Mikroabenteuer – kleine Fluchten aus dem Alltag

Eine Frau mit Helm und Sicherung klettert eine Hängeleiter an einem hohen Gebäude hinauf
Abenteurerin für ein paar Stunden: Am Kletterturm im rheinischen Brühl ∙ © Barbara Bechtloff

Lust auf ein Abenteuer? Es müssen ja nicht gleich drei Wochen in der Antarktis sein – diese außergewöhnlichen Erlebnisse sind in Deutschland an einem Tag möglich.

  • Mischung aus Sport, Action, Touren und Übernachtungen

  • Selbst organisiert oder als buchbares Angebot

  • Von umsonst bis kostspielig

  • In Stadt und Land von Nord bis Süd

"Alles außer gewöhnlich" lautet das Motto für diese Anregungen, die mit einem unterschiedlich hohen Grad an Abenteuer verbunden, aber niemals gefährlich sind:

20 besondere Mikroabenteuer in Deutschland in der Bildergalerie

Nordfriesland: Strandsegeln in Sankt Peter Ording

Mehrere Strandsegler fahren über einen weitläufigen Strand
Windspiel: Strandsegeln Sankt Peter Ording ∙ © Shutterstock/klauscook

Der lange, breite Strand von Sankt Peter Ording und der dort häufig wehende Wind sind ideale Voraussetzungen für das Strandsegeln. Bevor man als Anfänger versucht, den 1999 aufgestellten Weltrekord von 175,5 km/h zu erreichen, bietet sich ein vierstündiger Schnupperkurs* an.

Der Kurs beginnt mit einer halbstündigen theoretischen Einweisung in Sicherheitsregeln und Segeltheorie. Anschließend zieht ein Begleitfahrzeug die Teilnehmer auf dem Segelwagen zu einem gesicherten Übungsparcours. Dort üben sie unter der Anleitung des Segellehrers wichtige Manöver wie Wende, Halse und Stoppen. Talentierte Schüler machen sich dann auf einem Viereckkurs schon ans Kreuzen und Abrollen. Geeignet ist der Einsteigerkurs für alle ab einem Alter von 12 Jahren und einer Körpergröße von ca. 1,60 Meter. Ahoi!

Helgoland: Bunkertour

Helme und Schilder in einem Bunker
Ernst oder Galgenhumor? Im Zivilschutzbunker von Helgoland ∙ © ADAC/Helmuth Meyer

Durchlöchert wie ein Emmentaler Käse ist die Felseninsel Helgoland. Eineinhalb Stunden dauert eine Führung* durch den zugänglichen Teil der Stollen, die insgesamt fast 14 Kilometer lang sind. Hierher flüchtete die Zivilbevölkerung am 18. und 19. April 1945 unter dem Heulen der Sirenen, als die Insel, damals Militärhafen, durch 7000 Bomben komplett zerstört wurde. Jedem Einwohner war ein Platz zugewiesen, es gab Küchen, Toiletten und einen Schulraum.

Auf der Tour 18 Meter unter der Erde werden auch die frühgeschichtliche Entstehung Helgolands, die Veränderungen durch Natur und Mensch an Düne und Insel und der "Big Bang" am 18. April 1947 thematisiert. Damals waren in der größten nichtnuklearen Explosion der Weltgeschichte 4000 Torpedoköpfe, fast 9000 Wasserbomben und über 91.000 Granaten in die Luft gejagt worden.

Hamburg: House-Running

Ein Mann ist an Gurten gesichert und hängt an der Mauer unter der Dachkante eines Hauses
Auf der Kippe: House-Running in Hamburg ∙ © PR

Natürlich könnte man aus der obersten Etage des Hamburger Holiday Inn an den Elbbrücken mit dem Aufzug nach unten fahren oder – mit Sportsgeist – das Treppenhaus benutzen. Aufregender ist es aber, angeseilt an eine Spezialkonstruktion in 50 Metern Höhe über die Kante zu kippen und wie Spiderman senkrecht an der Fassade hinabzugehen. Die Elbbrücken und die großen Schiffe im Hafen sind dabei aus ganz neuer Perspektiven zu sehen. Wer will, wagt einen Sprung weg von der Hauswand und schwebt für den Bruchteil einer Sekunde schwerelos in der Luft.

