Ärger auf Kreuzfahrt und Fähre – diese Ansprüche haben Sie

17.10.2019

Fähre ausgefallen oder verspätet: Fahrgäste haben Anspruch auf Erstattung des Fahrpreises. Bei Kreuzfahrten bekommen Passagiere Reisepreisminderung, wenn z.B. die vorgesehenen Häfen nicht angefahren. Die ADAC Clubjuristen erklären, was Sie geltend machen können.

Junge Frau lehnt an Rehling von Schiff
Kreuzfahrten liegen im Trend (Foto: iStock.com/freemixer) 
  • Reisepreisminderung, wenn auf der Kreuzfahrt die gebuchten Leistungen nicht erbracht werden
  • Schadenersatz möglich, wenn die Kreuzfahrt durch den Mangel erheblich beeinträchtigt ist
  • Fähre fährt verspätet los: Entschädigung für die Passagiere

Ansprüche bei Ärger auf der Kreuzfahrt

Mängel richtig reklamieren

Wenden Sie sich umgehend an die Reiseleitung, das Reisebüro oder den Reiseveranstalter, wenn Sie auf Ihrer Kreuzfahrt Mängel feststellen. Schildern Sie die einzelnen Mängel, damit sie möglichst schnell behoben werden können. 

Weitere Informationen zu Ihren Ansprüchen und wie Sie diese richtig einfordern, finden Sie hier.

Reisepreisminderung

Eine Kreuzfahrt ist eine Pauschalreise. Auch eine Fährüberfahrt kann eine Pauschalreise sein, wenn z.B. die Überfahrt mit einer Kabine gebucht wurde.

Höhe der Minderung 

Die Höhe der Reisepreisminderung muss je nach Einzelfall bestimmt werden. Die wird anhand der individuellen Beeinträchtigung der Reise bestimmt.

Kreuzfahrt mangelhaft Reisepreisminderung                    
Verspätete An- oder Abreise  Bis zu 100 % des Tagesreisepreises 
Gepäck verspätet oder verloren  Bis zu 50 % des Tagesreisepreises 
Route der Kreuzfahrt geändert  15 bis 50 % des Tagesreisepreises 
Landgang ausgefallen, Hafen nicht angefahren  15 bis 70 % des Tagesreisepreises 
Anderes Schiff oder Kabine  Bis zu 10 % des Tagesreisepreises 
 Lärm und schiffstypische Geräusche  0 %
Kreuzfahrt abgebrochen (z.B. Seenot)  Bis 100 % des Tagesreisepreises 

ADAC Juristische Zentrale, Stand: Juli 2019

Hier finden Sie die gesamte Tabelle zur Reisepreisminderung bei Kreuzfahrten, 42,84 KB. Sind nur einzelne Tage betroffen, wird die Minderung meistens anteilig am Tagesreisepreis berechnet.

Ansprüche bei Schiffsreise und Fährüberfahrt

Darüber hinaus können Sie bei einer Verspätung (ab 90 Minuten) oder Annullierung unter bestimmten Voraussetzungen eine Entschädigung verlangen, wenn Sie mit einem Schiff fahren oder einer Fähre übersetzen. 

Sie müssen spätestens 30 Minuten nach der fahrplanmäßigen Abfahrtszeit über die Lage und über die voraussichtliche Abfahrts- und Ankunftszeit informiert werden.

Fähre annulliert oder legt verspätet ab 

Sie haben die Wahl zwischen der
  • Fahrt mit einem anderen Schiff (zum frühestmöglichen Zeitpunkt unter vergleichbaren Bedingungen),
  • Erstattung des Fahrpreises und kostenlose Rückfahrt zum Abfahrtsort.

Sie müssen kostenlos Getränke oder Imbisse angeboten bekommen. Wenn eine Übernachtung notwendig ist, muss Ihnen die Unterbringung an Bord oder Land sowie der Transfer dorthin angeboten werden. 

