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Zecken, FMSE, Borreliose

Überträger Zecken sind keine Insekten, sondern Spinnentiere, was man u.a. an den acht Beinen der erwachsenen Tiere erkennt. Bei uns ist Ixodes ricinus, der Holzbock, fast die einzige vorkommende Art. Er findet sich in ganz Europa mit Ausnahme des hohen Nordens überall dort, wo es Mäuse und andere Kleintiere gibt, also auch in Gärten und sogar im Haus. In Deutschland lebt er bis in Höhen um 1300 m und bevorzugt eher feuchtere Mischwälder, weil er starke Trockenheit und große Hitze nur wenige Tage übersteht. Sonst gilt: Je wärmer, desto lebhafter! Mit ausgestreckten Vorderbeinen auf Gräsern und Büschen sitzend, wartet der Holzbock dann darauf, sich an einem vorbei kommenden Tier festhalten zu können. Gelingt das, sucht er nach einer guten Stelle für den schmerzlosen Stich, was einige Stunden dauern kann. Ist der Saugrüssel in der Haut, saugen weibliche Zecken bis zu zwei Wochen lang, wobei sich ihr Hinterkörper in der bekannten Weise verändert. Bei ihrem natürlichen Tod im Alter zwischen drei und fünf Jahren hat ixodes ricinus ganze zwei bis drei Blutmahlzeiten zu sich genommen.

  • Krankheiten
    Von den Krankheiten, die von Zecken übertragen werden, sind in Deutschland FSME (423 gemeldete Fälle 2011) und die wohl mindestens 200-mal häufigere Borreliose die bekanntesten.
  • Frühsommer-Meningo-Enzephalitis (FSME)
    FSME kommt in Deutschland hauptsächlich in der Mitte, im Süden und Südwesten vor, wobei Hessen, Baden-Württemberg und Bayern am stärksten betroffen sind. In Europa zieht sich der FSME-Gürtel von Ostfrankreich bis nach Russland und von den skandinavischen Südküsten bis nach Italien und auf den Balkan. Allerdings ist das Infektionsrisiko regional unterschiedlich hoch und zeitlich wechselnd. Die Bezeichnung FSME als solche ist gefährlich irreführend, weil man an einem milden, sonnigen Wintertag ebenso gestochen werden kann, wie nachts im trocken-heißen Hochsommer. Die meisten Infektionen werden in Deutschland im Juli/August gemeldet.
    Der Speichel von Ixodes ricinus enthält verschiedene Stoffe, die das Blutsaugen überhaupt erst ermöglichen und wird schon sehr früh nach dem Stich in die Wunde abgesondert. Dies kommt den FSME-Viren zugute: Nach der Aufnahme in die Zecke beim Blutsaugen setzen sie sich in den Speicheldrüsen fest und gelangen so gleich zu Beginn des nächsten Saugaktes, der freilich meist erst Monate später erfolgt, in den neuen Wirt.
    Eigentlich ist das Risiko, ernsthaft an FSME zu erkranken, sehr niedrig. Wie bei der Borreliose treten in den allermeisten Fällen nur grippeähnliche Krankheitszeichen auf. Weil die drohenden Schäden, z.B. durch Entzündungen des Gehirns, des Rückenmarks und ihrer Häute, aber sehr schwer, ja, sogar lebensbedrohlich sein können und es zudem keine ursächliche Behandlung gibt, raten Experten bestimmten Personen zur Schutzimpfung. Besonders Erwachsene und ältere Menschen, die sich in belasteten Gebieten viel in der Natur aufhalten, sollten diese hoch wirksame und gut verträgliche Maßnahme in Betracht ziehen. Kinder tragen zwar sehr viel seltener bleibende Schäden davon, sind aber ebenfalls oft wochenlang krank und beeinträchtigt, weshalb auch sie durchaus von einer Impfung profitieren können. Zurückhaltung ist bei Kindern unter zwei Jahren geboten. Personen, die in einem Risikogebiet wohnen, erstattet die Krankenkasse die Kosten. Alle anderen Interessierten sollten sich bei ihrer Versicherung erkundigen. Hat man eine Infektion mit FSME-Viren überstanden, ist man lebenslang immun - auch gegen die Virustypen in Russland und Asien.