An dem halbstündigen Programm* können alle ab 16 Jahren mit mindestens 50 Kilogramm Körpergewicht teilnehmen. Grundsätzlich findet es bei jedem Wetter statt, außer bei zu starkem Wind oder Gewitter. Angeboten wird so ein "Spaziergang" auch in Frankfurt am Main, Brühl, Berlin und München.

Usedom: Übernachten im Lotsenturm

Ein alter weißer Turm
Über den Dingen: Der Lotsenturm auf Usedom ist ein besonderes Domizil ∙ © PR

Auch eine Übernachtung kann einen abenteuerlichen Touch haben, etwa wenn sie im 1938 erbauten Lotsenturm* von Karnin auf Usedom stattfindet. Der steht direkt am Wasser und bietet von der Terrasse in rund 20 Metern Höhe einen ungetrübten Ausblick auf das Stettiner Haff. Heute ist das ein optischer Genuss, einst gehörte er zur Arbeit der Lotsen, die vom Turm aus Boote in Richtung Polen oder in die offene Ostsee dirigierten.

Seitdem ist der Aufenthalt viel komfortabler geworden: Die Gäste haben ein rundes Doppelbett, einen Whirlpool und eine Minibar mit Crémant, Champagner, Rot- und Weißwein zur Verfügung. Am Morgen können sie sich ihr Frühstück von der ersten der 76 Treppenstufen abholen. Wegen des niedrigen, denkmalgeschützten Innengeländers darf der Turm nur von Personen ab 15 Jahren betreten werden.

Uckermark: Schlafen im Zirkuswagen

Das innere eines Zirkuswagens, eingerichtet, wie ein Zimmer
Hell und freundlich wirkt das Interieur des Zirkuswagens ∙ © UCKERBLOG

Auf einer Waldlichtung in der Uckermark stehen drei Zirkuswagen* mit nostalgischem Ambiente, die erstaunlich viel Komfort bieten: Dusche, WC, Küche mit Toaster, Kaffeemaschine, Wasserbereiter, Kühlschrank und Gaskocher, Fernseher und Gasheizung. Helles Holz schafft eine freundliche Atmosphäre, aus dem bequemen Sofa wird nachts ein Bett für zwei. Wer Ruhe und relative Abgeschiedenheit etwa für ein romantisches Wochenende sucht, ist hier genau richtig.

Nur 100 Meter entfernt liegt der Große Kronsee mit seiner vielfältigen Fisch- und Pflanzenwelt. Auch Wanderer, Kanu- und Radfahrer kommen in der Nähe auf ihre Kosten. Wer lieber nur faulenzt, lässt sich vor dem Wagen auf den beiden dazugehörigen Liegen oder am Tisch mit Schirm und zwei Stühlen nieder. Wettergeschützt sitzt man auf der Veranda.

Brandenburg: Relaxen im Wasserturm Bad Saarow

Ein saniertes altes schönes Gebäude mit einem Turm
Runde Sache: Der Turm über dem Wasserwerk von Bad Saarow ∙ © imago images/Schöning

Hier geht es so richtig rund: Grundrissbedingt sind Bett, Mini-Spa und offener Kamin genauso kreisförmig wie die vier Ebenen im Turm. Im rundum verglasten Aufsatz können die zwei Gäste in ebenfalls transparenten Sesseln perfekt abhängen und den Blick über den Kurpark und die Therme von Bad Saarow, den Scharmützelsee und die brandenburgischen Wälder schweifen lassen.

