Streik bei der Airline – Rechte für betroffene Fluggäste

14.8.2019

Wenn Piloten, Bodenpersonal oder Flugzeug-Crew streiken, bleiben die Flugzeuge am Boden. ADAC Juristen geben Tipps, wie betroffene Passagiere eine Entschädigungen oder Reisepreisminderung bekommen.

Menschenschlange am Flughafen
Flug wegen Streik annulliert – das sind Ihre Rechte (Foto: iStock.com/Iza Habur)
  • Wenden Sie sich als erstes an die Airline, wenn Ihr Flug von einem Streik betroffen ist.
  • Oft informieren bestreikte Airlines im Internet, per Mail oder SMS über Flugausfälle oder Umbuchungen.
  • Bei Pauschalreise: wenden Sie sich an Ihren Reiseveranstalter.

Flug annulliert oder verspätet – Essen und Entschädigung für Passagiere

Verpflegung und Hotelübernachtung bei verspätetem Abflug

Wenn Ihr Flug wegen eines Streiks annulliert wurde oder verspätet abfliegt, haben Sie Anspruch auf zwei Telefonate, zwei E-Mails, Getränke, Essen und – falls nötig - eine Übernachtung im Hotel.
Das gilt für:

  • Flüge bis 1500 Kilometer: ab zwei Stunden Verspätung
  • Flüge von 1500 bis 3500 Kilometern: ab drei Stunden Verspätung,
  • Flüge ab 3500 Kilometern: nach vier Stunden.

Kann die Airline trotz Nachfrage keine Verpflegung oder Unterkunft stellen, dürfen Sie sich selbst um Verpflegung und ggfs. ein Hotelzimmer kümmern. Bewahren Sie alle Belege auf. Damit können Sie Ihre Kosten im Nachhinein bei der Airline erstattet verlangen.

Ausgleichszahlung als Entschädigung

Bei Annullierung, Überbuchung oder Verspätung eines Fluges haben betroffene Passagiere einen Anspruch auf eine Entschädigung von bis zu 600 Euro

Tipp: Machen Sie Ihre Entschädigungsansprüche mit dem ADAC Musterschreiben, 27,36 KB bei der Airline geltend.

Weitere Informationen zur Ausgleichszahlung finden Sie hier.

Streik als außergewöhnlicher Umstand

Ein Anspruch auf eine Ausgleichszahlung besteht nicht, wenn sich die Airline auf außergewöhnliche Umstände berufen kann.

Der BGH hat einen Streik als außergewöhnlichen Umstand bewertet. Airlines müssen daher grundsätzlich bei einem Streik keine Entschädigung zahlen.

Ganz ausgeschlossen sind Ausgleichszahlungen aber nicht, denn die Airline muss alles Zumutbare tun, um Auswirkungen des Streiks zu vermeiden. Nur wenn die Airline nachweisen kann, dass sie alles unternommen hat, um den Passagier umzubuchen oder anderweitig zu transportieren, muss sie keinen Ausgleich bezahlen.

Dagegen hat der EuGH entschieden, dass Passagiere jedenfalls eine Entschädigung bekommen können, wenn es wegen unerlaubter Arbeitsniederlegungen (sog. „wilder Streik“) zu erheblichen Verspätungen oder Flugausfällen kommt. Airlines können sich nicht automatisch auf außergewöhnliche Umstände berufen.

Es muss daher immer im Einzelfall geprüft werden, ob der Streik von der Fluggesellschaft beherrschbar war. Außerdem muss berücksichtigt werden, ob die Airline alle zumutbaren Maßnahmen ergriffen hat, um Beeinträchtigungen für die Passagiere abzuwenden.

Anschlussflug verpasst – Ersatzbeförderung und Geld zurück

Zubringerflug wegen des Streiks ausgefallen, Anschlussflug verpasst

Wenn Sie mehrere Flüge im Rahmen einer einheitlichen Buchung gebucht haben, muss die Airline Sie zu Ihrem Endziel befördern. Dabei muss sich die Airline um eine kostenlose Beförderung (wenn nötig auch per Bahn oder Bus) kümmern. Bietet Ihnen die Airline keine Ersatzbeförderung an und entstehen Ihnen dadurch zusätzliche Kosten, können Sie diese Kosten ersetzt verlangen. 

Ticketpreis zurück

Wird Ihr Flug wegen des Streiks gestrichen, können Sie sich auch von dem Vertrag lösen. Dann haben Sie Anspruch auf die Rückerstattung des Ticketpreises. 

Rechte bei Pauschalreise

Urlauber einer Pauschalreise können bei Flugstörungen ebenfalls Ausgleichszahlungen und Verpflegung sowie ggf. ein Hotelzimmer von der Airline verlangen. Dazu kommen mögliche Ansprüche gegen den Reiseveranstalter.

Tipp: Wenden Sie sich daher an Ihren Reiseveranstalter, wenn Ihre Pauschalreise von einem Streik betroffen ist.

Umbuchung

Der Reiseveranstalter muss dafür sorgen, dass Sie Ihren Urlaubsort erreichen. Wird der gebuchte Flug wegen einem Streik annulliert, muss sich der Reiseveranstalter um einen Ersatzflug kümmern. Bietet er Ihnen keine gleichwertige Alternative an, dürfen Sie selbst einen Ersatzflug buchen und die Kosten vom Reiseveranstalter ersetzt verlangen.

Verspätete Anreise, Urlaub verkürzt

Erreichen Sie wegen eines Streiks bei der Airline Ihren Urlaubsort später als geplant, liegt ein Reisemangel vor. Sie können bei Ihrem Reiseveranstalter den Reisepreis anteilig mindern.

Die Reisepreisminderungstabelle des ADAC, 883,49 KB enthält einzelne Fälle zur Höhe der Reisepreisminderung.

Wird der gebuchte Urlaub wegen der verspäteten Anreise erheblich verkürzt, können Sie auch Schadenersatz wegen der Beeinträchtigung der gesamten Reise geltend machen. Bei einem erheblichen Reisemangel können Sie alternativ auch vom Vertrag zurücktreten.

Verspätete Heimreise

Verlängert sich Ihr Urlaubsaufenthalt wegen eines Streiks, ist es denkbar, den Reiseveranstalter für die Kosten von drei Übernachtungen in einer (möglichst gleichwertigen) Unterkunft in Anspruch zu nehmen. Häufiger Fall: Die Rückreise ist wegen eines Streiks bei der gebuchten Airline nicht möglich.

Weitere Informationen zu Ihren Rechten bei einer Pauschalreise lesen Sie hier.

Text: Juristische Zentrale