  • Borreliose

    Im Gegensatz zur FSME, die nur in bestimmten Gegenden vorkommt, kann man sich mit Borrelien auf der gesamten nördlichen Halbkugel infizieren. Es handelt sich um Bakterien, die normalerweise im Blut von Mäusen leben und Zecken benutzen, um von Maus zu Maus zu gelangen. Während dieses Transportes befinden sie sich im Darm der Zecke. Sticht die Zecke ein Tier, so gelangt Blut in den Darm, was die Borrelien in die Lage versetzt, von dort in den Körper des gestochenen Tieres – oder Menschen – zu gelangen. Allerdings dauert dieser Vorgang bis zu 12 Stunden. Man hat also gute Chancen, die Zecke vorher zu entfernen und eine Übertragung zu vermeiden.
    Kommt es zu einer Infektion beim Menschen, tritt nach drei Tagen (aber auch erst nach Wochen) oft ein roter, scharf begrenzter und langsam wachsender Fleck um die Stichstelle herum auf. Ansonsten ist dieses Stadium der Erkrankung praktisch nicht von einer Grippe zu unterscheiden und hinter mancher „Sommergrippe“ dürften Borrelien stecken. Besonders bei Kindern kann es jedoch innerhalb weniger Tage auch zu Lähmungen, häufig im Gesicht, kommen. Andere Krankheitszeichen und Schäden treten erst nach Monaten und sogar Jahren auf, wobei je nach Bakterien-Typ eher die Gelenke, das Herz, die Haut oder das Nervensystem betroffen sind. Schwere bleibende Schäden halten viele Experten zwar für selten, sie kommen aber durchaus vor.
    Gegen Borreliose gibt es keine Schutzimpfung und auch eine durchgemachte Erkrankung macht nicht immun gegen die Bakterien. Die Krankheit ist aber, wenn sie beizeiten festgestellt wird, gut mit gängigen Antibiotika zu behandeln. Eine vorsorgliche Antibiotikumgabe nach jedem Zeckenstich wird von den meisten Experten ebenso wenig empfohlen, wie das generelle Einsenden entfernter Zecken zur Untersuchung.


    Borreliose wird, wie FSME, nicht direkt von Mensch zu Mensch weitergegeben.


  • Schutz gegen Zeckenstiche
    Die wichtigste Vorsichtsmaßnahme ist, an Zecken zu denken und entsprechend aufmerksam zu sein. Zwar wird oft dazu geraten, möglichst viel Körperoberfläche mit heller, eng anliegender Kleidung zu bedecken, weil man darauf die meist dunkleren Tiere leichter entdeckt und z.B. die Hosenbeine in die Socken zu stecken. Ob das aber ein außerordentlich zähes, wenige Millimeter großes Tierchen von einem lebenswichtigen Ziel abhalten kann, ist zumindest fraglich. Und, ist es erst einmal unter der Kleidung verschwunden, sinken die Chancen, es vor dem Stich zu entdecken rapide. Nach Aufenthalten im Freien jedenfalls immer sorgfältig nach Zecken absuchen und bei der Selbstuntersuchung einen Spiegel benutzen, da Zecken sich gerne an schlecht einsehbaren Stellen (Nabel, Schamregion) niederlassen. Einige handelsübliche Abwehrmittel wie DEET und Icaridin sind durchaus gegen Zecken wirksam, der Effekt hält aber nicht so lange an, wie bei Insekten.

  • Zecken entfernen
    In bestimmten Stadien sind Zecken weniger als einen Millimeter groß; eine Lupe oder Lesebrille helfen hier sehr. Und weil sie nach einer Weile wirklich fest in der Haut verankert sind und man nicht viel an ihnen „herumfummeln“ soll, ist beim Entfernen auch ein wenig Entschlossenheit gefragt. Es kommt entscheidend darauf an, das Tier wirklich nur am Kopf und direkt über der Haut des Gestochenen zu packen. Eine feine, spitze Pinzette (Splitterpinzette) ist dazu ein geeignetes Instrument: Die Zecke möglichst nahe an der Haut packen (offene Pinzette ruhig ein wenig in die Haut hinein drücken) und ruhig, aber konsequent aus der Haut herausziehen. Diese Methode ist notfalls auch mit längeren Fingernägeln durchführbar. Auch mit einem Taschenmesser (stumpfe Seite der Spitze verwenden) oder einer Scheckkarte lassen sich Zecken an geeigneten Stellen entfernen: Unter kräftigem Druck in die Haut im spitzen Winkel auf die Zecke zuschieben und sie so abscheren oder heraushebeln.
    Es gibt Hinweise darauf, dass mit Instrumenten, die ein leichtes Herausdrehen der Zecken erlauben (z.B. Zeckenschlinge), seltener Teile des Stichapparates in der Haut zurückbleiben. Allerdings sind diese Reste nicht gefährlicher als irgendein anderes Splitterchen. Die Drehrichtung spielt jedenfalls keine Rolle.
    Nach dem Entfernen der Zecke die Stichstelle Wunde desinfizieren und über Wochen kontrollieren, ob sich Infektionszeichen zeigen. Spätestens dann, aber auch bei Fieber und anderen Symptomen, sollte ein Arzt hinzugezogen werden.
    Von Methoden mit Öl, Klebstoff, Aceton, Feuer usw. sollte man unbedingt absehen. Sie erhöhen die Infektionsgefahr eher. Trauen Sie sich die Entfernung nicht zu, hilft der Gang zum Arzt.

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