Über Jahrzehnte liefen viele Millionen Liter Wasser durch den Wasserturm*, bevor er ausgedient hatte, der Tank ausgebaut wurde – und der Verfall drohte. Wie das gesamte hundertjährige Wasserwerk von Bad Saarow rettete auch ihn der Umbau in ein komfortables Hideaway. In diesem stehen fünf weitere geräumige stylishe Domizile mit bis zu neun Meter hohen Decken zur Auswahl.

Lüneburger Heide: Über Nacht in der Jurte

Eine Jurte von Innen mit Bett, Fenster und Regal
Im Inneren der Bauernhof-Jurten fehlt es nicht an Komfort ∙ © Unser kleiner Hof

Eine kleine Flucht aus dem Alltag ist es auch, in einer mongolischen Jurte zu übernachten. Möglich ist das auf einem familiengeführten Bauernhof* im niedersächsischen Wietzen. Die beiden Zelte mit je sechs Metern Durchmesser sind geschmackvoll eingerichtet, mit nachhaltigen Materialien gebaut, wetterfest und dank eines gusseisernen Ofens ganzjährig bewohnbar. Zur Ausstattung gehören Kochplatte und -geschirr, zur Verfügung stehen auch Kühlschrank und Grill. Moderne Bäder gibt es im Haupthaus des Hofes.

In klaren Nächten zeigt sich durch die Glaskuppel der Jurte der Sternenhimmel. Auch Familien mit Kindern fühlen sich hier wohl, können mit der Gastgeberfamilie Ställe, Gehege und Weiden besuchen und die Tiere füttern. Im Hofladen gibt es eine Auswahl an Lebensmitteln aus der Region, auf Wunsch wird ein Frühstück zusammengestellt.

Niederrhein: Mammutbaum-Umarmen

Riesige Mammutbäume, von unten in die Wipfel fotografiert.
Auf der Sequoiafarm kommen kalifornische Gefühle auf ∙ © imago images/imagebroker

Waldbaden und Bäume umarmen sind fast schon etablierte Beschäftigungen. Wer einen Sequoia umfassen will, braucht zwar größenbedingt ein paar Mitstreiter, muss dafür aber nicht nach Kalifornien reisen. Im Arboretum* in Kaldenkirchen-Nettetal gedeihen auf 3,5 Hektar über 400 seltene Gehölzarten, 63 Jahre alte Berg-, ein Hain von Küsten- sowie Urweltmammutbäume. Letztere sind eine Rarität, galt die Art doch als ausgestorben und war nur als Fossil bekannt, bis man 1941 Exemplare in China entdeckte.

Angelegt wurde die erste Mammutbaum-Anzucht Europas 1950 im Landschaftsschutzgebiet Kaldenkirchener Grenzwald, um den Erhalt der Sequoiafarm kümmert sich ein kleiner gemeinnütziger Verein von Mammutbaum-Freunden. Geöffnet ist die Farm von April bis Oktober an Sonn- und Feiertagen, nach Vereinbarung aber auch ganzjährig.

Ruhrgebiet: Halden-Hügel-Hopping

Ein Kunstwerk aus Eisen in Form einer Pyramide steht auf einem Hügel
Kunst on top: Der Tetraeder von Bottrop ∙ © Shutterstock/alfotokunst

Im Kreis Recklinghausen können sich Wanderer auf zwölf Thementouren mit rund 150 Erzählstationen dem Thema Bergbau nähern. Behandelt werden Aspekte wie der Struktur- und Landschaftswandel, Industriekultur und Industrienatur. Dazwischen wandert man über die Halden, Hügel und die Täler der Flüsse Emscher und Lippe, daher der Name Halden-Hügel-Hopping*. Immerhin 110 Höhenmeter beträgt der Geländeunterschied. 17 der in Form von Plateau-, Tafel- oder Spiralbergen, Vulkan oder Spitzkegel angelegten und begrünten Halden sind begehbar.

