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  • Einstieg

    Sonnige Aussichten für Gipfelstürmer jeder Art

    Dieses Urlaubsziel weckt mit verschwenderischer Natur, dramatischen Bergen, prächtigen Kirchen, trutzigen Burgen, gelebter Tradition, deftiger Küche und frischen Weinen Leidenschaft bei allen Genießern.
    Mehr als nur ein Hauch von Süden liegt über der nördlichsten Provinz Italiens, die so vieles verbindet: mildes Klima und viel Sonne, gewaltige Gebirge und sanfte Hügellandschaften, lebhafte Städte und einsame Täler, deutsche und italienische Kultur.
    Eisack-, Puster- und Etschtal sind die drei Haupttäler des ›Lands im Gebirg‹ (so eine mittelalterliche Titulierung), das zu 85 Prozent über 1000 m hoch liegt. Im Norden wird Südtirol vom Alpenhauptkamm, im Osten von den Dolomiten und im Westen vom Ortlermassiv eingefasst und vor kalten Winden geschützt. Das trockene, warme Klima macht die Region zum idealen Ziel für Aktivurlauber und gemütliche Sonnenanbeter.
    Wohlstand durch Verkehr
    Die verkehrsgünstige Lage am Brenner, dem niedrigsten Alpenübergang, brachte schon im Mittelalter Wohlstand ins südliche Tirol. Im 13. und 14. Jh. war es eine unabhängige Grafschaft. Mit unzähligen Burgen, die heute noch die Berghänge krönen, sicherten die Landesherren die Wege durch die Täler. Mit prächtigen Altären und Fresken schmückten Fürstbischöfe wie Bauern ihre Kirchen. Auch nachdem die Region 1363 an die österreichischen Habsburger gefallen war, erhielten sich die Südtiroler ihre eigene Kultur. Der als Volksheld verehrte Andreas Hofer verteidigte diese gegen die Bayern im Jahr 1809 ebenso wie sich die Volksvertreter der letzten Jahrzehnte gegen zentralistische Bestrebungen in Rom wehrten.
  • Typisch / Gut zu wissen

