Reisemängel bei Buchungen bis 30.6.2018

21.6.2019

Schmutz im Pool, Ungeziefer im Hotelzimmer, Baulärm oder Flugverspätung – bei Reisemängeln steht bei Pauschalreisen eine Reisepreisminderung im Raum. Wichtig: Für Buchungen ab 1.7.2018 gilt das neue Pauschalreiserecht. Wurde die Pauschalreise bis zum 30.6.2018 gebucht, richten sich die Ansprüche nach der alten Rechtslage. Dabei ist unerheblich, wann die Reise tatsächlich angetreten wird.

Reisemängel: so können Sie diese anzeigen und den Reisepreis mindern
©iStock.com/Hoaru
  • Reisemangel Pauschalreise: schon vor Ort mit dem ADAC Musterschreiben bei der Reiseleitung anzeigen und Abhilfe verlangen
  • Nach der Rückkehr Ansprüche innerhalb eines Monats beim Reiseveranstalter anmelden
  • ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung gibt Überblick über Urteile zur verschiedenen Reisemängeln

Ansprüche gegen Reiseveranstalter

Voraussetzung für Ansprüche auf Minderung des Reisepreises gegenüber einem Reiseveranstalter ist, dass es sich bei der gebuchten Reise um eine Pauschalreise handelt. 

Unterscheidung Pauschal- oder Individualreise

Unter
Pauschalreise ist ein "Leistungspaket" zu verstehen, das in der Regel die Anreise, die Übernachtung/Verpflegung und/oder weitere Reiseleistungen (z.B. Besichtigungstouren, Sportprogramme) umfasst. Diese Leistungen werden von einem Reiseveranstalter gebündelt organisiert und zu einem einheitlichen Gesamtpreis erbracht. Es gilt das sog. Reisevertragsrecht.  Anspruchsgegner für sämtliche Ansprüche ist der Reiseveranstalter.

Bei der Individualreise hingegen schließt der Reisende auf eigene Faust Beförderungs- und Beherbergungsverträge mit Hotellerie und Verkehrsunternehmen. Der Individualreisende muss seine Ansprüche direkt gegenüber dem jeweiligen Vertragspartner durchsetzen. Bei der direkten Buchung im Ausland kann die Durchsetzung von Ansprüchen problematisch sein, da in diesen Fällen das Recht des jeweiligen Reiselandes anzuwenden ist. 

Rechtliche Stellung des Reiseveranstalters

Bei einer Pauschalreise ist der Reiseveranstalter Vertragspartner und Anspruchsgegner des Reisenden für sämtliche Minderungs- oder Schadensersatzansprüche. Das Reisebüro vermittelt in der Regel lediglich zwischen den Vertragspartnern.

Rechtliche Stellung des Reisebüros

Das Reisebüro tritt regelmäßig nur als Vermittler zwischen Kunden und Reiseveranstalter auf. Es haftet für Fehlleistungen aus dem Vermittlungsvertrag, also z.B. wenn versehentlich ein falscher Flug gebucht wurde. Rechtsansprüche wegen Reisemängeln müssen daher in der Regel direkt gegen den Reiseveranstalter gestellt werden. Das Reisebüro kann Anspruchsanmeldungen und Beschwerden nur entgegennehmen und an den Veranstalter weitergeben.

Was ist ein Reisemangel?

Bei einer Pauschalreise liegt ein Mangel vor, wenn die vom Veranstalter versprochenen Leistungen nicht geboten werden und die Reise mit Fehlern behaftet ist, die den Wert oder die Tauglichkeit zu dem gewöhnlichen oder nach dem Vertrag vorausgesetzten Nutzen deutlich mindern. 

