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Quallen und Staatsquallen


Wenn von Quallen in typischen europäischen Urlaubsregionen die Rede ist, handelt es sich meist um folgende Tiere:
  • Ohrenqualle (Aurelia aurita)
    Sie stellt die in unseren Breiten (Mittelmeer) die verbreitetste Art dar. Zu ernsthaften Problemen nach Kontakt kommt praktisch nie, da die Stacheln an ihren Nesselzellen menschliche Haut nicht durchdringen können.
  • Leuchtqualle (Pelagia noctiluca)
    Ihr Name kommt von dem schwachen Leuchten, das sie nachts bei Berührung zeigt. Ihr Schirm misst nur wenige cm im Durchmesser, was sie schwer zu entdecken macht. Vor allem im Mittelmeer tritt sie immer wieder in Scharen auf und führt oft ihn kurzer Zeit zu hunderten behandlungsbedürftigen Verletzungen. Ihre Stiche sind sehr schmerzhaft, aber nicht wirklich gefährlich.

  • Portugiesische Galeere (Physalia physalis)
    Diese Tiere, die eigentlich gar keine Quallen sind, werden immer wieder vor den Küsten Spaniens und der französischen Atlantikküste gesichtet. Mitunter kommt es auch zu regelrechten Plagen. Und sie gehören zu den Wassertieren, die wirklich gefährliche Vergiftungen hervorrufen können. Ihren berühmten Namen haben sie wohl erhalten, weil ihre bläulichen Gasblasen aus dem Wasser herausragen und von der Form her an ein altes Segelschiff erinnern sollen.
    Was Physalia physalis aber so gefährlich macht, ist der Teil von ihr, den man in der Regel erst wahrnimmt, wenn es schon zu spät ist: Im Wasser, unter der Gasblase, hängen zahlreiche dünne Fäden, die meist etwa 10 m lang sind, aber auch 20 und mehr erreichen können. Sie sind dicht mit Nesselzellen besetzt, in denen sich ein starkes Gift befindet, das bei Berührung regelrecht in die Haut des Opfers injiziert wird. Die Wunden, die es hervorruft, gleichen Peitschenstriemen oder Verbrennungen und sind auch ähnlich schmerzhaft. Meist lassen die Schmerzen aber nach etwa einer Stunde von selbst nach. Die sichtbaren Zeichen kleinerer Verletzungen verschwinden dann ebenfalls, größere können tagelang bleiben. Todesfälle durch Portugiesische Galeeren sind selten, kommen aber durchaus vor und betreffen vor allem Kinder, Allergiker und Personen, die schon früher Kontakt mit solchen Tieren hatten.

  • Was tun, wenn man eine solche unangenehme Begegnung im Wasser hatte?
    Die folgenden Ratschläge berücksichtigen, dass man sehr oft nicht weiß, um welches Tier es sich überhaupt handelte.

  • Wasser verlassen
    Versuchen Sie, ruhig zu bleiben und andere Betroffene zu beruhigen. Hektische Aktivität macht alles nur schlimmer. Schauen Sie sich nach etwas um, was einer bläulichen Plastiktüte ähnelt, die ins Wasser geworfen wurde. Wenn Sie so etwas sehen, bewegen Sie sich zügig davon weg und zwar möglichst mit dem Wind! Halten Sie immer großen Abstand zu dem Tier!

  • Nesselzellen entfernen
    Suchen Sie an Land die verletzten Stellen zunächst nach verbliebenen Resten der Nesselfäden ab, die dann vorsichtig entfernt werden. Hierbei ist es entscheidend, nicht noch mehr Nesselzellen zu aktivieren und die Situation so zu verschlimmern. Benutzen sie also Pinzette, Hölzchen, Taschenmesserspitze, Muschelsplitter oder andere Hilfsmittel, um Tentakelreste sachte von der verletzten Haut abzuheben. Nicht mit der bloßen Hand berühren, nicht reiben oder rubbeln! Sammeln Sie Badekleidung und entfernte Tentakelteile auf einem Tuch oder einer Plastikfolie, damit sie niemanden gefährden. Sie bleiben auch im Trockenen lange funktionsfähig.
    Nachdem Sie so die Nesselzellen, die lose auf der Haut lagen, entfernt haben, wenden Sie sich denen zu, deren Stacheln schon in der Haut stecken: Streuen Sie Sand auf das verletzte Areal, lassen Sie ihn kurz antrocknen und schaben ihn dann vorsichtig und ohne die Haut weiter zu verletzen ab. Hierzu eignen sich Scheckkarten, Messerrücken und ähnliche Werkzeuge. Anstelle von Sand kann auch Rasierschaum aus der Sprühdose verwendet werden, aber nur, wenn er schon an Ort und Stelle zur Hand ist.
    Nach dem Entfernen sichtbarer Teile soll das verletzte Hautgebiet ausgiebig gespült werden, um kleinere Reste wegzuschwemmen und ausgetretenes Gift zu verdünnen. Mit literweise Meerwasser gehen Sie hier auf Nummer sicher. Optimal ist warmes (nicht heißes!) Kühlwasser von Außenbordmotoren! Wasser aus Hahn oder Dusche kommt nur zum Spülen der Augen zum Einsatz. Setzen Sie das Spülen solange fort, bis die Schmerzen nachlassen.

  • Schmerzen lindern
    Nach Entfernung der Giftquellen kann das betroffene Hautgebiet mit Eis gekühlt werden, falls welches zur Hand ist. Es sollte aber zur Vorsicht in eine Plastiktüte gegeben werden und nicht direkt mit der Haut in Kontakt kommen. Auch Salben gegen Sonnenbrand (nicht Sonnenmilch oder -creme!) können jetzt aufgetragen werden. Bei besonders starken Schmerzen sind Schmerzmittel wie Ibuprofen angezeigt.

  • Komplikationen erkennen
    Atembeschwerden, Kreislaufzusammenbruch, Zittern, Krämpfe, Fieber, anhaltende starke Schmerzen – spätestens, wenn eines dieser Krankheitszeichen auftritt muss schnellstens ärztliche Hilfe gesucht werden. Wenn es irgendwie möglich ist, sollten sich Patienten aber nicht selbst ans Steuer setzen, sondern die Rettungsdienste verständigen.

  • Ein Wort zu anderen Behandlungsmethoden
    Besonders über den Einsatz von Essig bei Verletzungen durch Portugiesische Galeeren gehen die Meinungen der Experten stark auseinander, sodass man ihn nicht allgemein empfehlen kann. Wenn überhaupt, sollte er erst nach dem Spülen mit Meerwasser angewandt werden. Auch Akohol (Desinfektionsspray), Urin, Seifenlauge und Fleischzartmacher (Papain) sollte man nicht verwenden. Benzin, Äther und ähnliches kommen überhaupt nicht in Frage.

  • Vorsorge
    Baden kann nicht so schön sein, dass man es trotz einer ausdrücklichen Warnung vor Quallen tut: Warnungen sollten immer ernst genommen werden, ganz besonders von Eltern mit Kindern, Allergikern und Personen, die schon einmal einen Quallenunfall hatten.
    An der Nord- und Nordostküste Australiens finden sich neben Warnschildern auch oft große Flaschen mit Haushaltsessig. Er hilft bei Verletzungen durch Würfelquallen (Seewespen, Carybdea marsupialis), die hier zwischen Oktober und Mai vorkommen. Sie gehören zu den giftigsten Tieren auf der Erde und Unfälle mit ihnen enden häufig tödlich.

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