    Unabhängig von Trient, aber ein Teil von Italien

    Südtirol fiel nach dem Ersten Weltkrieg an Italien, fühlte sich dort aber lange fremd. Seit es echte Autonomie genießt, hat sich die einst explosive Stimmung deutlich entspannt.
    Nach alter Tradition brennen im Frühsommer in der Herz-Jesu-Nacht auf allen Gipfeln Feuer zu Ehren des Andreas Hofer. Aber in der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961 erlebten die Südtiroler ein Feuerwerk ganz anderer Art: 37 Starkstrommasten flogen in die Luft. Die Aktion richtete sich gegen die Stromversorgung der oberitalienischen Industrien und damit gegen die ›Italiener‹ allgemein, zu denen sich die Südtiroler nie zählten und deren staatliche Strukturen sie damals als Besatzung empfanden. Bei der folgenden Welle von Bombenattentaten kamen sogar Menschen ums Leben.
    Bereits der Pariser Vertrag von 1946 sicherte Südtirol Autonomie zu. Zwei Jahre nach dem Autonomiestatut entstand die autonome Region Trentino-Tiroler Etschland. Zu der neugebildeten Region gehörte auch die italienischsprachige Provinz Trento (Trient). Damit hatten die ›Italiener‹ eine klare Mehrheit in der Region. Der Unmut der Südtiroler wuchs stetig, denn die Zentralregierung in Rom verzögerte die Umsetzung wichtiger Punkte des Pariser Vertrages und förderte zudem massiv die Ansiedlung italienischer Arbeitskräfte in Bozen. Bei den deutschsprachigen Bevölkerungsteilen schürte dies Angst vor dem Verlust ihrer Identität.
    1957 versammelten sich 35.000 Südtiroler auf Schloss Sigmundskron, um unter der Parole ›Los von Trient‹ die Selbstbestimmung zu fordern. In den 1960er-Jahren war die Stimmung so aufgeheizt, dass die Attentäter mit Sympathien rechnen konnten. Die Parolen ›Los von Trient‹ und ›Los von Rom‹ prangten an vielen Hauswänden.
    Auch vor der UNO war Südtirol Thema. Nach zwei Resolutionen, die die Rechte der deutschsprachigen Minderheit bekräftigten, nahmen Südtirol, Österreich und Italien Verhandlungen auf. Diese führten zum zweiten Autonomiestatut, das 1972 in Kraft trat. Damit gingen die Selbstverwaltungsrechte auf Südtirol über. Als Autonome Provinz Bozen kann es jetzt über viele Belange selbst entscheiden. Auch die offizielle Gleichstellung von Deutsch und Italienisch als Verwaltungsprachen entschärfte den Streit.
    Ursachen des Konflikts
    Das Problem war entstanden, als Italien 1919 nach Ende des Ersten Weltkriegs Südtirol zugesprochen bekam, ein Gebiet, das seit alters her zu Österreich gehört hatte. Kulturell gab es keine Begründung für die Teilung Tirols. Die zu fast 100 Prozent deutschsprachigen Bewohner Südtirols fanden sich auf einmal als winzige Minderheit im italienischen Staat wieder.
    Touristinformation
    Visit Brussels
    Rue Wiertz (Europäisches Parlament)
    Brüssel
    Belgien
    Mit der Machtübernahme durch die Faschisten 1922 wurde die Situation für die Südtiroler richtig bedrückend. Die gemeinsame Sprache sichert die Identität einer Volksgruppe, und genau dort setzte Ettore Tolomei (1865-1952) als frisch installierter Leiter des ›Kommissariats für Sprache und Kultur des Alto Adige‹ an. Um dem südlichen Teil Tirols den Anschein der ›Italianità‹ zu geben, schuf er in fanatischer Kleinarbeit italienische Entsprechungen für gut 12 000 gewachsene deutsche Namen von Städten, Dörfern, Bergen, Tälern und Gewässern. Dieser Angriff auf die deutschsprachige Identität sorgte für viel Bitterkeit, die noch heute nachwirkt.
    Vorteile als Minderheit
    Dabei ist aus dem einstigen Problemkind der Musterschüler Europas geworden. Wegen seiner vorbildlichen Regeln zum Erhalt der Eigenständigkeit der deutschen und der ladinischen Bevölkerung gilt Südtirol heute als Modellregion. Dazu kommt ein enormer wirtschaftlicher Erfolg, der nicht zuletzt der Sondersituation einer deutschsprachigen Provinz innerhalb Italiens zu verdanken ist.
    Sehr viele deutsche und österreichische Firmen haben Niederlassungen in Südtirol gegründet, weil sie dadurch nah am italienischen Markt sind, ohne sich mit Sprachproblemen belasten zu müssen. Die Zweisprachigkeit macht die Einheimischen sehr flexibel. Durch den vom italienischen Staat stets geförderten Zuzug standen den vielfältigen Industriebetrieben immer genug Arbeitskräfte zur Verfügung. Das Autonomiestatut verschafft der Provinz Bozen reichlich Mittel für Investitionen, weil sie über 90 Prozent des Steueraufkommens selbst verfügen kann. Nach jahrzehntelangem Kampf gegen die Bevormundung aus Rom haben die Südtiroler nun ihren Platz in Italien gefunden.

