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Ratgeber

Lkw-Brände: Cool bleiben, wenn es heiß wird

 

Lkw-Brände können viele Ursachen haben. Eine Regel gilt für alle: Bricht ein Feuer im Auflieger oder im Zugfahrzeug aus, hilft vor allem ein kühler Kopf, um größeren Schaden für Fahrer, Fahrzeug, Ladung und andere Verkehrsteilnehmer abzuwenden.


Immer wieder sorgen brennende Lkw für Schlagzeilen und dramatische Bilder quer durch die Republik. Anfang Juli ging am Irschenberg ein Laster infolge eines Motorschadens lichterloh in Flammen auf. Der Schaden lag bei 200.000 Euro. Nur wenige Tage zuvor brannte im baden-württembergischen Neresheim ein mit Shampoo beladener Lkw völlig aus. Durch die starke Hitzeentwicklung wurden Autos, Gebäude und der Asphalt so schwer beschädigt, dass die Ortsdurchfahrt tagelang gesperrt werden musste. Allein im Februar dieses Jahres brannten Lkw unter anderen auf der A8 zwischen Adelsried und Zusmarshausen, der A46 bei Haan, der A4 bei Dresden, der A3 bei Limburg oder A9 bei Niemegk. Bei Würzburg verursachte ein brennender Tiefkühllaster eine Vollsperrung auf der A3, nur wenig später brannte auf einem Parkplatz im Landkreis Rosenheim ein Truck lichterloh und auch auf der Bundesstraße 76 bei Eckernförde ging nach einem Lkw-Brand nichts mehr.


Lkw-Brände gehören zu den gefährlichsten Verkehrsereignissen. Durch Hitze und starke Rauchentwicklung droht auch dann Gefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer, wenn der Lastzug kein Gefahrgut geladen hat.  
Wartung und aufmerksames Fahren können ein Feuer an Bord oft verhindern. Kommt es dennoch zum Schlimmsten, kann nur eine schnelle und richtige Reaktion den Schaden minimieren. 


Ursachen von Lkw-Bränden
Lkw-Brände haben vielfältige Ursachen. Sie reichen von technischen Defekten bis zu Fahrlässigkeit des Lkw-Lenkers. 


Reifenbrände: Ein wesentlicher Grund ist das Fahren mit zu niedrigem Luftdruck. Der Rollwiderstand, und damit die Abnutzung erhöhen sich. Insbesondere bei hohen Asphalttemperaturen im Sommer werden die Reifen weich, ihre Auflagefläche vergrößert sich, sie verschleißen schneller, überhitzen und können im schlimmsten Fall Feuer fangen. Die Ursache von Reifenbränden ist oft auch ein Radlagerschaden oder eine festsitzende Bremse am Auflieger. Der Rollwiderstand steigt, der Reifen überhitzt und fängt Feuer. 


Brände im Motorraum: Vereinfacht gesagt, entsteht ein Brand im Motorraum dadurch, dass brennbare Betriebsflüssigkeiten wie Motoröl austreten und sich an heißen Metallteilen entzünden. Undichte Leitungen oder Ventile sind mögliche Schwachstellen. Auch beim Platzer eines Turboladers tritt in der Regel Öl aus, das sich leicht entzünden kann. 


Kabelbrände/Elektronik: Kabelbrände entstehen, wenn zwei stromführende Kabel sich berühren und es zu einem Kurzschluss kommt. Auch Überlastung der Kabelbäume kann ein Brandauslöser sein – beispielsweise durch den Anschluss zusätzlicher Geräte an die Fahrzeugelektronik.  


Fahrlässigkeit: Der Klassiker ist die achtlos aus dem Fenster des Fahrerhauses geschnippte Zigarettenkippe, die durch den Fahrtwind doch wieder im Cockpit landet. Auch die Verwendung von Gaskochern im Fahrerhaus gehört zu den vermeidbaren Fehlern, ebenso wie die Überlastung des Bordnetzes durch unsachgemäß eingebaute Elektrogeräte. 


Ladungsbrand: Dies ist in der Regel ein Fall für Gefahrgutprofis. Besonders gefährlich können Güter der Klasse 4.2 – (Selbstentzündliche Stoffe) werden. Es handelt sich dabei um flüssige oder feste Stoffe, Mischungen und Lösungen, die sich schon in kleinen Mengen beim Kontakt mit Luft innerhalb von fünf Minuten entzünden. Dazu kommen Stoffe und Gegenstände, Mischungen und Lösungen, die bei Kontakt mit Luft selbsterhitzungsfähig sind. Sie können sich nur in größeren Mengen (mehrere Kilogramm) und nach längeren Zeiträumen (Stunden oder Tagen) entzünden. Beispiele sind Weißer Phosphor, Kohle (pflanzlichen Ursprungs), Fischmehl oder Firnisse. Zahlreiche Chemikalien entzünden sich auch bei Kontakt mit Wasser.  Davon abgesehen ist die Ladung in den seltensten Fällen die eigentliche Brandursache, sondern führt eher zur Ausbreitung eines durch andere Faktoren verursachten Brandes. 


Richtig reagieren bei Lkw-Bränden
Bricht trotz aller Vorsichtsmaßnahmen ein Feuer am Lkw aus, entscheidet die richtige Reaktion des Fahrers darüber, wie gefährlich es werden kann. Bemerkt der Fahrer einen Brand, dann gilt: Anhalten des Fahrzeugs am Straßenrand, Selbstrettung, gegebenenfalls Bergung von Verletzten, Alarmieren der Feuerwehr, Absichern der Unfallstelle. 