Aber liegt im Einzelfall wirklich ein Mangel oder doch nur eine Unannehmlichkeit vor? Folgendes ist entscheidend:

  • Ein Reisemangel ist in der Regel gegeben, wenn die Reiseleistungen des Veranstalters von den Vereinbarungen im Reisevertrag abweichen. 
  • Bei der Feststellung eines Reisemangels sind insbesondere die Prospektbeschreibung, die Reisebestätigung, verbindliche Zusatzvereinbarungen und die Informationspflichten des Reiseveranstalters zu berücksichtigen. Der Charakter der Reise (z.B. Sportreise, Jagdreise, Bildungsreise) kann bei der Beurteilung, ob ein Mangel vorliegt, eine Rolle spielen, da sich hieraus konkrete Abweichungen vom vertraglich vorausgesetzten Nutzen der Reise ergeben können. 
  • Handelt es sich um bloße Unannehmlichkeiten, landesübliche Gegebenheiten oder allgemeines Lebensrisiko liegt in der Regel kein Reisemangel vor. So stellt z.B. die Wartezeit bis zur Zimmerzuweisung im Hotel eine bloße Unannehmlichkeit dar, Insekten in tropischen Ländern sind eine landesübliche Gegebenheit.


Es gibt unzählige Urteile zu den verschiedensten Mängeln. Die Clubjuristen haben die bundesweite Rechtsprechung zum Reiserecht der letzten zehn Jahre ausgewertet und eine aktuelle Übersicht erstellt. Die Reisepreisminderungstabelle gibt einen Überblick zur Reisepreisminderung bei den häufigsten Reisemängeln:

ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung, 883,49 KB

Vorgehen vor Ort: Mängel rügen, Abhilfe verlangen und Beweise sichern

Der Reisemangel muss zunächst direkt am Urlaubsort gerügt und Abhilfe verlangt werden. Wenn Sie im Urlaub ein Reisemangel feststellen, wenden Sie sich noch am Urlaubsort umgehend an die Reiseleitung – nicht an die Rezeption des Hotels! – und schildern die festgestellten Mängel, damit möglichst sofort Abhilfe geschafft werden kann. 

Formular der Clubjuristen für die Mängelanzeige vor Ort

Musterschreiben Mängelanzeige, 40,4 KB

Außerdem sollten Sie versuchen, Beweise zu beschaffen, die Sie im Fall eines Rechtsstreits vorlegen können. Machen Sie möglichst Fotos z.B. vom verschmutzten Swimmingpool, holen Sie bei einer Flugverspätung eine Bestätigung der Fluggesellschaft ein oder sammeln Sie Anschriften von Zeugen, die den Reisemangel bestätigen können.

Nach der Rückkehr: Ansprüche anmelden

Um Ihre Ansprüche auf Reisepreisminderung gegenüber dem Reiseveranstalter geltend zu machen, müssen Sie folgendes beachten:

  • Sie müssen spätestens einen Monat nach Rückkehr aus dem Urlaub eine schriftliche Beschwerde an den Reiseveranstalter richten.
  • Ansprechgegner ist der Reiseveranstalter, nicht Ihr Reisebüro!
  • Beschreiben Sie in dem Beschwerdeschreiben den Reisemangel möglichst genau und fordern Sie eine Reisepreisminderung.
  • Schicken Sie das Schreiben am besten per Einschreiben/Rückschein an den Veranstalter

Musterschreiben der Clubjuristen zur Anzeige von Reisemängel 

Musterschreiben Reisemängelanzeige beim Reiseveranstalter, 61,09 KB

Reisepreisminderung

Wie hoch ist die Reisepreisminderung?

Wie hoch die Reisepreisminderung ist, die Sie bei einem Reisemangel beim Veranstalter geltend machen können, hängt vom Einzelfall ab. Der ADAC hat für Sie die bundesweite Rechtsprechung der letzten Jahre zum Reiserecht ausgewertet und eine aktuelle Übersicht zur Höhe der Reisepreisminderung bei den häufigsten Minderungsgründen erstellt. 


Reisepreisminderungstabelle des ADAC als Orientierungshilfe

ADAC Tabelle zur Reisepreisminderung, 883,49 KB

Reisegutschein statt Auszahlung der Minderung?  

