min

Antriebsart

Front

Beschleunigung 0-100km/h

8,2 s

Höchstgeschwindigkeit

227 km/h

CO2-Wert kombiniert (WLTP)

126 g/km

Verbrauch kombiniert (WLTP)

4,8 l/100 km

Verbrauch Gesamt (NEFZ)

4,3 l/100 km

Kofferraumvolumen normal

395 l

Leergewicht (EU)

1.510 kg

Zuladung

500 kg

Anhängelast ungebremst

750 kg

Anhängelast gebremst 12%

1.600 kg

Garantie (Fahrzeug)

2 Jahre

Länge x Breite x Höhe

4.549 mm x 1.796 mm x 1.446 mm

Grundpreis

38.580 Euro

ADAC Messwerte

Auszug

Mercedes A 220d Limousine Progressive 8G-DCT

Überholvorgang 60-100 km/h

4,8 s

Bremsweg aus 100 km/h

33,9 m

Wendekreis

11,2 m

Verbrauch / CO₂-Ausstoß ADAC Ecotest

5,1 l Diesel/100 km, 162 g CO₂/km (well-to-wheel)

Bewertung ADAC Ecotest (max. 5 Sterne)

****

Reichweite

840 km

Innengeräusch bei 130 km/h

68,8 dB (A)

Leergewicht / Zuladung

1560 / 450 kg

Kofferraumvolumen normal / geklappt

335 / 685 l

ADAC Testergebnis


Mercedes A 220 d Limousine Progressive 8G-DCT

Karosserie/Kofferraum

2,9

Innenraum

2,4

Komfort

2,4

Motor/Antrieb

1,9

Fahreigenschaften

1,8

Sicherheit

1,3

Umwelt/Ecotest

2,1

Gesamtnote

2,0

Die Kapitel Sicherheit und Umwelt werden doppelt gewertet; Notengrenzen: 0,6 – 1,5 sehr gut; 1,6 – 2,5 gut; 2,6 – 3,5 befriedigend; 3,6 – 4,5 ausreichend; 4,6 – 5,5 mangelhaft

Mit Material von SP-X

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