DruckenPDF

Ratgeber

Sicher bremsen und lenken



Die Polizeibeamten staunten nicht schlecht. Sie waren alarmiert worden, weil ein Sattelzug auf der A23 bei Tornesch Schlangenlinien fuhr. Die Streifenwagenbesatzung stoppte den Lkw und überprüfte die Verkehrstauglichkeit des 27-jährigen Fahrers. Doch der Mann erwies sich als stocknüchtern. In weniger gutem Zustand war allerdings sein mit 25 Tonnen Papier beladener Auflieger.


Die Ermittlungen der Polizei ergaben: Der Fahrer hatte beim Beladen des Aufliegers eine blockierte Bremse an der mittleren Achse festgestellt. Das Problem wollte er auf ungewöhnliche Weise beheben. Er band die Achse mit Spanngurten hoch und setzte seine Fahrt in Richtung Hamburg mit dem Ziel Polen fort. Die beiden verbliebenen Achsen des Aufliegers mussten das gesamte Gewicht tragen und die entsprechende Bremskraft aufbringen.

So dramatisch geht es bei Schäden an Fahrwerk und Bremse nicht immer zu. Aber dennoch ist es für die Pannenhelfer des ADAC TruckService Tagesgeschäft, den Fahrern von Lkw beizustehen, die mit solchen Defekten liegen geblieben sind. Schäden an Bremsen und Fahrwerk sind zwar selten, dafür aber brandgefährlich. Sie lassen sich meist durch gewissenhafte Wartung und aufmerksame Fahrer verhindern.

Häufige Ursachen

Bremsen werden zu lange gefahren: In der Scheibenbremse bilden sich durch die Abnutzung Risse. Im Extremfall kann die Bremse sogar auseinanderfallen. Oder die Bremsbeläge schieben sich übereinander und verkeilen in der Bremsanlage mit der Folge, dass das Rad blockiert. Dieser Schaden tritt häufig am Auflieger auf, wo er länger unbemerkt bleibt, wodurch es wiederum zu Folgeschäden an Bereifung oder Achse kommen kann.

Bremsschläuche werden abgerissen oder verlieren Luft. Auch hier ist in der Regel der Auflieger betroffen, da die Schäden am ehesten beim An- und Abkoppeln passieren. Im Bereich der Feststellbremse kann es passieren, dass der Federspeicherzylinder über ein defektes Ventil Luft verliert.

Wasser im Bremssystem.
Feuchtigkeit im Druckluft-Bremssystem ist sehr gefährlich, denn das Wasser kann im Winter einfrieren oder die Funktion der Bremse durch Korrosion stören. Die Fahrer können dies an den Entwässerungsventilen des Vorratsbehälters kontrollieren. Bei Fahrzeugen mit Lufttrocknern deutet Wasser im Vorratsbehälter darauf hin, dass die Kartusche entweder defekt oder verbraucht ist.

Defekter Luftbalg: Defekte Luftbälge sind oft ein Folgeschaden von Reifendefekten.

Radlagerschäden durch extreme Fahrmanöver: Wer den Auflieger auf engstem Raum drehen will, der setzt die Radlager einer extremen Belastung aus und zerstört sie unter Umständen. Auch das Überfahren von Bordsteinen kann Defekte an Radlagern verursachen. Verschlissener Achsstumpf. Dieser besonders teure Schaden hat oft eine triviale Ursache. Beim Reifenwechsel müssen die Radmuttern nach maximal 100 Kilometern nachgezogen werden. Wird das vergessen, kommt es zum Abrieb und im Endeffekt zu einem verschlissenen Achsstumpf.

Richtig reagieren

Mit Schäden an der Bremse oder an der Achse ist nicht zu spaßen. Bei Auffälligkeiten auf keinen Fall die Fahrt fortsetzen, da das Unfallrisiko hoch ist. Im eingangs geschilderten Fall hätte der Auflieger umkippen oder bei einem Bremsmanöver völlig außer Kontrolle geraten können. Erhärtet sich der Verdacht, sollte der ADAC TruckService gerufen werden. Wichtig: Den Mitarbeitern in der Disposition des Pannenhilfsdienstes das Problem genau schildern, damit die Pannenhelfer bestmöglich vorbereitet zum Fahrzeug kommen können.

