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Der ADAC

Pilotprojekt Platooning: Lkw fahren in Kolonne

Zwei MAN Lastwagen fahren hintereinander im Platooning Verbund auf der Autobahn.
Platooning im Test: Zwei MAN-Sattelzüge auf der A9 zwischen München und Nürnberg ∙ © MAN

Beim Platooning fahren mehrere Lastkraftwagen automatisiert hinter einem Führungsfahrzeug in Kolonne – die Technik wurde im realen Verkehr getestet.

Schier endlose Lkw-Kolonnen auf der rechten Autobahnspur sind für Autofahrer wahrlich kein neues Phänomen. Deshalb wird nur den Wenigsten auf der A9 zwischen München und Nürnberg aufgefallen sein, dass MAN und DB Schenker hier über einen Zeitraum von sieben Monaten mit dem sogenannten Platooning die Zukunft erprobt haben. Wir stellen die zentralen Erkenntnisse der Projektpartner aus dem Testlauf vor.

Was ist Platooning?

Beim Platooning vernetzen sich mehrere Lkw, die auf der gleichen Strecke unterwegs sind, über Car-to-Car-Kommunikation zu einer Einheit. Der Fahrer des ersten Lkw gibt Tempo und Richtung vor, alle anderen folgen ihm automatisiert, lenken und bremsen selbsttätig im Takt des Führungsfahrzeugs. Abstand: zwischen 15 und 21 Meter. Unter normalen Umständen wäre das viel zu wenig.

Die Fahrzeuge im Platoon (engl. für "Trupp, Einheit") tauschen aber über WLAN (ITS G5) ständig Daten über den Zustand des Platoons, die Geschwindigkeit, die Beschleunigung, die Bremsverzögerung und die GPS-Position aus. Deshalb reagieren die hinteren Fahrzeuge ohne Zeitverzögerung und würden auch bei einer Notbremsung des ersten Lkw nicht aufeinander auffahren.

Die Projektfahrzeuge absolvierten ihren Test auf Grundlage einer Ausnahmegenehmigung des Bayerischen Innenministeriums auf dem Digitalen Testfeld Autobahn, denn Platooning ist heute im Realverkehr nicht erlaubt.

Das Pilotplatoon bestand aus zwei Lkw. Diese waren zwar mit Kamera, Laser, GPS und Radar technisch gut bestückt, aber lediglich auf Level 2 der Skala des automatisierten Fahrens unterwegs. Das heißt: Völlig selbsttätig konnten und durften sie nicht fahren. Beim Test war der nachfolgende Lkw mit einem Berufskraftfahrer besetzt, der jederzeit eingreifen konnte. Drängte sich zum Beispiel ein Pkw in die kleine Lücke zwischen den Brummis, wurde die „virtuelle Deichsel“ des Platoons gekappt – und die Fahrer mussten übernehmen.

10 Prozent weniger Kraftstoff war das Ziel

Weil die Lkw beim Platooning im Windschatten fahren, erwarteten die Projektteilnehmer eine Kraftstoffeinsparung von bis zu 10 Prozent. Alle Fahrzeuge sollten von der Einsparung profitieren, deshalb wechselte das Führungsfahrzeug regelmäßig durch. Doch die hochgesteckten Erwartungen konnte das Pilotprojekt nach Aussage der Beteiligten nicht erfüllen. „Die Kraftstoffersparnis betrug 3 bis 4 Prozent“, sagte Alexander Doll, Vorstand Finanzen, Güterverkehr und Logistik der Deutschen Bahn. Einen Grund hierfür sahen die Projektpartner in den strengen Regeln des Tests – in Baustellen, bei regnerischem Wetter oder bei Autobahnkreuzungen wurde das Platooning-System ausgeschaltet.

98 Prozent Zuverlässigkeit

Die zentrale Erkenntnis für die am Test beteiligten Unternehmen war die extrem hohe Zuverlässigkeit des verbauten Platooning-Systems von 98 Prozent. Die Fahrer der Lkw mussten laut MAN und DB Schenker nur einmal pro 2.000 Kilometer eingreifen – bei einer Fahrleistung von 35.000 Kilometern war dies deutlich seltener als erwartet. „Das System funktioniert zuverlässig“, so Joachim Drees, Vorsitzender des Vorstands von MAN Truck & Bus SE.

Das Logistikunternehmen DB Schenker ist überzeugt davon, dass mit Platooning etwa 40 Prozent der in Europa gefahrenen Transportkilometer abgedeckt werden könnten. Voraussetzung dafür: Weitere Tests, bei denen es um die Lenkzeiten und die exakten Abstände zwischen den Lkw geht.

Die Erfahrungen der Fahrer

Weiterhin stand die Belastung des Fahrers beim Platooning im Mittelpunkt der Untersuchungen, die vom Projektpartner Hochschule Fresenius mit neurophysiologischen Messungen begleitet wurden. Zu Beginn des Tests standen die Fahrer dem Projekt durchaus kritisch gegenüber – eine Einstellung, die sich durch die Erfahrungen im Testbetrieb deutlich veränderte. So steigerte sich das Vertrauen in die Technik im Lauf der Projektphase und die Fahrer empfanden keine der konkret erlebten Fahrsituationen als „unkontrollierbar“.

Andere Fahrzeuge, die zwischen den Platoon-Lkw durchfuhren, wurden zwar als "unangenehm", nicht aber als "kritisch" wahrgenommen. Auch die Messungen der Hirnströme mittels EEG ergaben keine Unterschiede zwischen den Fahrern eines normalen oder eines Platoon-Lkw, so die Hochschule Fresenius.

Lkw-Platooning
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Hier finden Sie den Projektbericht der beteiligten Partner am Platooning-Projekt.