Naturfreunde finden eine eigene Fauna und Flora, Kunstfans gelangen zu Werken wie Bramme und Obelisk. Für Technikliebhaber gibt es unter anderem ein Himmelsobservatorium und eine Sonnenuhr. Nach Westen hin gibt es weitere Highlights, etwa in Bottrop den Tetraeder, eine dreiseitige Pyramide auf der Halde Beckstraße, und in Duisburg "Tiger and Turtle", eine Großskulptur auf der Heinrich-Hildebrand-Höhe.

Ostwestfalen-Lippe: Ochsentour in der Senne

Zwei Highland-Ochsen stehen auf einer Wiese
Respekteinflößend: Die schottischen Gallowayrinder ∙ © Shutterstock/Peter Bay

Rund 40 halbwilde Rinder aus Schottland und 20 kleine Ponys aus England streifen durch die Waldgebiete des Naturschutzgroßprojekts Senne und Teutoburger Wald. Nahe kommt man den Tieren auf geführten Wanderungen und Kutschfahrten mit Naturparkführern, aber auch mit kostenloser Wanderkarte und App auf eigene Faust. Vor den Weidekoppeln informieren Infotafeln zum richtigen Verhalten. Die Hochlandrinder sind sehr sanftmütig, besonders wenn der Mensch einen Abstand von 20 Metern respektiert.

Hunde dürfen an der Leine mitgeführt werden, auch Radfahren ist innerhalb der Koppeln erlaubt. Die Ochsentour* ist ca. neun Kilometer lang und in drei Stunden gut machbar. Sie ist ganzjährig möglich, lohnt sich aber besonders ab Mai, wenn der Wald zu blühen beginnt, und erst recht im August zur Heideblüte.

Harz: Über eine Hängebrücke im XXXL-Format

Eine sehr lange Hängebrücke führt über eine tiefe Schlucht.
Freischwinger: Die Hängebrücke Titan RT im Oberharz ∙ © Shutterstock/xsmirnovx

Abhängen auf hohem Niveau erlaubt die Titan RT* im Oberharzer Rappbodetal. Sie besitzt mit 458,5 Metern das wohl längste frei überspannte Teilstück aller Fußgängerhängebrücken weltweit. Seit 2017 ist sie in den Schieferfelsen der beiden Talseiten verankert und wird von vier Haupttrag- und zwei Stabilisierungsseilen in Form und Position gehalten. Den Gitterrost für die Überquerenden sichern Geländer und Edelstahlnetze.

So kann praktisch jeder die filigrane Konstruktion ohne weitere Sicherheitsausrüstung begehen. Manche kostet es freilich etwas Überwindung, in 100 Metern Höhe nur Luft und ein wenig Stahl um sich zu haben. Sollte dies als Nervenkitzel nicht ausreichen, stehen der Gigaswing, ein Bungeesprung in 75 Meter Tiefe, und Wallrunning bereit, bei dem es an der Staumauer Wendefurth kopfüber nach unten geht.

Nationalpark Hainich: Wildkatzen beobachten

Eine Wildkatze sitz in einem Baum
Perfekt der Umgebung angepasst sind die Wildkatzen im Hainich ∙ © Nationalpark Hainich/Thomas Stephan

Wer Katzen nur als niedliche Instagram-Stubentiger kennt, kann in der größten nutzungsfreien Waldfläche Deutschlands einiges dazulernen. Etwa, wie sich verwilderte Hauskatzen von echten Wildkatzen unterscheiden. Von diesen leben rund 60 im Hainich, einem ausgedehnten Höhenrücken südlich des Harz. In freier Wildbahn sind die Tiere selten zu sichten, im Schaugehege Wildkatzenlichtung* schon viel wahrscheinlicher.