    Das Füllhorn der Natur beschert reiche Ernte

    Obst und Gemüse gedeihen in Hülle und Fülle. Die starke Sonneneinstrahlung lässt Weizen und Wein noch in großen Höhen reifen. Die Bewässerung ist genial gelöst.
    In Südtirol findet sich mit über 18.400 ha das größte zusammenhängende Apfel-Anbaugebiet Europas. Kilometerweit ziehen sich die niedrigen Baumreihen schnurgerade durch die Täler. Wo früher einmal 300 ausladende Bäume pro Hektar wuchsen, werden heute gut 2000 kaum mannshohe Zwerge angepflanzt. Der moderne Baum hat dünne Zweiglein, alle Kraft geht in die Früchte, die wegen seiner geringen Größe bequem zu ernten sind.
    Die einzigartige Südtiroler Wärme bringt die Farben der Äpfel zum Leuchten und in den Früchten eine starke Süße hervor. Welchen Überfluss die Natur über diesen Landstrich ausschüttet, spürt man am besten im Frühjahr, wenn die Apfelblüte die Täler in einem zartrosa schimmernden Blütenmeer versinken lässt. Im Herbst folgt eine Explosion an Fruchtbarkeit, wenn so viele rotbackige Äpfel an den dünnen Zweigen hängen, dass diese gestützt werden müssen.
    Wärmestau im Tal
    Neben dem Etschtal ist der Vinschgau das Hauptanbaugebiet für Obst. Er verläuft vom Reschenpass bis nach Meran trotz seiner Breite tief eingeschnitten zwischen den ungeheuren Steinmassen der Ötztaler Berge im Norden und der Ortlergruppe im Süden. Gegen die kalten Winde aus dem Norden ist er gut abgeschirmt, aber auch die feuchte Meeresluft kommt nicht ins Tal, was zu extremer Trockenheit, Gluthitze im Sommer und Eiseskälte im Winter führt. Äpfel und Wein lieben die Wärme, und die Gesteinserosion durch die starken Temperaturschwankungen macht die Böden sehr mineralienreich.
    Wandern auf Waalwegen
    Gegen die Trockenheit setzen die Südtiroler seit langer Zeit ein ausgeklügeltes System, mit dem sie die fruchtbaren Böden bewässern. Schon im 12. Jh. kamen die so genannten Waale auf, kunstvoll angelegte Kanäle, die die Neigung der Hänge ausnutzten, um das Wasser nach einem genau festgelegten Plan auf die verschiedenen Felder und Plantagen zu verteilen. Wenn das Wasser nicht richtig lief, alarmierten Glöckchen an den Wasserrädern, Waalschellen genannt, die Hüter der Kanäle, die in den Waalerhütten übernachteten.
    Das System der Waale ließ in dem trockenen Südtirol eine Kulturlandschaft entstehen, die ihresgleichen sucht, weil sie sich genial die Verbindung von Wärme und Fruchtbarkeit zunutze machte. Heute kann der Besucher auf den alten Waalwegen längs der Wasserläufe die Bergbauernwelt Südtirols entdecken. Mit geringer Steigung verlaufen sie aussichtsreich an den sonnenüberfluteten Hängen.
  • Essen & Trinken

