Fragen zum Versicherungsvertrag Ihres Fahrzeugs

7.8.2019

Vertragsschluss, Kündigung, Verkauf des Fahrzeuges – Ihre ADAC Clubjuristen geben Antworten auf häufig gestellte Fragen von ADAC Mitgliedern rund um die Themen Kfz-Haftpflicht- bzw. Kasko-Versicherungsvertrag.

Ehepaar im Gespräch mit einem Autohändler
Foto: iStock.com/Nastasic
  • Wird die erste Versicherungsprämie nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt, besteht von Anfang an kein Versicherungsschutz!
  • Bei einem Versicherungswechsel, müssen Sie die neue elektronische Versicherungsbestätigungsnummer rechtzeitig bei der Kfz-Zulassungsstelle vorlegen.
  • Im Schadensfall steht sowohl Ihnen als auch dem Versicherer ein außerordentliches Kündigungsrecht zu.

Wie kommt der Versicherungsvertrag zustande?

Der Versicherungsvertrag kommt zustande, wenn sich die Versicherung und der Versicherungsnehmer über den Abschluss des Versicherungsvertrages einig sind. Der Vertrag gilt dann ab dem Zeitpunkt, zu dem Ihnen die Versicherung den Versicherungsschein zugeschickt hat.


Kann ich den Versicherungsvertrag widerrufen?

Ja. Sie können den Vertrag noch innerhalb von 14 Tagen widerrufen. Den Widerruf können Sie per Brief, Fax, E-Mail gegenüber der Versicherung erklären. Einer Begründung bedarf es nicht. Zur Wahrung der Frist reicht die rechtzeitige Absendung des Widerrufs. Wir empfehlen aus Nachweisgründen den Widerruf per Einschreiben mit Rückschein zu versenden.

 

Ab wann besteht vorläufiger Versicherungsschutz?

  • Kfz- Haftpflichtversicherung
    Händigt Ihnen die Versicherung die Versicherungsbestätigung aus oder teilt Ihnen die elektronische Versicherungsbestätigungs-Nummer mit, beginnt der vorläufige Versicherungsschutz zum vereinbarten Termin. Dies ist spätestens der Tag, an dem das Fahrzeug zugelassen wird.
  • Kasko- und Kfz- Unfallversicherung
    Vorläufiger Versicherungsschutz besteht nur dann, wenn die Versicherung dies ausdrücklich zugesagt hat.


Wann muss ich die erste Versicherungsprämie zahlen?

Die erste Versicherungsprämie müssen Sie spätestens nach vier Wochen ab Zugang des Versicherungsscheins zahlen.

Vorsicht! Wird die erste Versicherungsprämie nicht oder nicht rechtzeitig bezahlt, besteht rückwirkend von Anfang an kein Versicherungsschutz! Eine Ausnahme besteht, wenn Sie für das Ausbleiben oder die verspätete Zahlung nicht verantwortlich sind.

 

Wann wird die Folgeprämie fällig?

Alle weiteren Beiträge müssen Sie zu dem im Versicherungsschein oder in der Beitragsrechnung angegeben Zeitpunkt zahlen. Die Zahlung kann je nach Vereinbarung immer jährlich, halbjährlich, vierteljährlich oder monatlich erfolgen.

 

Was passiert, wenn ich die Folgeprämie nicht zahle?

Wird der Folgebeitrag nicht rechtzeitig gezahlt, fordert die Versicherung Sie auf, den ausstehenden Beitrag (zuzüglich Kosten und Zinsen) innerhalb von zwei Wochen zu zahlen.

Achtung! Ereignet sich ein Schaden nach Ablauf der zweiwöchigen Zahlungsfrist und sind zu diesem Zeitpunkt die Beiträge noch nicht bezahlt, besteht bei einem Unfall normalerweise kein Versicherungsschutz! Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn Sie nichts für die verspätete Zahlung können. Versicherungsschutz besteht dann erst wieder für Schadenereignisse nach Zahlung der Prämie.

Zahlen Sie die geschuldeten Beiträge trotz der Mahnung nicht, kann der Versicherer den Vertrag mit sofortiger Wirkung kündigen. Bitte beachten Sie: Zahlen Sie den ausstehenden Beitrag innerhalb eines Monats (ab Zugang der Kündigung), wird die Kündigung unwirksam.


Wie lange läuft mein Versicherungsvertrag?

Die Laufzeit des Vertrags ergibt sich aus dem Versicherungsschein. Ist der Vertrag mit einer Laufzeit von einem Jahr abgeschlossen, verlängert er sich automatisch um ein Jahr - außer der Vertrag wird gekündigt.

Fahren Sie mit Versicherungskennzeichen (z.B, Mofa), endet der Vertrag immer automatisch Ende Februar. Eine Kündigung ist nicht erforderlich.