Seine Chancen dazu erhöht, wer sich zwischen Holzstapeln versteckt, in eine Höhle oder auf den Beobachtungsturm steigt. Die ungewöhnlichen Beobachtungsorte geben den Blick auf vier Gehege, eine simulierte Autobahn-Grünbrücke sowie Terrarien frei, in denen Mäuse, die Leibspeise der kleinen Räuber, leben. Bei Schaufütterungen ist zu sehen, wie die Tiere die Nager fangen und auf der Pirsch fast lautlos über Äste balancieren.

Brühl: Auf und Ab am Kletterturm

Ein Mensch schwebt gesichert an einem Seil und hängt an einem sehr hohen Gebäude
Action aller Art: Am Kletterturm in Brühl ∙ © Barbara Bechtloff

An einem früheren Getreidespeicher im nordrhein-westfälischen Brühl ist der höchste urbane Klettersteig Europas installiert, die Via Ferrata. Durch die unterschiedlich schwierigen Parcours kann sich die ganze sportliche Familie – ab sechs Jahren – austoben. Die Anfängerroute an der Außenseite des Kletterturms* misst 20 Meter in der Vertikalen, Fortgeschrittene klettern bis zu 50 Meter hoch. Auf Adrenalin-Junkies ab 18 Jahren wartet dort der "Extreme"-Parcours, eine frei schwingende Leiter.

Weithin sichtbar ist das rot gestrichene Bauwerk mit seinen Klettereisen und -griffen, Hängeleitern, Netzen und 40 Plattformen, die nur einen halben Quadratmeter groß sind. Sogar Übernachtungen sind in luftiger Höhe möglich, in Portaledges, Zelten mit großen Sichtfenstern, die den Blick bis zum Kölner Dom freigeben. Wer noch mehr Nervenkitzel braucht, wählt für den Rückweg nach unten House-Running oder Bungeejumping.

Thüringer Wald: Erlebnistour im Bergwerk

Eine riesiger rot angestrahlter Saal in einem Bergwerk
Riesige Hallen verstecken sich unter Tage im Kalibergwerk ∙ © imago images/Hohlfeld

Ein aktives Kalibergwerk von innen kennenlernen – diese Chance bietet sich im Thüringer Wartburgkreis. Das moderne Bergbauunternehmen fördert Rohstoffe für die Düngemittelproduktion und bringt seine Besucher bis in 800 Meter Tiefe. Die Tour* führt zu einem hallenartigen Bunker mit dem größten untertägigen Schaufelradbagger der Welt. Die erst 1980 entdeckte Kristallgrotte birgt Salzkristalle bis zu einem Meter Kantenlänge.

Im Goldraum lagerten bei Kriegsende die gesamten Gold- und Devisenbestände der Reichsbank und Kunstwerke von unschätzbarem Wert. In einer Multimedia-Präsentation wird ein Eindruck von den technischen Abläufen im modernen Kalibergbau vermittelt. Und ein Besucher darf nach genauer Einweisung die Zündmaschine betätigen und eine simulierte Sprengung auslösen. Deren Lichtblitze und Detonation können es mit jeder Hollywood-Produktion aufnehmen.

Vogtland: Wandern über die Ziemestalbrücke

Eine Stahlbrücke von unten aufgenommen
Eine technische Herausforderung war der Bau der Ziemestalbrücke ∙ © imago images/CHROMORANGE

Ein Schmankerl für Eisenbahnromantiker ist diese Rundwanderung* in Thüringen, in deren Mittelpunkt ein ausgedientes Viadukt unter Denkmalschutz steht. Es war Teil der inzwischen stillgelegten Bahnlinie von Triptis nach Marxgrün und überspannt in einer leichten Kurve das unberührte Tal des Otterbachs. Die eingleisige Ziemestalbrücke, 115 Meter lang und 32 Meter hoch, wurde zwischen 1893 und 1895 auf fünf Gerüstpfeilern errichtet.

