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Portrait

Darf´s auch etwas Spezieller sein?



Schnell – gründlich – günstig. Das Motto ist Programm bei der LKW-Service Pötzsch GmbH. Das Familienunternehmen in der 3. Generation setzt erfolgreich auf Spezialisierung. Neben Abschleppen und allen nur denkbaren Werkstatt-Services rund um Busse und Lkw ist der Familienbetrieb aus Sachsen als Nutzfahrzeugvermieter und Aufbautenhersteller erfolgreich.


In den frühen Morgenstunden des Juli 2014 schläft der Fahrer eines polnischen Doppelstockbusses ein. Das Fahrzeug durchbricht die Mittelleitplanken auf der A4 bei Dresden, prallt in den Gegenverkehr und stürzte etwa 10 Meter tief einen steilen Abhang hinunter. Die Bilanz: 10 Tote und über 66 Verletzte, davon 39 schwer. Die Bergung ist Millimeterarbeit unter Zeitdruck, denn niemand weiß, ob noch Menschen unter dem Fahrzeug begraben sind. Im Mobilkran sitzt Axel Fröhlich, Chef der LKW-Service Pötzsch GmbH in Dipplodiswalde. Alle Augen sind auf ihn gerichtet als er den Kran über dem steilen Abhang in Position bringt, um dem Bus zu heben. Ein handgeschriebener Dankesbrief des damaligen Ministerpräsidenten Kurt Biedenkopf hängt an der Wand hinter Axel Fröhlich und erinnert die dramatischen Minuten. Er und seine Frau Kathrin leiten heute den Familienbetrieb in der 3. Generation. „Ich war erleichtert, dass niemand darunter begraben war,“ sagt er. Die Bilder der Toten und Verletzten inmitten eines Lichtermeers der Einsatzfahrzeuge haben sich in sein Gedächtnis gebrannt. „Das vergisst man nicht“, sagt Fröhlich und ergänzt: Genauso wenig, wie das Gefühl, helfen zu können.


Abschleppen und Bergen können die Pötzsch´s aus dem sächsischen Dippoldiswalde. Seit fast 60 Jahren hat man so ziemlich alles am Haken, was man sich vorstellen kann. Zu DDR-Zeiten verläuft die für den Transit aus Ost-Europa in die DDR und in den Westen wichtige B170 und heutige Europastraße E 55 mitten durch die 10.000 Einwohner-Stadt zwischen dem ehemaligen Grenzübergang Zinnwald und Dresden am Fuß des Erzgebirges. „Später, in der verrückten Wendezeit, schlängelten sich bis zu 3.500 Lkw über die serpentinenreiche Gebirgsstrecke. Schwere Lkw- und Busunfälle durch Übermüdung und riskante Fahrmanöver sind an der Tagesordnung. Busse rammten Häuser und komplette Lkw-Fahrerhäuser standen in Wohnzimmern“, erzählt Fröhlich.


Ein Traktor mit Seilwinde

Sein Schwiegervater Klaus Pötzsch, der im väterlichen Bus- und Speditionsbetrieb mitarbeitet, legte vor 57 Jahren den Grundstein für den Werkstatt- und Abschleppdienstleister. 1960, nur ein Jahr vor dem Bau der Mauer, kauft er einen Traktor mit Seilwinde und schleppt damit ab. Als Urlaub in Ungarn Mode wird, expandiert der Abschleppdienst Pötzsch. Bis zur Wende boomt der Rückholdienst für gestrandete Urlauber, die auf ihrem Weg vom oder zum Ballaton liegengeblieben waren. Pötzsch ist bekannt dafür im ganzen Osten. Zwei- bis dreimal Mal täglich gehen Touren aus dem 170 km entfernten Prag nach Ost-Berlin, Magdeburg oder Rostock. Speziell ist nicht nur das Geschäft, sondern auch das Gerät. Was nicht passt wird passend gemacht. Mal baut der Seniorchef eine Schiffswinde in einen Pritschen-Lkw ein, mal ein altes DDR-Militärfahrzeug zum Bergefahrzeug um.


Als die Mauer fällt, zögert der Unternehmer nicht lange und ruft kurzerhand beim ADAC in München an. „Er stellt sich vor und fragte nach, ob man dort nicht einen zuverlässigen und flexiblen Werkstattpartner in Sachsen gebrauchen könne. Die Initiative kommt an und Pötzsch wird der erste ADAC Mobilitätspartner nach der Wende. Moderne Abschleppfahrzeuge aus dem Westen vereinfachen das Geschäft und das Unternehmen wächst. Schnell boomt das Abschleppgeschäft auch im Nutzfahrzeugbereich und Pötzsch wird ADAC TruckService Partner.


Doch Pötzsch will mehr als Abschleppen. Er erkennt das Potenzial des aufkommenden Straßengüterverkehrs und expandiert Anfang der 90er Jahre in den Nutzfahrzeugsektor. Als er 1992 eine alte Buswerkstatt erwirbt, wird er MAN- und Neoplan Servicepartner. Wenig später investiert er drei Millionen Mark in eine moderne Lkw-Werkstatt im neuen Gewerbegebiet nahe Dippoldiswalde. 1995 übernimmt das Duo Pötzsch-Fröhlich und expandiert im 17 km entfernten Freital. Das Ehepaar baut Stück für Stück jede nur denkbare Serviceleistung rund um Lkw und Busse auf und wird Dekra-Prüfstelle und Wabco-Vertragspartner. Hinzu kommen Reifenservice, Services für Klimaanlagen und Standheizungen, Fahrtenschreiber, Ladekräne, Ladebordwände und vieles mehr. Nach und nach folgen Partnerschaften mit Iveco, Iveco Bus, VDL Bus & Coach, Solaris, Palfinger, Hyva, Kamag und Multicar.


Heute beschäftigt der Mittelständler rund 50 Mitarbeiter an den drei Standorten Dippoldiswalde, Freital und Wilsdruff. Zwei schwere Berge-Lkw, einen Terex-Mobilkran, drei mobile Werkstattwagen und acht weitere Abschleppfahrzeuge mit Plateau und Kran sowie Hubbrille stehen im Fuhrpark.


Spedition, Abschlepper, Vermieter und Nutzfahrzeughersteller
Die Zukunft sieht Fröhlich in der Vermietung von Lkw-Spezialfahrzeugen: „0815-Sattelzüge gibt es anderswo, bei Pötzsch gibt es alles mit Allrad, Kran oder Kipper.“ Der Erfolg gibt ihm recht. Von überall her kommt die Kundschaft mittlerweile, um sich im Spezialfuhrpark des Business Fleet Services-Partners zu bedienen.


Dass dort auch in Zukunft Ausgefallenes zu finden sein wird, dafür sorgt das neueste Geschäftsfeld. 2016 ist Fröhlich unter die Aufbauhersteller gegangen und produziert selbst Spezialaufbauten für Abschleppfahrzeuge. Während andere auf immer größere Bergefahrzeuge setzen, hat er schon die nächste Spezialität gefunden: Die Hubbrillenklasse. Ein kleines, aber technisch optimal ausgestattetes Abschleppauto ist oft die bessere Lösung“, weiß er aus Erfahrung und ergänzt: flexibler, schneller, günstiger und vor allem gibt es Fahrer dafür. „Viele wollen Abschleppfahrer werden, aber kaum einer hat die Fahrerlaubnis für die großen Bergefahrzeuge.“

Bildnachweis: Poetzsch


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