Verspätete Ankunft am Ziel

Bei der verspäteten Ankunft können Sie eine Entschädigung verlangen. Diese ist abhängig von der Fahrtdauer:

Danach werden 25 % des Fahrpreises erstattet bei der Verspätung
  • von einer Stunde und planmäßiger Fahrtdauer von bis zu 4 Stunden,
  • zwei Stunden und planmäßiger Fahrtdauer von mehr als 4 bis 8 Stunden,
  • drei Stunden und planmäßiger Fahrtdauer von mehr als 8 bis 24 Stunden oder
  • sechs Stunden und planmäßiger Fahrtdauer von mehr als 24 Stunden.
Beträgt die Verspätung mehr als das doppelte der angegebenen Zeit, beträgt die Entschädigung 50 % des Fahrpreises.

 

Keine Entschädigung bei außergewöhnlichen Umständen

Sie können keine Ansprüche geltend machen, wenn die Annullierung oder Verspätung durch sicherheitsbeeinträchtigende Wetterbedingungen oder außergewöhnliche Umstände verursacht wurde. Ob das der Fall war, muss die Fährgesellschaft nachweisen.


Was ist zu tun?

  • Bestätigung verlangen: Lassen Sie sich die Annullierung oder Verspätung vor Ort schriftlich bestätigen.
  • Belege aufbewahren: Heben Sie Buchungsunterlagen und Tickets auf.
  • Ansprüche formulieren: Wenden Sie sich schriftlich an das Schiffsunternehmen oder den Terminalbetreiber.
  • Frist beachten: Sie müssen Ihre Ansprüche innerhalb von zwei Monaten nach der Schiffsreise anmelden. 

Hilfe bei Streit

Sie müssen Ihre Ansprüche wegen Verspätung oder Annullierung erst bei Ihrem Vertragspartner geltend machen. Erst wenn das Schiffsunternehmen den Anspruch ablehnt oder nicht innerhalb eines Monats reagiert, können Sie eine Schlichtungsstelle einschalten. Das Recht, Ihre Ansprüche vor Gericht geltend zu machen, bleibt durch die Schlichtung unberührt. 

Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr
Sie können sich an die Schlichtungsstelle für den öffentlichen Personenverkehr (söp) wenden, wenn das Schiffsunternehmen Mitglied der söp ist. 

söp Schlichtungsstelle öffentlicher Personenverkehr e.V. 
Fasanenstraße 81 
10623 Berlin

Telefon: +49 (0)30 6449933-0 (Montag bis Freitag 10 - 16 Uhr)
Fax: +49 (0)30 6449933-10

E-Mail: Schiffkontakt@soep-online.de
Website: www.soep-online.de*

Eisenbahn-Bundesamt
Wenn das Schiffsunternehmen auf Ihre Beschwerde nicht reagiert, können Sie zusätzlich eine Beschwerde beim Eisenbahn-Bundesamt* einreichen. Das EBA ist zuständig für die Durchsetzung von Fahrgastrechten und prüft zunächst den Sachverhalt. Wenn Ihre Beschwerde berechtigt ist, führt das EBA ein Verwaltungsverfahren durch, um das Schiffsunternehmen zur Einhaltung seiner Verpflichtungen zu bewegen. Damit sollen Ihre Fahrgastrechte (z.B. Zahlung eines Entschädigungs- oder Erstattungsbetrags) gewahrt werden.

Eisenbahn-Bundesamt
Heinemannstraße 6
53175 Bonn 

Bürgertelefon: +49 (0)228 30795-400 (Montag bis Donnerstag 9 - 15 Uhr, Freitag 9 - 12 Uhr) 
Fax: +49 (0)228 9826-9199

E-Mail: fahrgastrechte@eba.bund.de
Website: www.eba.bund.de*

Ihre Beschwerde können Sie in einem Online-Beschwerdeformular* vorbringen.

*Durch Anklicken der Links werden Sie auf externe Internetseite weitergeleitet, für deren Inhalte der jeweilige Seitenbetreiber verantwortlich ist.

Text: Juristische Zentrale