Läuft die Versicherung ausdrücklich für weniger als ein Jahr, endet der Vertrag natürlich ohne Kündigung zu dem vereinbarten Zeitpunkt.

Kündigung des Vertrages

Allgemeines zur Beendigung des Vertrages

  • Kündigen Sie Ihren Versicherungsvertrag nur, wenn Ihnen ein besseres Angebot vorliegt. Erkundigen Sie sich immer vor der Kündigung über die Prämien und die Bedingungen anderer Versicherungsgesellschaften - einige Sonderrabatte werden nicht bei allen Gesellschaften, andere nicht im selben Umfang gewährt!
  • Möchten Sie die Versicherung wechseln, müssen Sie die neue elektronische Versicherungsbestätigungsnummer rechtzeitig bei der Kfz- Zulassungsstelle vorlegen.
  • Beim Versicherungswechsel kann der neue Versicherer durch eine Rückfrage beim ursprünglichen Versicherer Ihre Angaben zum Schadenverlauf überprüfen. Die Einstufung beim neuen Versicherer erfolgt meist vorbehaltlich der Bestätigung der Angaben durch den Vorversicherer. Beachten Sie: Die beim Vorversicherer für die Prämienberechnung herangezogene Schadenfreiheitsklasse muss nicht immer mit dem Schadenverlauf und den tatsächlichen schadenfreien Jahren übereinstimmen. Der neue Versicherer stuft Sie zudem nach seiner eigenen Schadenfreiheitsklassentabelle ein. Deshalb kann es sein, dass Sie in eine komplett andere Schadenfreiheitsklasse eingestuft werden.

Sie haben einen Anspruch darauf, von der ursprünglichen Versicherung eine Schadenverlaufserklärung zu erhalten, die als Grundlage für die Berechnung des Beitrags bei dem neuen Versicherer dient.

 

Was muss ich bei der ordentlichen Kündigung beachten?

Die Mehrzahl der Versicherungsverträge läuft vom 1. Januar bis zum 31. Dezember. Versicherungsverträge können regulär spätestens einen Monat vor Ende des Versicherungsjahres gekündigt werden.

Die Kündigung sollte schriftlich mit Ihrer Unterschrift erfolgen. Das Schreiben muss spätestens einen Monat vor Ablauf des Versicherungsjahres bei der Versicherung eingehen.

Schicken Sie das Kündigungsschreiben aus Nachweisgründen per Einschreiben mit Rückschein oder per Fax. Wichtig: Heben Sie den Rückschein bzw. Sendebericht gut auf! Sollten Sie vorhaben per E-Mail zu kündigen, sollten Sie unbedingt eine Eingangsbestätigung anfordern. Eine telefonische Kündigung ist nicht ausreichend.

 

Gibt es ein außerordentliches Kündigungsrecht?

Ja. Sie haben ein außerordentliches Kündigungsrecht, wenn sich Ihr Versicherungsbeitrag ändert. Das ist dann der Fall, wenn sich die Regionalklasse oder die Typklasse Ihres Fahrzeugs ändert. Gleiches gilt, wenn aufgrund des schlechten Schadensverlaufs die Prämie angehoben wird. Unbeachtlich ist dabei, ob der Beitrag nur um ein paar Euro angehoben wird.

Ihr Versicherer muss Ihnen die Änderung einen Monat vor dem Zeitpunkt mitteilen, zu dem sie in Kraft tritt. Sie haben dann einen Monat Zeit, den Versicherungsvertrag zu kündigen. Verweisen Sie dabei auf Ihr außerordentliches Kündigungsrecht. Die Kündigung wird frühestens zum Erhöhungszeitpunkt wirksam.

 

Was muss im Kündigungsschreiben stehen?

Ein Kündigungsschreiben muss Ihre Kündigungsabsicht erkennen lassen (z.B. „Hiermit kündige ich meine Versicherung.“). Es empfiehlt sich aus Beweisgründen schriftlich per Einschreiben mit Rückschein zu kündigen. Damit Ihre Kündigung zugeordnet werden kann, sollten Sie Ihre Vertragsnummer und das Kfz-Kennzeichen mit angeben. Das Kündigungsschreiben sollte zudem datiert und unterschrieben werden. Sie können darin um eine Kündigungsbestätigung bitten.

 

Kann ich im Schadenfall kündigen?

Ja, denn im Schadenfall steht sowohl Ihnen als auch dem Versicherer ein außerordentliches Kündigungsrecht zu.

Die Kündigungsfrist von einem Monat beginnt für Sie ab dem Zeitpunkt, in dem Sie Kenntnis von der Anerkennung oder Ablehnung der Zahlung Ihrer Versicherung erlangt haben oder Ihre Versicherung Ihnen die Weisung erteilt, es über den Anspruch des Dritten zu einem Rechtsstreit kommen zu lassen.

