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"Jetzt ist die beste Zeit für eine Amsterdam-Reise"

Stadtführerin Theresa in Amsterdam
Theresa Huber vor einem Schild in der Amsterdamer Innenstadt. Es markiert eine coronabedingt "geteilte" Straße für Fußgänger, Auto- und Radfahrer ∙ © Amsterdamliebe

Theresa Huber, 34, Gründerin des Unternehmens "Amsterdamliebe", über Stadtführungen zu Corona-Zeiten, geteilte Straßen und die Vorteile der Leere.

Eigentlich wollte sie 2015 nur für ein paar Wochen in Amsterdam bleiben, um auf die Katze einer Freundin aufzupassen. Zwischen Grachten und Giebelhäusern entschied Theresa Huber aus Bayern dann aber kurzerhand, selbst in die niederländische Hauptstadt zu ziehen.

Sie fing als Stadtführerin an, um während des Bewerbungsprozesses für einen anderen Job Geld zu verdienen. Aber bald wollte die heute 34-Jährige nichts anderes mehr machen und gründete ein Unternehmen für deutschsprachige alternative Stadttouren: Amsterdamliebe*.

Aktuell ruft die Stadt Tagesbesucher dazu auf, die Wochenenden zu meiden und lieber unter der Woche zu kommen. So sollen auch samstags und sonntags in der teils engen, verwinkelten Amsterdamer Innenstadt die Abstandsregeln eingehalten werden können. Grundsätzlich aber, erzählt Theresa Huber im Interview, sei Amsterdam in diesem Sommer so leer wie noch nie.

ADAC Redaktion: Wie sehen Stadtführungen in Corona-Zeiten aus?
Theresa Huber: Wir müssen eineinhalb Meter Abstand halten und geben uns den Ellenbogen, statt Hände zu schütteln. Eine Maskenpflicht gilt in den Niederlanden nur im ÖPNV, bei unseren Touren brauchen wir also keinen Mundschutz.

Seit dem 1. Juni machen wir wieder Stadtführungen, und anfangs gab es nur sehr wenige Anfragen. Jetzt werden es zum Glück immer mehr. Allerdings buchen bei uns aktuell ausschließlich Individualtouristen, und das sehr spontan.

Vor Corona haben die Leute Wochen und Monate im Voraus gebucht, jetzt meldet sich etwa die Hälfte noch am selben Tag für eine Tour an. Große Busreisegruppen, die normalerweise einen erheblichen Anteil unseres Geschäfts ausmachen, kommen momentan gar nicht. Genauso Schulklassen, denn Klassenfahrten sind ja derzeit nicht erlaubt.

Ist "Amsterdamliebe" schon wieder ausgelastet?
Wir haben unglaublich viel zu tun, was daran liegt, dass unser Team gerade viel kleiner ist als sonst. Etwa 50 Prozent unserer Guides sind Studenten, die zu ihren Eltern nach Deutschland zurückgegangen sind, nachdem die Universitäten auf Online-Kurse umgestellt haben. Das ist nachvollziehbar, schließlich können sie sich so die hohen Amsterdamer Mietpreise sparen.

Andere Mitarbeiter sind ins Umland gezogen, da Amsterdam ohne Einkommen zu teuer ist. Wieder andere haben sich andere Jobs gesucht, um den Verdienstausfall zu überbrücken. Die müssen jetzt erst ihre neuen Jobs kündigen, bevor sie zu uns zurückkommen können. Zu normalen Zeiten sind wir 24 Stadtführer, aktuell sind wir nur zu viert.

Wie hat sich Amsterdam durch die Pandemie verändert?
Die Stadt ist sehr viel leerer als sonst. Ich kenne Amsterdam nur voll und fühle mich gar nicht so wohl, wenn es so leer ist. In den berühmten Negen Straatjes – ein sehr nettes, kleines Einkaufsviertel mit individuellen Keramikläden, Mode- und Kissengeschäften – ist jedes fünfte Haus leer. Die sind alle schon pleite. Denn allein von den Nachbarn können all diese Lädchen und kleinen Cafés nicht überleben.

Amsterdams Kaufkraft generiert sich hauptsächlich über die Touristen. Was außerdem anders ist: Wegen der Abstandsregel sind viele Straßen der Innenstadt zum "Geteilten Raum" geworden. Das heißt, dass auch Fußgänger auf Straßen gehen können, die zuvor Rad- und Autofahrern vorbehalten waren. Das betrifft nahezu alle Straßen im inneren Grachtengürtel. Sie sind mit einem entsprechenden Schild markiert (siehe Foto).

Wie werden die nächsten Monate?
Ich glaube, der Sommer wird noch ganz gut laufen. Der Winter dürfte schwierig werden. Als touristisches Unternehmen leben wir von der Saison, man könnte sagen: Die Erträge des Sommers füttern uns durch den Winter. Jetzt sind wir schon im Sommer im Minus.

Unser Vorteil ist, dass wir klein sind und nicht so hohe Fixkosten haben. Ich bin positiv überrascht und dankbar, dass jetzt doch wieder so viele Leute kommen und unsere Touren buchen.

Es ist gerade aber auch wirklich die beste Zeit für eine Amsterdam-Reise. Es war noch nie so leer, gleichzeitig ist alles geöffnet, und sogar für das Anne-Frank-Haus (Museum und ehemaliges Versteck des Holocaustopfers, Anm. der Red.) kriegt man noch spontan Restkarten. Normalerweise sind immer lange Warteschlangen davor. Auch in Cafés und Restaurants kann man in diesen Tagen einfach hineinstolpern, ohne zu reservieren. Das gab es noch nie.

Hier finden Sie Infos über Urlaub in Holland zu Corona-Zeiten.

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