Reiserecht fürs Handgepäck: Sechs Urteile

Eine verzweifelte Frau sitzt mit ihrem Koffer am Flughafen auf dem Boden
Annullierungen und Verspätungen lassen die Urlaubsstimmung schon am Gate verfliegen© stock.adobe.com/Alina Rosanova

Geklaute Koffer, verpasstes Boarding und zwei Chihuahuas auf Abwegen: Wann hat man Anspruch auf Entschädigung und wann nicht? Sechs Urteile aus dem Reiserecht.

  • Flug annulliert: Airline muss umfassend informieren

  • Hund an Bord: Reisebüro muss geltende Bestimmungen weitergeben

  • Reiserücktrittsversicherung: Wann Bonusmeilen rückerstattet werden

Das 100-ml-Deodorant ist verstaut, Buchungsbestätigung und Reisepass sicher in die Seitentasche des Rucksacks verpackt. Alles bereit für den Urlaubsflieger in die Ferien.

Doch oft gibt es unerwartete Ärgernisse, denn vom verspäteten und annullierten Flug bis zum gestohlenen Koffer kann auf Flugreisen eine ganze Menge schiefgehen. Aktuelle Gerichtsurteile klären auf, worauf im Voraus zu achten ist. Und wer am Ende für die Turbulenzen über den Wolken und auf dem Boden aufkommen muss.

Flug annulliert, Info kam nicht an

Manche Reisen enden schon, bevor sie überhaupt angefangen haben. So zumindest dürften sich Passagiere gefühlt haben, die einen Tag vor Abflug online einchecken wollten und erst dann sahen, dass der Flug schon vor mehreren Monaten gestrichen wurde. Das Problem: Die Online-Flugsuchmaschine, bei der die Tickets gekauft worden waren, hatte der Airline, die den Flug cancelte, nicht die E-Mail-Adressen der Reisenden weitergeleitet. Und so landete die Mitteilung über die Flugannullierung in einem vollkommen falschen Postfach.

Der Europäische Gerichtshof (EuGH) sprach den betroffenen Passagieren aber eine Entschädigung zu: Die Airline habe die Ticketkosten und eine Entschädigung zu zahlen, weil sie die Betroffenen über die Streichung des Fluges hätte informieren müssen. Dass der Reisevermittler, also in diesem Fall das Buchungsportal, nicht die richtigen Mail-Adressen herausgab, spielte keine Rolle.

Aperol Spritz nicht erstattungsfähig

Zwei Gläser Aperol Spritz auf einem Tisch
Auf den Kosten für den Aperol bleiben Reisende sitzen© iStock.com/Elena Katkova

Flugverspätungen sind ein riesiges Ärgernis, das nicht nur die eigenen Pläne durcheinanderbringt, sondern häufig zu Wartezeiten an Flughäfen führt. Für Hunger und Durst, die während der unerwarteten Auszeit aufkommt, müssen in der Regel die Fluglinien aufkommen.

So auch im Fall von Gästen, die bei einer Reise von Miami nach Hannover wegen einer Flugannullierung mehrere Stunden an ihren Zwischenstationen in London und Madrid verbringen mussten. Laut Amtsgericht Hannover habe die Airline für Mahlzeiten und Erfrischungen der Gäste aufzukommen, nicht aber für die zwei am Flughafen genossenen Aperol Spritz. Diese würden wegen ihres Alkoholgehalts nicht erfrischen, sondern sogar müde machen. Ergo seien sie auch nicht erstattungsfähig.

Chihuahuas müssen draußen bleiben

Porträt eines braunen Kurzhaar-Chihuahua-Hundes mit Sonnenbrille
Kein Flug nach Dubai: Zwei Münchner Chihuahuas mussten ihren Urlaub ungeplant abbrechen© Shutterstock/Phuttharak

Eine dreiköpfige Münchner Familie beauftragte bei einem Reisebüro Flugtickets nach Dubai, ihre beiden Chihuahuas sollten sie auf die Reise ins Emirat begleiten. Und zwar in der Flugzeugkabine.

