Gesund auf Reisen


Sie legen sich nach links, dann wieder nach rechts, die Kurven könnten nicht schöner sein. Ein Bergpass wie man ihn sich nur erträumen kann. Sie atmen den Geruch des Waldes, kühlere Luft strömt durch die Lüftungsschlitze des Helmes, sie lassen das heiße und stickige Tal hinter sich und werden eins mit der Natur. Doch die schlägt zurück. Plötzlich... eine Niesattacke! Sie verlieren die Kontrolle über das Bike. Wollen wir nicht vom Schlimmsten ausgehen. Sie haben es in der Hand, dass Sie gesund reisen!

Sind wir doch mal ehrlich. Monate vorher planen wir die Reiseroute, studieren Karten und vergleichen bikerfreundliche Hotels. In Gedanken sind wir schon auf den Bergpässen unterwegs. Das Motorrad erfährt noch einen letzten Check in der Werkstatt. Dann geht es los. Doch die Hauptkomponente wird oftmals vergessen: der Fahrer!


  • Vorbereitung
    Ich nehme meine Check-Up Liste und packe ein medizinisches Notfallpäckchen: Als Allergiker ein entsprechendes Dosieraerosol und cortisonhaltige Augentropfen. Ibuprofen 400 oder 600 gegen Schmerzen und Prellungen, gegen Durchfall Aktivkohle und Loperamid und etwas Verbandzeug. „Mehr braucht es nicht!“ Das sagt Dr. Christoph Scholl. Der Arzt für Allgemein- und Sportmedizin ist Partner des
    ADAC Motorrad-Rennstreckentrainings. Jahrelang hat der 65-jährige selbst Rennen bestritten und arbeitete 1990 als Rennarzt in der MotoGP. „Diese gesamten Notfallapotheken werden völlig überbewertet. Es kommt alles auf die richtige Vorbereitung an und zwar schon Wochen vorher“, so Doc Speed, wie er auch genannt wird.

    Eine Tour an den Comer See im Frühjahr ist eine wunderbare Sache, doch dort ist die Vegetation schon Wochen weiter. Haben Sie Ihre Allergien im Griff? Wissen Sie überhaupt von möglichen Allergien? Und Achtung: Übliche Antihistaminika können müde machen und das Konzentrationsvermögen beeinträchtigen.
    Hinzu kommt die Tatsache, dass der Durchschnitt der Motorradfahrer immer älter wird. Für 25% der Biker gehören Tabletten zum Alltag. Ein Medikamentenpass, in dem alle zu nehmenden Medikamente, Verwandte, die es zu informieren gilt, Blutgruppe, Hausarzt usw. aufgeführt werden, kann im Notfall Leben retten.


  • Pausen
    Seit Stunden auf dem Motorrad und das Ziel schon fest im Visier. Unzählige Kehren, schlecht einsehbare, enge und steile Kurven - viele Motorradfahrer sind durch Überanstrengung unterzuckert. Der Sozius schläft bei Marathonstrecken durchaus mal ein. Pausen kommen zu kurz. Als Muntermacher sollen eine Cola und der erste Kaiserschmarrn nach der Grenze ihre Dienste tun. Doch damit erreichen Sie genau das Gegenteil von dem, was Sie möchten. „Schlauer ist es, Zucker zu vermeiden.“ so Dr. Christoph Scholl. „Denn auf lange Sicht haben Sie den berühmten Jo-Jo-Effekt. Dem Zuckerschub folgt der Zuckerschock und damit Gereiztheit und Müdigkeit.“ Verzichten Sie auch auf die berühmte Wurst auf dem Stilfserjoch, besser sind Vollkornprodukte, die für sechs, sieben Stunden eine Überzuckerung verhindern. Bananen, Obst, Müsliriegel. Definitiv keine Süßigkeiten! Und viel trinken! Zwei Drittel der Tagesration sollte Wasser sein, der Rest ganz nach Gusto. Das „Lederbier“ erst am Ziel der Reise!

    Auch eine Magnesiumtablette kurz vor der Fahrt bringt nichts. Sie wirkt mit einem Vorlauf von 48 Stunden und muss über einen längeren Zeitraum im Vorfeld eingenommen werden. Doch im Grunde sind Magnesiumtabletten für Motorradfahrer verzichtbar. Eine ausgewogene Ernährung bewirkt das Gleiche.

    Und noch ein Tipp: Gönnen Sie sich doch ein wenig Luxus! Lassen Sie Ihr Motorrad an den Ort bringen, wo die Touren dann erst richtig Spaß machen. Hunderte von Kilometer auf der Autobahn bringen weder etwas fürs Motorrad noch für den Fahrer. Dr. Christoph Scholl macht es genauso: „Motorradfahren macht Spaß, weil es mehrdimensional ist. Auf der Autobahn ist es eindimensional. Dieses Fahren ist verlorene Lebenszeit.“

  • Perfekte Sitzposition

    Für ein ermüdungsfreies Fahren sorgt auch eine optimale Sitzposition: 

    • ergonomisch entspannt
    • kein Hohlkreuz
    • Handflächen in gerader Verlängerung vom Unterarm
    • Hände sollen locker auf dem Lenker aufliegen, nicht abstützen
    • vernünftiger Abstand aller Hebel
    • Becken nach vorne
    • Abstand von Fußraste zur Sitzbank mindestens 44 cm 

    Fahrer und Sozius sollten übrigens eine Einheit bilden, indem sie eng zusammenrücken. Der Sozius legt am besten die Hände an oder um die Hüften des Fahrers, damit er sich beim Beschleunigen festhalten, sich beim Bremsen schnell zusätzlich am Tank abstützen, beim Kurvenfahren leicht die gleiche Schräglage wie der Fahrer einnehmen kann. Solange der Fahrer auf der Maschine sitzt, behält der Sozius seine Füße auf den Rasten - auch an der Ampel oder im Stau. Die Deutung von Klopfzeichen kann man sich ersparen, wenn man in eine Gegensprechanlage investiert.

    Dr. Christoph Scholl hat übrigens für jeden seiner Ansprüche das passende Bike: eine Enduro, einen Zweizylinder, einen Vierzylinder, eine „Rennsemmel“ und eine nicht nur tourentaugliche BMW. „Ich habe erkannt, dass ein Motorrad für mich nicht nur ein Transportmittel ist. Es muss einfach passen.“ Es müssen für Sie ja nicht gleich fünf Motorräder sein, das eine sollte aber das richtige sein. Damit Sie gesund auf Reisen sind...


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