    Das täglich Brot der Berge mundet auch im Tal

    Die traditionellen Gerichte mit ihren ganz einfachen Zutaten machen nicht nur satt, sondern auch glücklich. Dazu passen besonders gut die originären Weine der Region.
    Trotz der Grenze zwischen Österreich und Italien lässt sich die kulinarische Verwandtschaft mit dem nördlichen Tirol nicht leugnen. Die ursprüngliche Südtiroler Küche hat mehr mit Österreich zu tun als mit Italien. Vor allem wurzelt sie in den einfachen bäuerlichen Traditionen der Alpen. Die schwer arbeitende Bergbevölkerung bevorzugte deftige und kalorienreiche Mahlzeiten. In Südtirol sind Brot, Speck, Käse und Wein die Grundlagen der kulinarischen Genüsse.
    Deftige Spezialitäten
    In den Alpen war Getreide das wichtigste Lebensmittel, Brot die Grundnahrung der Bauern. Das Schüttelbrot war früher unabdingbar wegen seiner langen Haltbarkeit und wird noch heute zu fast jeder Mahlzeit gereicht. Es ist ein dünner, fast nur aus Kruste bestehender Fladen aus gewürztem Roggenteig. Das Vinschgerle oder Vinschger Paarl ist ein frischer Fladen aus Roggen- und Weizenteig.
    Brot liefert auch die Grundlage für die Knödel. Harte Brotreste lassen sich zu vielen reichhaltigen Varianten verarbeiten. Mit Käse oder Speck angereichert werden sie meist als Nocken angeboten.
    Auch Gerstensuppe ist ein traditionelles bäuerliches Gericht. Die sogenannten Schlutzkrapfen oder Schlutzer erzählen dagegen von der Annäherung zwischen Norden und Süden, sie erinnern an italienische Ravioli und werden meis-tens mit Spinat gefüllt.
    Die Süßspeisen wiederum sind eine Reminiszenz an die feinere Wiener Küche. Kaiserschmarrn oder ein saftiger Apfelstrudel stehen am häufigsten auf der Karte.
    Brot und Käse für alle
    Kaum eine Mahlzeit schmeckt so gut wie oben auf der Berghütte eine Marende (Brotzeit) nach einer ordentlichen Wanderung. Doch die typische Jause gibt es längst auch im Tal. Sie besteht aus Brot, Speck, Käse und der Kaminwurzen, einer luftgetrockneten Rohwurst aus Rindfleisch und Schweinespeck.
    ›Südtiroler Speck‹ ist eine geschütz­te geografische Angabe (g.g.A.) und bezeichnet einen milden, leicht geräucherten Rohschinken. Traditionell hergestellt muss der Speck monatelang reifen, wird immer wieder mit Salzlake überschüttet und schließlich in Wacholder geräuchert. Immerhin 9000 t Speck werden in Südtirol jedes Jahr hergestellt. Das Produkt sollte dunkelrot und nicht zu salzig sein.
    Käse stellen Südtiroler Betriebe in großer Vielfalt her, ob Schnitt-, Hart-, Weich-, Frisch- oder Sauermilchkäse, alles ist im Angebot. Als Besonderheit darf echter Almkäse gelten, von kleinen Sennereien, die einen Stilfser, einen Fontal oder einen Toblacher Stangenkäse von würzig feinem Geschmack produzieren. Zu haben sind sie im Feinkosthandel, auf dem Bauernmarkt, direkt ab Hof oder auch in einer Bauernschenke. Eine Südtiroler Spezialität sind Bauernhöfe, die in einem kleinen, meist urig gestalteten Gastraum eigene Produkte und kleine Gerichte anbieten.
    Einheimische Weine
    Weinreben zu kultivieren hat im Etschtal seit der Bronzezeit Tradion. Die Römer haben erst hier die Lagerung in Holzfässern gelernt. Einige Rebsorten werden nur in Südtirol angebaut. Aus der unkomplizierten Rebe Vernatsch wird z.B. der ›Kalterer See‹ gekeltert, ein heller fruchtiger Rotwein.
    Der Lagrein ist ein farb- und tanninbetonter, kräftiger und würziger Tropfen. Als besonders geeignet für einen guten Lagrein gelten die Sand- und Kiesböden von Gries, einem Ortsteil Bozens.
    Der dritte originäre Südtiroler Wein ist der Gewürztraminer, ein intensiv stroh- bis goldgelber Weißwein mit fruchtigem Ton, viel Restsüße und hohem Alkoholgehalt. Es gibt ihn auch als Dessertwein, und er wird nicht mehr nur in seiner Heimat Tramin angebaut.
    Törggelen heißt wandern
    ›Törggelen‹ bezeichnet einen alten Herbstbrauch, der zum Inbegriff der Südtiroler Lebensart geworden ist. Abgeleitet vom Südtiroler Wort ›Torggel‹ für Weinpresse, handelt es sich um das Verkosten des neuen Weins direkt beim Winzer.
    Wer sich mit dem Bus in eine große Gaststätte zum Weintrinken fahren lässt, hat vielleicht viel Spaß, war aber nicht beim ›Törggelen‹. Denn dazu gehört, auf eigenen Füßen über die Hänge zu wandern und in einer oder mehreren der originalen Weinbauernschenken einzukehren, die im Herbst durch einen Buschen (Strauß) über der Tür anzeigen, dass nunmehr geöffnet ist. Zum frischen Wein schmecken besonders gut Schlachtschüssel, Speck oder Knödel mit Kraut.
  • Tipps

    Wie, wo, was

    Informationen und Adressen, die Ihren Aufenthalt am Urlaubsort erleichtern.
    Tourist-Infos
    Über die Region informiert die
    Südtirol Tourismus Information
    Tel.: +39 04 71 99 99 99
    www.suedtirol.info
    Mobilcard und Museumobil Card
    Die Mobilcard gewährt für 1, 3 oder 7 Tage die Nutzung der öffentlichen Verkehrsmittel des Südtiroler Verkehrsverbundes, die Museumobil Card für 3 oder 7 Tage zusätzlich freien Eintritt in über 90 Museen:
    Fahrverbote
    Sie gelten im gesamten Gemeindegebiet von Bozen und Brixen ganzjährig Mo-Fr 7-10 und 16-19 Uhr für Autos der Schadstoffklassen Euro 0 und 1 und Euro 2 Diesel.
    Reisezeit
    In den nach Süden offenen Tälern wird es ab Mitte Februar angenehm mild. Die Obstbäume blühen im April, während sich auf den schneebedeckten Bergen noch bis weit nach Ostern Skifahrer tummeln. Im August ist jedes Bett besetzt. Der Herbst ist die Zeit zum Törggelen.
    Öffnungszeiten
    Viele Sehenswürdigkeiten sind nur von April bis Oktober geöffnet. Burgen sind meist nur mit Führung zugänglich, Kirchen oft zu sehr eingeschränkten Zeiten.

– HRS Hotels –

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