Wenn Sie berechtigterweise eine Preisminderung wegen eines Reisemangels fordern, haben Sie Anspruch auf Auszahlung der Preisminderung. In der Regel übersendet der Veranstalter einen Verrechnungsscheck, wenn er den Reisemangel anerkennt. Auf einen Reisegutschein zur Abgeltung der Reisepreisminderung müssen Sie sich nicht einlassen. 

Scheck annehmen - Vorsicht Vergleich!

Wer Mängelansprüche anmeldet und daraufhin vom Reiseveranstalter einen Scheck erhält, verliert weitergehende Ansprüche, wenn er diesen Scheck widerspruchslos einlöst! In diesem Fall gilt das Angebot des Reiseveranstalters auf einen (außergerichtlichen) Vergleich als angenommen. Nehmen Sie den vom Reiseveranstalter angebotenen Scheck also nicht an, wenn Sie mit der Höhe der Reisepreisminderung nicht einverstanden sind und weitere Rechtsansprüche geltend machen wollen.

Zahlung verweigert – Mahnverfahren!

Zahlt der Reiseveranstalter trotz Zahlungsfrist und Mahnung die geforderte Reisepreisminderung nicht, muss nicht immer ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Gerade bei kleineren Geldforderungen bietet es sich an, mit einem Mahnbescheid gegen den Reiseveranstalter vorzugehen. Wie das geht erfahren Sie hier.

Aktuelles Urteil

BGH Urteil: Pauschalurlauber können Kosten für selbst organisierten Rückflug verlangen

Reisende können vom Reiseveranstalter die Mehrkosten für einen Ersatzflug verlangen, wenn der ursprünglich gebuchte Flug verschoben wird und die Reisenden daraufhin in Eigenregie einen Alternativflug buchen.

Rückflug verzögert – Reisende buchen ohne Rücksprache einen Ersatzflug

Einer Familie wurde bei Antritt der Rückreise aus der Türkei nach Deutschland mitgeteilt, dass ihr Rückflug erheblich verspätet war. Neben dem verspäteten Abflug sollte der Rückflug nicht wie geplant nach Frankfurt, sondern nach Köln gehen. Gesamtdauer der Verzögerung: 6,5 Stunden. Die Familie buchte daraufhin auf eigene Faust einen Rückflug nach Frankfurt, ohne den Reiseveranstalter vorher darüber zu informieren. Sie verlangte die zusätzliche Kosten für den Rückflug ersetzt.

Reiseveranstalter muss Möglichkeit bekommen, für Abhilfe zu sorgen

Der Reiseveranstalter verweigerte die Zahlung, weil die Reisenden ihn vor der Buchung des Ersatzfluges nicht informiert hatten. Grundsätzlich müssen Reisende den Reiseveranstalter über Mängel der Reise in Kenntnis setzen und eine Frist zur Abhilfe setzen. Eine Ausnahme von dieser Regel besteht aber dann, wenn der Reiseveranstalter den Reisenden (wie in diesem Fall) über diese Pflicht nicht vor Antritt der Reise unterrichtet hatte.

Verletzung der Hinweispflicht durch den Reiseveranstalter – Reisender darf auf eigene Faust tätig werden

Die Richter des BGH bejahten einen Ersatzanspruch des Reisenden. Grund hierfür ist nach Ansicht des Gerichts der unterbliebene Hinweis durch den Reiseveranstalter, dass Mängel durch den Reisenden grundsätzlich angezeigt werden müssen.

BGH, Urteil vom 3.7.2018, Az.: X ZR 96/17

 

ADAC Tipp


Zeigen Sie dem Reiseveranstalter bei der Verschiebung oder Annullierung von Flügen den Mangel zunächst (schriftlich) an und verlangen Sie Abhilfe. Bietet Ihnen der Reiseveranstalter keine Alternativbeförderung an, können Sie sich selbst einen Flug buchen und die Kosten vom Veranstalter ersetzt verlangen.