Sie können bestimmen, ob die Kündigung sofort oder zu einem späteren Zeitpunkt (spätestens zum Ablauf des Vertrages) wirksam werden soll.

 

Ist die Kündigung einzelner Versicherungsarten möglich?

Ja. Sowohl die reguläre als auch die außerordentliche Kündigung kann auf eine Vertragsart beschränkt werden. Also z.B. nur auf die Kfz-Haftpflichtversicherung und nicht auf die daneben bestehende Kfz-Kaskoversicherung.

Achtung! Da die Versicherungen aber daran interessiert sind, dass Sie neben der Kasko- eine führende Kfz-Haftpflichtversicherung haben, wird die Versicherung im Normalfall die gesamte Kfz-Versicherung (inkl. Kaskoversicherung etc.) für das Fahrzeug kündigen.

Sonderfälle

Viele Fragen von Mitgliedern betreffen den Fall des Verkaufs des Autos – was ist aus versicherungsrechtlicher Sicht zu beachten? Oder ein Fahrzeug soll zugelassen bzw. abgemeldet werden – welche Fahrten sind hier versichert? Aber auch die Besonderheiten bei Saisonkennzeichen und Versicherungskennzeichen führen zu Rückfragen.

 

Gibt es Besonderheiten bei Fahrzeugen mit Versicherungskennzeichen?

Fahrzeuge, deren Höchstgeschwindigkeit mehr als 6 km/h beträgt, sind versicherungspflichtig. Solche Mofas, Mopeds, S-Pedelecs und Co. müssen Versicherungskennzeichen als Nachweis über den Versicherungsschutz führen.

Es gelten folgende Besonderheiten:

  • Versicherungskennzeichen sind generell nur ein Jahr gültig. Sie laufen immer vom 1. März eines Jahres bis zum letzten Tag des Februars im folgenden Jahr. Z.B. vom 01.03.2019 0 Uhr bis 29.02.2020 24 Uhr. Der Versicherungsschutz beginnt jeweils ab Abschluss des Versicherungsvertrages. Die Prämie wird immer für den vollen Monat berechnet.
  • Es handelt sich um ein "Ablaufkennzeichen". D.h. eine Kündigung ist nicht notwendig. Als Versicherungsnachweis dienen das Kennzeichen und die Versicherungspolice.
  • Wird ein Fahrzeug ohne Versicherungskennzeichen verkauft, wird der Betrag zurückerstattet, der für das restliche Versicherungsjahr noch zur Verfügung steht. Verkaufen Sie das Fahrzeug mit Versicherungskennzeichen und soll dieses auf den Erwerber übergehen, ist der Verkauf der Versicherung anzuzeigen.
  • Kann das Fahrzeug z.B. unfallbedingt nicht mehr benutzt werden, kann der Versicherungsnehmer einen Antrag auf Erstattung der restlichen Prämie für das laufende Versicherungsjahr stellen.
  • Wird die Versicherung nach dem 1. März abgeschlossen, müssen Sie natürlich nur für die tatsächlich anfallenden Monate bis Ende Februar zahlen.
  • Wer kein Versicherungskennzeichen hat und trotzdem fährt, begeht eine Straftat.

 

Was muss ich bei der Veräußerung meines Fahrzeugs beachten?

  • Verkaufen Sie Ihr Fahrzeug mit dem Kennzeichen, geht die Versicherung auf den Erwerber über. Ausnahme: Dies gilt nicht für die Kfz-Unfallversicherung. Sie müssen zusammen mit dem Erwerber der Versicherung den Verkauf des Fahrzeugs unverzüglich anzeigen. Achtung! Unterbleibt die Anzeige, kann der Verlust des Versicherungsschutzes drohen!
  • Schließt der Erwerber für das Fahrzeug eine neue Versicherung ab und legt er bei der Zulassungsbehörde eine Versicherungsbestätigung vor, endet damit automatisch die alte Versicherung. Die Kündigung wird zu Beginn der neuen Versicherung wirksam.
  • Beim Verkauf des Fahrzeuges kann sich die Versicherung aussuchen, ob sie von Ihnen, als Verkäufer, oder vom Erwerber die für das laufende Versicherungsjahr ausstehende Versicherungsprämie abkassiert. Sie sollten deshalb im Kaufvertrag festhalten, dass der verkaufte Wagen unverzüglich vom Käufer umzumelden ist. Meldet der Käufer das Kfz dann nicht bzw. erst später um, können Sie beispielsweise Schadenersatz in Höhe der Prämiendifferenz fordern.
  • Verursacht der Käufer vor Ummeldung des Fahrzeugs einen Unfall, muss Ihre bestehende Versicherung für den (Dritt-)Schaden voll aufkommen. Aber keine Sorge: Dabei wird Ihr Schadenfreiheitsrabatt nicht berührt, wenn die Versicherung durch ein von Ihnen und dem Käufer unterschriebenes Schreiben über den Zeitpunkt der Übergabe des Fahrzeugs informiert wurde. Der neue Versicherungsvertrag des Käufers wird dann im Kalenderjahr nach der Schadenmeldung unter Berücksichtigung des Unfallschadens eingestuft. 
     