Doch an der Zwischenstation am Flughafen Zürich war die Reise für die Hunde vorzeitig beendet: Die Airline ließ die Chihuahuas mit dem Verweis auf Bestimmungen der International Air Transport Association weder im Passagier-, noch im Frachtraum mitfliegen. Ohne ihre Tiere wollte die Familie allerdings nicht weiterfliegen und brach die Reise ab. Beim Reisebüro verlangte sie das Geld für die Tickets und die Vermittlergebühr zurück.

Das Amtsgericht München gab der Familie Recht. Das Reisebüro hätte von Anfang an wissen müssen, dass die Beförderung von Tieren in der Kabine nach Dubai nicht möglich ist, und das auch mitteilen müssen. Es habe also seine Aufklärungs- und Beratungspflicht verletzt und müsse das Geld zurückerstatten und sogar Schadensersatz zahlen.

Kein Höhenflug im Rausch

Ein Glas Wein steht für einen Fluggast im Flugzeugb ereit
Ein Passagier trank über den Durst und musste deshalb am Boden bleiben© Shutterstock/vaalaa

Im Flieger hat der Pilot das Sagen. Das musste ein Ehepaar feststellen, das einen Businessclass-Flug von Bogotá nach Stuttgart gebucht hatte, diesen aber nicht antreten durfte. Der Grund: Die offensichtlich alkoholisierte Frau stieß den Chefsteward zuerst unsanft mit dem Finger an die Schulter und versuchte den herbeigeeilten Kapitän dann noch am Schlafittchen zu packen. Der Pilot verwies das Ehepaar des Fliegers.

Zu Recht, wie das Amtsgericht Frankfurt bestätigte. Es wies die Klage des Ehemanns auf Entschädigung und Schadensersatz ab. Eine Fluglinie müsse widerspenstige oder aggressive Gäste, sogenannte unruly passengers, nicht befördern.

Diebe zu schlau für die Security

Filmreifer Coup am Frankfurter Flughafen: Zwei Diebe gelangten mit eigenem Auto, Warnweste und schwarzen Hosen in den nur für Flughafenmitarbeiter zugänglichen Abfertigungsbereich und kamen so in den Besitz von fünf Louis-Vuitton-Koffern mit teurer Kleidung. Gesamtwert: 300.000 Euro.

Die Schadensersatzforderungen der Passagiere, denen die Koffer eigentlich gehörten, liefen allerdings ins Leere. Das Montrealer Übereinkommen decke nur Ansprüche gegenüber Airlines direkt ab, so das Gericht. Die Flughafenbetreiberin könne ebenfalls nicht in Regress genommen werden. Dafür, so argumentierte das Landgericht Frankfurt, fehle es an einer Pflichtverletzung, und die Diebe seien sehr trickreich vorgegangen.

Versicherung gilt auch für Bonusmeilen

Eine Person sucht nach einem Flug an ihrem Laptop
Die Versicherung muss auch nicht angetretene Flüge ersetzen, die mit Bonusmeilen bezahlt worden sind© Shutterstock/REDPIXEL.PL

Der Streit eines Mannes mit seiner Reiserücktrittsversicherung ging bis zum Bundesgerichtshof (BGH): Er hatte einen Flug in die USA mit Bonusmeilen gezahlt, konnte wegen Krankheit aber nicht fliegen. Die Versicherung weigerte sich, die Bonusmeilen zu ersetzen, schließlich seien Meilen ja keine gängige Währung.

Der BGH sah das anders, Bonusmeilen hätten sehr wohl einen Wert, weil der Mann sie ja als Gegenleistung für Waren oder Dienstleistungen einsetzen könne. Insofern seien sie durch die Versicherung abgedeckt. Welche Geldsumme der Mann jetzt als Äquivalent erhält, hat der BGH allerdings noch nicht entschieden.