Motorräder richtig beladen


Fahrstabilität und das Handling eines Motorrades verändern sich mit der Ladung. Die folgenden ADAC Tipps helfen beim richtigen Packen und den nötigen Anpassungen für die sichere Fahrt mit Zuladung. 


  • Freiwillige Selbstbeschränkung

    Ehe Motorradfahrer mit Sack und Pack auf Tour gehen, ist die Kunst der Selbstbeschränkung das oberste Gebot. Schließlich sollte die Maschine mit so wenig Gepäck und Gewicht wie möglich belastet werden, um störende Einflüsse aufs Fahr- und Bremsverhalten zu minimieren. „Außerdem muss aufs zulässige Gesamtgewicht geachtet werden“, nennt der ADAC einen Punkt, der neben Bußgeld sogar Punkte in Flensburg bringen könnte: „Das Gewicht von Fahrer und Beifahrer in voller Montur müssen neben Treibstoff und dem Gepäck als Zuladung addiert werden. Im Zweifelsfall hilft nur genaues Wiegen, um das Überschreiten des maximalen Gesamtgewichts zu verhindern.“ Dieses lässt sich übrigens in alten Fahrzeugscheinen unter der Ziffer 15, in den neuen EU-Dokumenten unter F1 finden. Dass diese Kilo-Zahl die mögliche Zuladung in vielen Fällen stärker als gedacht verringert, mussten schon viele Reisefans erfahren. 

    Unabhängig vom Gesamtgewicht ist die wichtigste Regel beim Bepacken: Fahrer und Sozius müssen ausreichenden Platz haben und dürfen in ihrer Beweglichkeit nicht eingeschränkt werden. Nur so ist das Motorrad in jeder Fahrsituation beherrschbar. Dass darüber hinaus das Auf- und Absteigen von Pilot und Mitfahrer sowie die Manövrier- und Rangierbarkeit der Fuhre im Stand gewährleistet sein müssen, versteht sich leider nicht immer von selbst…


  • Klare Regeln

    Für die richtige Platzierung der Zuladung gibt es klare Regeln. Zuerst sollte der Tankrucksack mit schwereren Gegenständen beladen werden. Für empfindliche Geräte wie Foto- oder Videokamera ist er übrigens der sicherste Ort. Wichtig ist, dass der Tankrucksack weder den Lenkereinschlag beeinträchtigt oder den Blick auf Instrumente und Kontrollleuchten verhindert. Gleiches gilt auch für den wichtigen Blick in die Rückspiegel.

    Bei Tankrucksäcken, die mit Riemen befestigt sind, muss vor dem Start unbedingt eine Proberunde gedreht werden: Nur bei engen Kurven mit vollem Lenkeinschlag kann geprüft werden, ob die Befestigungsriemen Seilzüge und Druckschläuche wie die Benzinzufuhr abklemmen. Selbst das Zündkabel kann bei ungünstiger Anbringung der Riemen des Tankrucksacks herausgezogen werden. Einen Tankrucksack mit Magnetbefestigung sollte man bei Beladung zur Sicherheit mit einem zusätzlichen Riemen sichern.

    Besitzt das Motorrad Seitentaschen oder Koffer, müssen folgende Punkte unbedingt beachtet werden:

    • Schwere Teile gehören in den Koffern grundsätzlich nach unten und damit nahe an den Schwerpunkt der Maschine
    • Um die Stabilität und Spurtreue des Motorrads nicht negativ zu beeinträchtigen, müssen Seitenkoffer gleichmäßig gepackt werden
    • Herstellerangaben für das maximale Ladegewicht von Koffern und Taschen müssen zwingend beachtet werden
    • Hat der Hersteller beim Betrieb mit Koffern oder Taschen eine Höchstgeschwindigkeit vorgeschrieben, sollte diese aus Sicherheitsgründen nicht überschritten werden. Nur so lässt sich gefährliches Aufschaukeln des Fahrzeugs vermeiden

  • Lastenverteilung beachten
    Auf einem Gepäckträger oder in einem Topcase dürfen nur leichtere Gegenstände verstaut werden, da größeres Gewicht im hinteren Teil des Motorrads die Achslastverteilung verändert und die Fahrstabilität ungünstig beeinflusst. Als Faustregel gilt, dass rund 45 Prozent der Achslast auf dem Vorderrad nicht unterschritten werden sollten.