    Hinweis: Den ADAC Kaufvertrag mit entsprechenden Verkaufsmitteilungen finden Sie hier.

 

Besteht für Fahrten vor der Zulassung und nach der Abmeldung Versicherungsschutz?

Der Versicherer bzw. der Versicherungsnehmer hat bei vorläufiger Deckung zwei Möglichkeiten, den Beginn des Versicherungsschutzes festzulegen:

  • Ohne Nennung eines konkreten Datums mit "ab Tag der Zulassung" oder
  • mit Nennung eines konkreten Datums.

Entsprechende Formulierungen finden Sie regelmäßig in den Antragsformularen der Versicherungen. In jedem Fall beginnt der Versicherungsschutz spätestens ab dem Tag der Zulassung um 0 Uhr. 

Der Versicherungsschutz in der Kfz-Haftpflichtversicherung besteht auch für die "Zulassungsfahrten". Zulassungsfahrten sind dabei Fahrten, die im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren innerhalb des für den Halter zuständigen Zulassungsbezirks und eines angrenzenden Zulassungsbezirks ausgeführt werden. Als derartige Fahrten gelten insbesondere Fahrten zur Durchführung der Hauptuntersuchung, Sicherheitsprüfung oder Abgasuntersuchung. Auch Rückfahrten von der Zulassungsbehörde nach Entfernung der Stempelplakette bis 24 Uhr desselben Tages gelten als Zulassungsfahrten. 

Voraussetzung für die Durchführung solcher Fahrten ist jedoch, dass ein Kennzeichen von der Kfz-Zulassungsstelle bereits zugeteilt oder reserviert ist und dieses Kennzeichen - wenn auch ohne amtliche Stempel - am Fahrzeug angebracht ist.

 

Endet der Vertrag bei Außerbetriebsetzung des Fahrzeuges automatisch?

Nein. Wird das versicherte Fahrzeug außer Betrieb gesetzt und soll es zu einem späteren Zeitpunkt wieder zugelassen werden, wird dadurch der Versicherungsvertrag nicht beendet. Der Vertrag geht in eine beitragsfreie Ruheversicherung über, wenn die Zulassungsbehörde der Versicherung die Außerbetriebsetzung mitteilt.

Während der Dauer der Außerbetriebsetzung beinhaltet die Ruheversicherung nur eingeschränkten Versicherungsschutz. Wird das Fahrzeug wieder zum Verkehr zugelassen, muss der Versicherungsnehmer dies dem Versicherer unverzüglich melden. Der ursprüngliche Versicherungsschutz lebt dann wieder auf. 

Der Versicherungsnehmer ist verpflichtet, das Fahrzeug nach der Außerbetriebsetzung in einem Einstellraum (z.B. Einzel- oder Sammelgarage) oder auf einem umfriedeten Abstellplatz (z. B. geschlossener Hofraum) abzustellen und das Fahrzeug außerhalb dieser Räumlichkeiten nicht zu gebrauchen. Verletzt der Versicherungsnehmer diese Pflicht, ist der Versicherer unter bestimmten Voraussetzungen leistungsfrei.

 

Ist mein Fahrzeug mit Saisonkennzeichen auch außerhalb der Saison versichert?

Für Fahrzeuge, die mit einem Saisonkennzeichen zugelassen sind, besteht der vereinbarte Versicherungsschutz während des auf dem Kennzeichen dokumentierten Zeitraums (Saison). 

Außerhalb der Saison besteht ein Ruheversicherungsschutz. Ihr Fahrzeug ist aber in der Kfz-Haftpflichtversicherung für Fahrten (innerhalb des für den Halter zuständigen Zulassungsbezirks und des angrenzenden Bezirks!) im Zusammenhang mit dem Zulassungsverfahren und Fahrten zur Hauptuntersuchung, Sicherheitsprüfung oder Abgasuntersuchung versichert.

Streit mit der Versicherung

Wenn man mit der Versicherung über vertragliche Details streitet und keine Einigung in Sicht ist, dann kann man seine Beschwerden gegen das Versicherungsunternehmen an den Ombudsmann* für Versicherungen richten.
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Text: Juristische Zentrale