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Reisen mit Diabetes

Diabetiker, die ihren Zuckerstoffwechsel gut im Griff haben und nicht an Komplikationen, wie z.B. dem Fußsyndrom, leiden, können überall hin reisen – sollten sich aber gut vorbereiten. Die Tipps des Reisemedizinischen Informationsdienstes des ADAC helfen Ihnen dabei.
  • Vor der Reise

    Informieren sie sich, z.B. beim Deutschen Diabetiker Bund, über die Qualität der medizinischen Versorgung in Ihrer Reiseregion sowie über den Kohlehydratgehalt der wichtigsten lokalen Grundnahrungsmittel. Beim DDB erhalten Sie auch wichtige Vordrucke (s.u.) und können sich darüber informieren, ob in Ihrem Reiseland zum Beispiel tierisches Insulin zu bekommen ist, falls Sie darauf angewiesen sind. Buchen Sie in Flugzeugen nach Möglichkeit einen Gangplatz und bestellen Sie Diabetikeressen. 

    Arztbesuch
    Lassen Sie sich sechs Wochen vor der Reise untersuchen, am besten von einem reisemedizinisch qualifizierten Arzt, den Sie natürlich über Ihre Urlaubspläne informieren müssen. Erstellen Sie für Zeitzonenflüge gemeinsam einen Spritz-Ess-Plan und besprechen Sie Arzneimittelwechselwirkungen, z.B. mit Malariamedikamenten. Vermindern Sie das bei Ihnen als Diabetiker erhöhte Risiko von Infektionen durch Schutzimpfungen gegen Hepatitis A/B, Pneumokokken, Influenza und evtl. Durchfälle (Cholera- oder ETEC-Impfstoff).

    Lassen Sie sich Rezepte für alle Ihre Medikamente (mit den internationalen Namen der Substanzen, Beipackzettel mitnehmen!) und alle Verbrauchsmaterialien (in manchen Ländern verschreibungspflichtig) ausstellen. Ärztliche Atteste (auch in engl. Sprache, mit Stempel und Unterschrift) für die Mitnahme von Medikamenten und Material vermeiden Probleme beim Zoll.

    Lassen Sie sich erklären, wie Sie kleine Verletzungen auf der Reise am besten behandeln und rüsten Sie Ihre Reiseapotheke dem entsprechend aus. Auch Fußpflegemittel (z.B. Harnstoffcremes) nicht vergessen, besonders für Wanderurlaube und Reisen in heiße Länder.

    Versicherung
    Schließen Sie für Reisen unbedingt eine Versicherung ab, die den Versand von Medikamenten und Material einschließt und auch dann Behandlungskosten übernimmt, wenn ein gut eingestellter Diabetes plötzlich entgleist. Damit sind Sie auch bei unvorhergesehenen Erkrankungen oder Unfällen abgesichert. Der ADAC berät Sie gerne (0 89 – 76 76 77). 
     
    Reisegepäck
    Gehen Sie grundsätzlich davon aus, dass weder Medikamente noch Ausrüstung im Reiseland zu besorgen sind und packen Sie von beidem mindestens doppelt soviel ein, wie Sie normalerweise für die Reise benötigen würden.

     Führen Sie im Handgepäck soviel Medikamente und Verbrauchsmaterialien mit, dass Sie mindestens drei Tage lang mit allem Nötigen versorgt sind und lassen Sie die gleiche Menge von einem Mitreisenden in dessen Handgepäck transportieren. Den Rest verstauen Sie im Check-in-Gepäck. Bei vielen Fluglinien liegen übrigens auch im Frachtraum die Temperaturen nie unter Null. Im Zweifelsfall informieren Sie sich bitte vorher, auch weil die Sicherheitsvorschriften für das Handgepäck in letzter Zeit verschärft wurden.

    Ersatzbatterien, Katheter für Pumpen, Stechhilfe/Lanzetten nicht vergessen! Auch wenn Sie normalerweise Pen und Zuckertestgerät benutzen, sollten Sie für den Notfall Insulinspritzen (in Deutschland meist U-100), Nadeln und einfache Farbteststreifen mitnehmen.