    Da der Fahrtwind bei flatternden Gegenständen Turbulenzen erzeugt, die ins Fahrwerk geleitet werden, sollte vor allem bei unverkleideten Maschinen nicht nur die Fahrerkleidung optimal und somit windschlüpfig sitzen. Spezielle Gepäckrollen für den Heckträger sind für den ADAC eine gute Lösung mit einem erfreulichen Nebeneffekt: Die meisten dieser Produkte sind generell zudem wasserdicht. Wer darauf verzichtet, sollte die Zuladung auf dem Träger in Folie packen und mit mehreren Spanngurten für festen Sitz sorgen.

    Sogenannte Saddle-Bags aus Stoff oder Leder müssen wie Koffer immer fest mit dem Motorrad verbunden sein, damit sie sich nicht unerwartet selbständig machen. Im Solobetrieb kann der Soziusplatz durchaus zur Gepäckunterbringung genutzt werden.

    Keinerlei Gepäck darf bei Motorrädern im Bereich der Lenkachse platziert werden. Orte wie Lenker, neben dem Vorderrad, auf dem Kotflügel oder an der Gabel sind absolut tabu, weil dies sehr gefährlich sein könnte. „Zusätzliche ungefederte Massen können über eine Verstärkung des Auftriebes zu unkontrollierbarem Lenkerpendeln und als deren Folge sogar zu Stürzen führen“, verweist der ADAC auf einschlägige Tests im ADAC-Windkanal: „Selbst ein leichter Schlafsack an der Gabel sorgte als Angriffsfläche für den Fahrtwind bei Autobahntempo für soviel Auftrieb, dass das Vorderrad nicht mehr ausreichende Führung besaß.“

    Auf schwere Rucksäcke für den Fahrer oder im Zweipersonenbetrieb für Sozius oder Sozia sollte aus mehreren Gründen verzichtet werden. Neben einer unbequemen Sitzhaltung lassen sie ihren Träger schneller ermüden. Zusätzliches Gewicht im Bereich des Motorrad-Hecks ist (siehe Topcase oder Heckgepäckträger) überdies nicht nur wegen der Achslastverteilung schädlich. Ein rutschender Rucksack kann bei Kurvenfahrt die Schräglage und damit die Kurvenlinie abrupt verändern.


  • Maschine und Fahrstil anpassen
    Wer mit einem bepackten Motorrad unterwegs ist, der muss neben der Maschine auch seinen Fahrstil den veränderten Voraussetzungen anpassen. Besonders im Bereich der Beschleunigungs- und Durchzugswerte sind die Veränderungen erheblich, weshalb eine defensive und vorausschauende Fahrweise ohne riskante Manöver geboten ist. Dass vor allem die Brems- und damit die Anhaltewege mit einer solchen Fahre erheblich länger werden, sollte nicht erst beim Risiko eines (Auffahr-)Unfalles bemerkt werden.

    Die Anpassung des Fahrwerkes an die zusätzliche Last ist eine wichtige Voraussetzung für eine sichere Fahrt. Insbesondere die Einstellung von Federung und Dämpfung ist dabei eine Kunst für sich. Die Bedienungsanleitung weiß zwar grundsätzlich Rat, doch Erfahrung ist noch besser. Allerdings sind Veränderungen der Druck- und Zugstufe unterwegs bei vielen Modellen mit Gepäcksystemen nicht immer einfach. Erst recht, wenn sie Werkzeug-Einsatz erfordern.

    Eine Erhöhung des Luftdrucks der Reifen bis zur Maximalmarke, die der Reifen-Hersteller zulässt und die meistens in der Bedienungsanleitung vermerkt ist, muss und kann dagegen an jeder Tankstelle vorgenommen werden.

Hinweis


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