Wegen der hohen Transportkosten zu der abgelegenen Baustelle kam Stein als Baumaterial nicht infrage, daher wurde Stahl verarbeitet – Ende des 20. Jahrhunderts das modernste Baumaterial. Schwindelfreiheit und Trittsicherheit vorausgesetzt, ist die Tour von knapp eineinhalb Stunden, weniger als fünf Kilometern Länge und nicht einmal 100 Höhenmetern leicht machbar.

Saarland: Floßbau und -fahrt in Bliesgau

Junge Menschen stehen auf einem Floß aus Baumstämmen auf einem Gewässer
Teambuilding bestanden: Das Floß wird zu Wasser gelassen ∙ © SPT/Eike Dubois

Bei diesem – ausnahmsweise zweitägigen – Programm* werden Smartphone und Laptop auf die Seite gelegt und dafür Axt und Säge in die Hand genommen. Unter fachkundiger Anleitung durch einen Förster bauen Gruppen oder Familien von 8 bis 16 Personen ein Floß und sind darauf dann auf einem Weiher unterwegs. Wer aber glaubt, am Treffpunkt, dem Niederwürzbach, läge ein Bausatz nach Ikea-Vorbild bereit, den er nur noch mit ein paar Schrauben montieren müsse, liegt falsch.

Stattdessen werden Bäume gefällt, zurechtgesägt und zum Floß zusammengebaut. Um den Anspruch der Nachhaltigkeit zu erfüllen, pflanzt die Gruppe zum Schluss neue Bäume im Buchenwald. Nebenbei erfährt sie vieles zur Jahrhunderte alten Tradition der saarländischen Holzflößerei, zu ihren Werkzeugen und Arbeitstechniken.

Nürnberg: Heuschrecken essen

Geröstete Heuschrecken liegen auf einem Bananenblatt
Für manche auch ein Abenteuer: Knusprig gebratene Heuschrecken essen ∙ © Shutterstock/Faiz Dila

Für zwei Milliarden Menschen sind Insekten eine mehr oder weniger regelmäßige Nahrungsquelle. In der EU gelten Speiseinsekten als neuartige Lebensmittel (Novel Food). Ihre Zucht ist wesentlich klimafreundlicher als die von Rindern, ihr essbarer Anteil liegt mit 80 Prozent doppelt so hoch, und sie sind eine exzellente Quelle von Protein, Vitamin B und Mineralstoffen.

Doch obwohl sie köstlich zubereitet werden können, empfinden viele bei der Vorstellung, sie zu essen, mehr Ekel als Vorfreude. Wer sich in das kulinarische Abenteuer stürzen will, bestellt in der Nürnberger Australian Bar & Kitchen* die Variation aus Heuschrecken auf eingelegten Zwiebeln und verschiedenen Saucen. Sehr beliebt sind die Sprungtiere – knusprig gebraten erinnert ihr Geschmack an den von Walnüssen – auch als Beilage zum normalen Burger.

Bayerischer Wald: Mit dem Ranger im Nationalpark

Ein Lux sitzt im Wald
In freier Wildbahn eher selten zu sehen: Ein Luchs im Bayerischen Wald ∙ © Shutterstock/Peter Fodor

Ein Mikroabenteuer der besonderen Art wartet auf Naturfreunde im Bayerischen Wald. Der 1970 dort gegründete Nationalpark ist der älteste Deutschlands. Ein Waldführer leitet Wanderer vom Nationalparkzentrum Lusen aus zu Luchs, Wolf und Elch*. Sie lernen die Tiere innerhalb und mit viel Glück auch außerhalb der Gehege kennen und erfahren alles über ihre Lebensweise und ihren Lebensraum, das Ökosystem Wald.