    Insulin sollte dunkel und nicht kälter als 4° oder wärmer als 40° gelagert werden. Hier leistet eine Stahlthermoskanne gute Dienste: Das Insulin wird wasserdicht verpackt und in die mit kaltem Wasser gefüllte Flasche gegeben.

    Nehmen Sie nur Schuhwerk mit, von dem Sie sicher wissen, dass Sie es lange tragen können, ohne wund zu werden. Das gilt ganz besonders, wenn ein Aufenthalt im Gebirge und in der Kälte geplant ist.

    Papiere
    Denken Sie an einen internationalen Diabetikerausweis, die o.g. Atteste Ihres Arztes und Ihr Diabetiker-Tagebuch, das Sie genau führen sollten. Sprachhelfer für den Arztbesuch im Ausland und Gesundheitspass zum Ausfüllen (Allergien!) erhalten Sie kostenlos beim ADAC.


  • Auf der Reise
    Spritzen Sie im Flugzeug erst dann, wenn Sie schon Essen vor sich haben, das Sie auch bei Turbulenzen zu sich nehmen können. Die Einstellungen von Insulinpumpen brauchen bei Zeitzonenflügen i.d.R. nicht verändert zu werden; Sie sollten sie aber am zweiten Tag am Reiseziel auf die Ortszeit umstellen.

    Es gibt sehr viele Faktoren, die den Insulinbedarf auf Reisen erhöhen oder herabsetzen können: Zeitverschiebung, andere Temperaturen, Begleiterkrankungen, ungewohnte körperliche Aktivität, Stress, fremdes Essen mit unbekanntem Kohlehydratgehalt u.a.m.

    Beachten Sie, dass „Broteinheit“ (BE) keine international gebräuchliche Einheit ist: Entspricht 1 BE 12 g Kohlehydraten, so sind es bei 1 CE (carbohydrate exchange) 15 g und bei einer KE (Kohlehydrateinheit) 10 g. Regelmäßige Blutzuckerselbst-kontrollen nach Absprache mit Ihrem Hausarzt können Sie vor Blutzuckerentgleisungen schützen. Nehmen Sie aber lieber etwas höhere Werte in Kauf, als eine Unterzuckerung zu riskieren.

    Führen Sie immer (Trauben-)Zucker oder z.B. Gummibärchen mit sich und informieren Sie Ihre Mitreisenden frühzeitig davon, dass Sie Diabetiker sind. Häufige Begleiter sollten auch mit der Glukagonspritze umgehen konnen, die zumindest Typ-I-Diabetiker dabei haben sollten.

    Achten Sie auf Ihre Trinkmengen: Sie sollten mindestens dreimal am Tag möglichst hellgelben Urin lassen können. Ist der Urin dunkel, trinken Sie zu wenig. Seien Sie aber zurückhaltend mit Alkohol.

    Übertreiben Sie auf Reisen ruhig Ihre Körperhygiene und waschen Sie sich so oft wie möglich die Hände. Pflegen Sie Ihre Füße sorgfältig, laufen Sie nie barfuß.

    Schwitzen, Schwäche und Zittern sollten nie als Folge von Anstrengung oder Hitze, sondern immer als Unterzuckerung gedeutet und entsprechend behandelt werden. Bei Durchfall und Fieber verändert sich der Insulinbedarf rasch. Messen Sie in diesem Fall mindestens alle 4 Stunden Ihren BZ-Spiegel. Ziehen Sie viel früher als zu Hause einen Arzt hinzu, wenn Sie sich nicht wohl fühlen oder Fieber haben.

    Hinterlassen Sie immer eine Nachricht, wenn Sie alleine irgendwo hingehen und ändern Sie Ihr Ziel danach nicht mehr.

    Führen Sie Ihre Ausrüstung unauffällig verpackt mit sich, damit niemand auf die Idee kommt, es handele sich z.B. um einen teuren Fotoapparat. Bei sehr niedrigen Temperaturen sollte das Insulin übrigens nahe am Körper getragen werden.

    Wenn Sie es vermeiden können, kaufen Sie nie Medikamente im Ausland, am wenigsten in der sog. Dritten Welt. Abgesehen von anderen Risiken werden die Kosten auch nicht von den Krankenkassen erstattet.


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