Brandstelle absichern: Wie bei normalen Unfällen oder Pannen muss die Brandstelle mit einem Warndreieck abgesichert werden. Hierbei können auch andere Verkehrsteilnehmer helfen. Es ist bei der ersten Qualmentwicklung selten nötig das Fahrzeug abrupt zu stoppen und mitten auf der Straße stehen zu lassen. Bei einem Brand im Motorraum dauert es rund fünf Minuten, bis sich die Flammen ins Fahrerhaus ausgebreitet haben. Ein sichereres Anhalten am Straßenrand oder auf dem Pannenstreifen ist in den meisten Fällen möglich.
Generell gilt: So früh wie möglich die Feuerwehr alarmieren oder alarmieren lassen. Die Leitzentrale wird durch einen strukturierten Fragenkatalog alle Informationen anfordern, die für die Brandbekämpfung benötigt werden: Wichtig ist eine genaue Beschreibung der Fahrzeugposition, auf Autobahnen ist die Fahrrichtung wichtig. Informationen zur Ladung sollte der Fahrer ebenfalls parat haben, vor allem wenn es sich um Gefahrgut handelt (Unfallblätter griffbereit halten). Die Feuerwehr benötigt diese Information nicht nur aus Sicherheitsgründen, sondern auch um das optimale Löschmittel einzusetzen. 


Löschversuche: Auf den ersten Blick scheint die Vorgehensweise bei einem Lkw-Brand nahezu standardisiert. Doch Gespräche mit Brandschutzexperten zeigen, dass von Fall zu Fall ganz unterschiedliche Vorgehensweisen ratsam sind.  


Beispiel Reifenbrand: Fängt ein Reifen Feuer, liegt die Reaktion im Ermessen des Fahrers. Hält der Fahrer sofort an, greift mit hoher Wahrscheinlichkeit das Feuer auf den Auflieger oder die Zugmaschine über und der Lkw brennt vollständig aus. Der ADAC TruckService rät, beherzt auf dem Standstreifen weiter zu fahren, bis sich der brennende Pneu von der Felge gelöst hat – im Schritttempo bei brennendem Vorderreifen. Danach Fahrzeug auf dem Standstreifen abstellen, Sattelzugmaschine abkoppeln und circa 20 Meter entfernt abstellen. Hat der Auflieger im hinteren Teil jedoch bereits Feuer gefangen, kann es Sinn machen ihn abzukoppeln, vorausgesetzt der Fahrer gefährdet sich damit nicht selbst. 


Häufige Fehler beim Löschen: Die meisten Fehler werden bei eigenen Löschversuchen gemacht. Richtig ist: In kurzen Stößen das Feuer von unten nach oben zu bekämpfen – also nicht unkontrolliert den gesamten Inhalt des Feuerlöschers in einem Stoß in die Flammen zu entleeren. Besonders wichtig ist es, mit der Windrichtung zu löschen, um sich nicht giftigen Rauchgasen auszusetzen. Den Umgang mit Feuerlöschgeräten kann und sollte man als Berufskraftfahrer regelmäßig trainieren. Auf die Logistikbranche spezialisierte Seminaranbieter und Brandschutzfirmen haben bundesweit entsprechende Kurse im Programm.


Wie man Lkw-Bränden vorbeugen kann
Mit vorausschauender Wartung lässt sich das Risiko für Fahrzeugbrände deutlich minimieren.
 
Lkw-Präventionsservices nutzen: Ob Reifen, Bremsen oder Kühlaggregat Sensoren registrieren heute fast alles, was im Lkw oder Trailer geschieht. Der ADAC TruckService verfügt über eine digitale Ferndiagnose, die Daten aus allen Telematiksystemen analysieren und damit auch Brände verhindern kann.  


Für die Fahrer gilt: Äußerste Vorsicht mit offenem Feuer und Zigaretten im Umkreis des Fahrzeugs. Elektronikbrände werden oft durch unsachgemäße Installationen wie Kaffeemaschinen oder Wasserkochern in der Fahrerkabine verursacht. Auch kleine Installationen sind eine Sache für Werkstattprofis. Eine sorgfältige Abfahrtskontrolle vermindert die Brandrisiken: Stimmt der Reifendruck? Gibt es Anzeichen für festsitzende Bremsen? Fallen Scheuerstellen an Kabeln auf? Ist eine Felge heißer als normal, kann das auf ein Problem mit dem Radlager oder der Bremse hindeuten, das sich zu einem Lkw-Brand auswachsen kann. Last but not least: Brände im Motorraum oder das Platzen eines Turboladers kündigen sich vorher durch Geräusche oder das Fahrverhalten an. Aufmerksam sein, einen Parkplatz oder den Seitenstreifen ansteuern – und den Pannendienst alarmieren. 


Für Unternehmer gilt: Das Fahrzeug gemäß den Vorgaben warten lassen. Die Brandursache „Reifenschaden“ lässt sich durch rechtzeitiges Wechseln der Pneus und den richtigen Luftdruck fast immer vermeiden. Die Fahrer sollten in diesen Punkten unbedingt sensibilisiert werden. Auch Ölwechsel nach Herstellervorgaben und Wartungen von Bremsen und Fahrwerk mindern das Risiko. Last but not least: Das Verhalten im Brandfall lässt sich trainieren. Wer als Arbeitgeber solche
Trainings bezahlt, schützt das Leben seiner Fahrer und anderer Verkehrsteilnehmer, aber auch das eigene Fahrzeug und die Ladung.


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