Hebeleinstellung


Viele Biker haben ihr Traum-Motorrad. Doch eigentlich sollten nicht PS und Optik im Vordergrund stehen, wenn beispielsweise der Kauf eines neuen Motorrades ansteht, sondern ob es zur Körpergröße des Fahrers passt. 


Denn das alles Entscheidende auf einem Motorrad ist die richtige Sitzposition. Ist diese falsch, kann bis zu 45 Prozent weniger Leistung erbracht werden. Die Folge: Ermüdungserscheinungen, Schmerzen, ein höheres Unfallrisiko. Die Sitzposition kann durch das richtige Zusammenspiel von Hebeln, Rasten und Fahrwerk optimal unterstützt werden. Sicheres Fahren kommt also von einem funktionalen Motorrad.


  • Die richtige Sitzposition
    Das so genannte „aktive Sitzen“ kann durchaus auf einem stehenden Bike geübt werden. Holen Sie sich einen Partner, der das Motorrad hält. Die richtige Position sollte einer stehenden Haltung möglichst nahekommen, also

    • gerader Rücken, er ist in der Senkrechte,
    • Arme fast gestreckt, wenn die Hände am Lenker sind,
    • Winkel zwischen Ober- und Unterschenkel ist möglichst große Spannung in den Beinen,
    • Entspannung in den Armen.

    Dadurch ist stundenlanges Fahren ohne eingeschränkte Sicherheit möglich.

    Das Gegenteil sind Supersportler. Durch eine gebeugte Haltung kommt es zu Schmerzen und gestörter Durchblutung in den Handgelenken. Ebenso ist auf Choppern oder Cruisern kein entspanntes Fahren möglich, da der Rücken zu sehr nach hinten geneigt wird, die Füße stehen zu weit vorne.

  • Handhebel
    Mit durchgedrückten Armen und steinhartem Griff am Lenker entsteht kein flüssiger Fahrstil. Lenkerhöhe und -form beeinflussen die Last auf den Unterarmen. Die vordersten drei Glieder der drei mittleren Finger sollten sich an der Vorderseite der Handhebel krümmen können, ohne dass dabei die Hebel betätigt werden, die Hand bildet dabei mit dem Unterarm eine Linie. Das ist vor allem bei Gefahr wichtig, denn die Hand, die normalerweise den Drehgriff bedient, kann so blitzschnell den Bremshebel ziehen. Vor allem für Motorradfahrer mit kürzeren oder längeren Fingern sind spezielle Hebel interessant. Gut einstellbare Bedienelemente sind wichtig für kontrollierte schnelle Aktionen.

  • Fußbremshebel
    Der Fußbremshebel sollte so bedient werden können, dass der Fuß dazu angehoben werden muss. Wem die Füße öfters einschlafen oder Schmerzen in den Knien plagen, sollte ernsthaft über eine Änderung der Fußrasten nachdenken, damit der Kniewinkel nicht so spitz ist. Je nach Fahrsituation muss die Sitzposition angepasst werden.

  • Schalthebel
    Die Idealposition beim Schalthebel ist nicht ganz so einfach zu finden. Der Schalthebel sollte bei entspannter Haltung leicht auf dem Fußrücken aufliegen.
    Ein zu hoher Hebel behindert die Schaltung, ein zu tiefer reduziert die Schräglagenfreiheit. Es sollte definitiv mühelos hoch- und runtergeschaltet werden können. Dabei ist es besonders wichtig, dass bei einer Hebelumlenkung die Zwischenhebel jeweils den rechten Winkel überschreiten, wenn geschaltet wird. Sonst ist der Gangwechsel erschwert, die einzelnen Gänge rasten eventuell nicht korrekt ein und können herausspringen, was vor allem bei Überholvorgängen Gefahren birgt.

  • Lenkerneigung
    Über die Lenkerneigung kann das Lenkverhalten eines Motorrads bestimmt werden. Je nach Körpergröße soll ein Lenker entweder steiler oder niedriger eingestellt werden. Sportmotorräder haben oft anstatt Lenkerstummel so genannte Superbike-Lenker, damit wird erreicht, dass die Motorräder einfacher zu lenken sind. Dafür ist eine gesonderte TÜV-Abnahme erforderlich.

  • Fahrwerk

    Bei einigen Modellen gibt es die Möglichkeit, die Fahrzeughöhe und damit die Sitzhöhe per Veränderung der Standrohre, Änderung der Federvorspannung oder durch die Montage eines anderen Umlenkhebels am hinteren Federbein zu reduzieren. Entscheidend für entspanntes Fahren ist hier das Gefühl eines jeden Einzelnen. Große Menschen sitzen beispielsweise entspannter, wenn das Fahrwerk höher gelegt und eine einstellbare Fußrastenanlage montiert wird. Auch auf Sportmotorrädern kann über ein verändertes Fahrwerk eine entspanntere Sitzhaltung unterstützend wirken. Doch eine Veränderung am Fahrwerk zieht eine Veränderung am Fahrverhalten nach sich:

    • Höherlegung des Motorrads -> mehr Gewicht auf das Vorderrad
    • Tieferlegung des Motorrads -> nimmt Gewicht vom Vorderrad weg

  • Sitzbank
    Niedrige Sitzbänke sind verdickten Sohlen vorzuziehen, selbst wenn der Langstreckenkomfort etwas leidet. Soviel Gefühl wie möglich in den Füßen, das geht schlecht mit klobigen Aufpolsterungen. Sattler polstern Sitzbänke ab, so dass eine günstige Sitzhöhe entsteht. Doch es gibt einiges zu bedenken:

    •    ein zu weicher Sitz führt zu einem Taubheitsgefühl und zu Schmerzen im Po

    •    ein zu hoher/breiter Sitz verhindert das sichere Abstützen auf dem Boden, Gefahr von Umfallern

    •    ein zu tiefer Sitz führt zu engem Kniewinkel und Arme und Beine können sich in die Quere kommen

    Ein gerader Rücken allein macht also entspanntes und vor allem sicheres Fahren nicht aus. Es ist ein Zusammenspiel von Muskeln, Gelenken und eben der richtigen Einstellung von Hebeln am Motorrad. Wo Einstellmöglichkeiten vorhanden sind, machen Sie Gebrauch davon! Mittlerweile bieten viele Motorradhersteller Modelle an, bei denen die Höhe der Sitzbank variiert werden kann, genau wie die Höhe des Lenkers oder des Windshieldes.


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