Der Luchs war vor 150 Jahren in Bayern ausgerottet, nun soll es hier wieder rund 100 der scheuen Wildkatzen geben. Auch Uhu und Wisent sind manchmal hautnah zu erleben. Rund drei Stunden dauert die leichte Tour ohne besondere Höhenunterschiede auf gut ausgebauten Wegen. Dabei sind individuelle Abkürzungen möglich, und so eignet sich die Runde für alle Altersklassen, von Familien mit Kindern bis zu Senioren.

Schwäbische Alb: Tour durch die Falkensteiner Höhle

Der Eingang einer Höhle im Felsen
Von außen sieht die Falkensteiner Höhle eher harmlos aus ∙ © Shutterstock/jopelka

In diese aktive Wasserhöhle sickern durch den Karst der Albhochfläche Niederschläge ein und werden zur Quelle der Elsach. Sie ist keine Schau-, sondern eine sogenannte wilde Höhle, deren Besuch nicht ungefährlich ist. Lediglich ihre ersten 20 Meter können bei anhaltend trockenem Wetter mit Helm und zwei Taschenlampen begangen werden. Hier versickert dann die Elsach, um wenig unterhalb der Höhle wieder auszutreten.

Ab diesem Punkt ist eine Tour* nur mit einem erfahrenen Höhlen-Guide zu empfehlen. Zur Ausrüstung gehören Neopren-Anzug, Overall, Helm sowie eine Lichtversorgung, die wasserdicht sein sowie über einen langen Zeitraum funktionieren muss. So ausgestattet kann man bei normalem Wasserstand circa 480 Meter in die Höhle eindringen.

München: Fliegen ohne Flugzeug

Zwei Menschen befinden sich in einem Windkanal, einer von beiden schwebt
Abflug: In der Schwebe im vertikalen Windkanal ∙ © jochen-schweizer.de/Jochen Schweizer Arena/Martin Ried

Bodyflying* ist eine Trainingsmöglichkeit für Fallschirmspringer, wird aber seit einigen Jahren als Nervenkitzel für – fast – alle ab 4 Jahren vermarktet. Brillentragende Flieger setzen eine Flugbrille auf, bevor sie sich in den senkrechten Windkanal begeben. Darin schweben sie auf einem künstlichen Luftstrom mit einer Geschwindigkeit von 285 km/h.

Anfänger sind erst einmal damit beschäftigt, in Bauchlage eine stabile Haltung zu erreichen, Fortgeschrittene vollführen durch Seitwärtsbewegungen und Gewichtsverlagerungen Drehungen, Saltos und Schrauben. Nach zweimal zwei Minuten ist alles vorbei, außer dem Herzklopfen. Angeboten wird der Adrenalinkick in Taufkirchen bei München und in Anlagen in Bottrop, Berlin und Schönefeld.

Bodensee: Im Zeppelin übers Schwäbische Meer

Blick über das Cockpit eines Zeppelins auf den Bodensee
Schulterblick: Ein Pilot im Zeppelin NT über dem Bodensee ∙ © Shutterstock/Loredana Habermann

Zwischen den Weltkriegen waren Luftschiffe das Nonplusultra im zivilen Luftverkehr und brachten Passagiere aus Deutschland bis Brasilien. Wer diese Ära nachempfinden möchte, besucht das Zeppelin Museum in Friedrichshafen, wo Gesellschaftsräume und Passagierkabinen nachgebaut wurden, oder begibt sich tatsächlich in den Himmel über dem Bodensee.

Zur Wahl stehen Flüge* zwischen einer halben und zwei Stunden, wobei der Preis der Exklusivität in nichts nachsteht: Maximal 14 Fluggäste blicken in der weitgehend verglasten Kabine aus 300 Metern Höhe auf die Mainau, auf Meersburg, Lindau, Bregenz und bis weit in die Alpen. Der 75 Meter lange Zeppelin NT geht auch regelmäßig auf Tour und erlaubt dann u.a. neue Perspektiven auf München, Köln, Mönchengladbach und Frankfurt.


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Helmuth Meyer
Redakteur
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