Reparatur und Kosten

• Eine neue Achse für einen Auflieger kostet allein an Material zwischen 3.000 und 4.000 Euro. Für den Einbau sind sechs bis acht Stunden zu veranschlagen. Dazu kommen Abschleppkosten.
• Luftfederbälge kosten zwischen 200 und 1.400 Euro. Sie sind mittlerweile gut verfügbar, dennoch kann es drei bis vier Stunden dauern, bis der Lkw wieder fährt.
• Für den Austausch einer Scheibenbremse werden 300 bis 1.500 Euro an Material und rund drei Stunden Arbeitszeit fällig.
• Eine Kartusche für den Lufttrockner kostet zwischen 20 und 40 Euro.
• Der Austausch eines Radlagers schlägt mit 100 bis 200 Euro für Material und zwei Stunden Arbeitszeit zu Buche.

Prävention

Wer gut schmiert: Eigentlich steht das Abschmieren diverser beweglicher Fahrzeugteile im Wartungsplan. Die Praxis zeigt jedoch, dass es mitunter vergessen wird. Dies beschleunigt die Schäden an Achsen, Lagern und anderen beweglichen Teilen.
Auf den Fahrstil achten: Wendemanöver im engsten Radius sind ebenso Gift für die Radlager wie das sportliche Überfahren von Bordsteinen.
Sorgfältige Abfahrtskontrolle: Die Bremsprobe gehört beim Anfahren dazu. Gelegentlich mit einer Taschenlampe in die Bremsbeläge leuchten, um Risse insbesondere in den Scheibenbremsen festzustellen. Sind Risse bis zu zwei Drittel des Durchmessers der Bremsscheibe lang oder gehen gar zur Lüftung durch, umgehend eine Werkstatt aufsuchen. Die Dicke der Bremsscheibe liegt neu nahezu bei 40 mm und darf 35 mm nicht unterschreiten. Prüfen, ob Wasser im Vorratsbehälter ist. Achtung: Bei defekten Bremsen droht ein Bußgeldbescheid nebst Eintrag ins Verkehrsregister.
Auf Temperaturunterschiede achten: Temperaturunterschiede an den einzelnen Rädern deuten auf eine unterschiedliche Bremsleistung hin und bedürfen einer Abklärung durch die Werkstatt.
Radmuttern nachziehen: Rund 50 bis 100 Fahrtkilometer nach einem Reifenwechsel die Radmuttern nachziehen lassen.

Pannenstellen richtig absichern
1. Warnblinklicht anschalten.
2. Wenn möglich auf den Standstreifen oder Haltebucht fahren.
3. Motor abstellen und Räder nach rechts einschlagen.
4. Polizei informieren: 110
5. Warnweste anlegen.
6. Das Fahrzeug auf der rechten Seite (Beifahrerseite) verlassen.
7. Warndreiecke vor dem Pannenort aufstellen. Tipp: Warndreiecke werden häufig am Pannenort vergessen. Legen Sie als Gedächtnisstütze die Hüllen auf den Fahrersitz.
8. Pannenort mit Leitkegel und Warnleuchten absichern.
9. Informieren Sie sich so genau wie möglich über Ihren aktuellen Standort. Tipp: Hilfreiche Informationen hierzu finden Sie auf den kleinen blau-weißen km-Tafeln (alle 500 Meter), an den Notrufsäulen, an den Stationszeichen im Grünstreifen oder an der Leitplanke.
10. Pannennotruf absetzen per Handy oder Notrufsäule.
Tipp: Zur nächsten Notrufsäule folgen Sie den schwarzen Pfeilen auf den Leitpfosten.
11. Warten Sie hinter der Leitplanke auf Hilfe.

Bildnachweis: ADAC TruckService

Ihre Nummer für alle Pannen: 0800 524 8000



weiter zum nächsten Artikel
zurück zum letzten Artikel



– Mitgliedschaft –

Mitgliederrabatte

Zeigen Sie Ihre ADAC Clubkarte und profitieren Sie weltweit von zahlreichen attraktiven Ermäßigungen für ADAC Mitglieder. Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität