DruckenPDF

Interview

„Der Anfang vom Ende des Lkw-Parkplatzmangels“


Laut Bundesverkehrsministerium fehlen 14.000 Lkw-Stellplätze in Deutschland. Das ließe sich ganz einfach ändern, meint Dr. Jan-Philipp Weers, Head of Bosch Secure Truck Parking. Wie, sagt der Bosch-Manager im Interview mit der TRUCKtuell-Redaktion.


Ihre neue Buchungsplattform „Bosch Secure Truck Parking“ hilft bestimmt, den knappen Bestand an Lkw Parkplätzen besser zu nutzen. Damit allein schaffen Sie aber noch keine neuen Stellplätze. 

Das ist zunächst einmal richtig. Als wir mit dem Projekt gestartet sind, ging es tatsächlich darum, den knappen Bestand an Parkplätzen effizienter zu nutzen, indem wir die Information ins Fahrerhaus bringen, wo noch Stellplätze zur Verfügung stehen inklusive der Möglichkeit, sichere Parkplätze zu reservieren. Es ist dann sehr schnell klar geworden, dass Speditionen natürlich alle selbst Parkflächen für eigene Lkw vorhalten, die wiederum ungenutzt sind, wenn die Flotte unterwegs ist.


Würden alle Firmen ihre autobahnnahen Parkareale und Speditionshöfe für den Lkw-Fernverkehr zur Verfügung stellen, gäbe es also keinen Lkw-Parkplatzmangel? 

Teilweise helfen sich die Speditionen schon heute gegenseitig mit Stellplätzen aus. Ich bin überzeugt davon, dass wir mit dem Sharing-Economy-Ansatz schon bald nicht mehr über Lkw-Parkplatzprobleme sprechen würden.


Sharing Economy bedeutet, ein Geschäftsmodell auf der Basis des Teilens aufzubauen ... 

… richtig! So können Sie die geteilte Nutzung von ganz oder teilweise ungenutzten Ressourcen ermöglichen, und alle Beteiligten profitieren davon. Wenn es gelingt, Parkraum zu schaffen, ohne neue Parkplätze bauen zu müssen, wäre dies unter zeitlichen, finanziellen und umweltpolitischen Erwägungen der Königsweg und der Anfang vom Ende des Parkplatzmangels. In anderen Branchen funktioniert das bereits bestens.


Was macht Sie so sicher, dass die Logistikbranche beim Teilen mitmacht? 

Sie können entlang deutscher Autobahnen jeden Abend beobachten, was es bedeutet, wenn 14.000 Lkw-Parkplätze fehlen. 14.000 Lkw-Fahrer suchen dann nämlich vergeblich einen vernünftigen Stellplatz mit den allen bekannten Folgeproblemen wie Verstöße gegen Lenk- und Ruhezeiten, unnötiger Parkplatzsuchverkehr, höhere Spritverbräuche und CO2-Emissionen. In der Not sind viele Lkw-Fahrer gezwungen, verkehrswidrig zu parken. Das schadet dem Image der gesamten Logistik. Und es ist erst die Spitze des Eisberges, denn der Parkplatzmangel wird noch weiter zunehmen. Das sind, wie ich meine, erstklassige Argumente, warum der ADAC TruckService und wir dafür werben, vorhandene Stellflächen in Autobahnnähe für den Lkw-Fernverkehr zu öffnen.


Was hat der einzelne Spediteur davon, wenn er seine Flächen als Parkplatz zur Verfügung stellt? 

Ein großer Vorteil ist, dass Speditionen ihre vorhandene Infrastruktur monetarisieren können. Sie erzielen Einnahmen aus Parkplatzgebühren zwischen 5 und 35 Euro für eine Nacht, mit denen sie zum Beispiel die eigenen Ausgaben für das Parken gegenfinanzieren könnten. Für unsere Kunden ist es trotzdem weniger ein Thema des Geldverdienens. Es geht darum, sich gegenseitig zu unterstützen, um ein Problem zu lösen, das alle gleichermaßen haben. Die Logistik sollte hier nicht nur auf den Staat warten, sondern selbst aktiv werden und das Parkplatzproblem aus eigener Kraft lösen.


Bezahltes Parken für Lkw ist kein Standard in Deutschland. Speditionen erwarten einen kostenfreien Stellplatz. Werden die Unternehmen Geld fürs Parken bezahlen? 

Niemand zahlt gerne Parkgebühren, und gerade Speditionen müssen mit einem sehr spitzen Bleistift rechnen, wenn sie konkurrenzfähig bleiben möchten. Aber langfristig wird es sich tatsächlich auszahlen, denn mehr Parkplätze bedeuten weniger Unfälle, weniger Frachtdiebstähle und Überfälle, weniger Parkplatzsuchverkehr, dafür aber mehr Sicherheit und Effizienz. Und die Fahrer können ohne Stress einen sicheren Parkplatz ansteuern. Zudem achten mehr und mehr Verlader darauf, wo die Logistikpartner ihre Waren zwischenparken.


Und was macht Sie so sicher, dass Fahrer Ihre Plattform nutzen werden? 

Es ist doch heute gar nicht mehr vorstellbar, dass jemand, der ein Hotelzimmer sucht, von einem Hotel zum anderen fährt und fragt, ob noch ein Zimmer frei ist, statt online zu buchen. Was heute bei Hotels und Flügen selbstverständlich ist, wird bald auch bei Lkw-Stellplätzen Standard sein.


Gibt es bereits Speditionen, die mitmachen?

Das Secure-Truck-Parking-Konzept haben wir sogar gemeinsam mit der Spedition Gebrüder Weiss entwickelt. Das Unternehmen hat das erste Areal mit zehn Stellplätzen in Maria Lanzendorf bei Wien an unsere Plattform angeschlossen. Auch wir bei Bosch machen übrigens mit. Wir haben unser eigenes Firmenareal in Karlsruhe an der A5 für den Lkw-Fernverkehr geöffnet. Dort können jetzt in den Abendstunden und am Wochenende Lkw auf dem dann leeren Mitarbeiterparkplatz parken.

Warum eigentlich „Secure“?

Wir setzen bei der Sicherheit an, konkret bei Planungssicherheit und der Sicherheit für Fahrer und Fracht. Planungssicherheit schaffen wir, indem wir die Belegzustände in Echtzeit erfassen und Parkplätze reservierbar machen. Mit unserer Sicherheitstechnologie können wir aber auch Frachtdiebstahl verhindern. Sie dürfen nicht vergessen, dass Frachtdiebstahl eines der großen ungelösten Probleme in der Logistik ist. Der volkswirtschaftliche Gesamtschaden durch Diebstähle aus parkenden Lkw beträgt jedes Jahr in der EU immerhin über 16 Milliarden Euro.


Welche Areale sind geeignet?

Wir suchen nach Arealen, die entweder über eine Schranke, ein Rolltor oder über einen Werkschutz verfügen. In erster Linie also Speditionshöfe, aber jedes zugangsbeschränkte Firmenareal in unmittelbarer Autobahnnähe mit Lkw-tauglichem Untergrund, sanitären Einrichtungen und mindestens fünf Stellplätzen ist geeignet. Es sollten Toiletten und idealerweise eine Dusche vorhanden sein. Ein Zaun ist nicht zwingend erforderlich.


Wie aufwändig ist es, ein Areal sicher zu machen?

Das Secure-Truck-Parking-Konzept haben wir sogar gemeinsam mit der Spedition Gebrüder Weiss entwickelt. Das Unternehmen hat das erste Areal mit zehn Stellplätzen in Maria Lanzendorf bei Wien an unsere Plattform angeschlossen. Auch wir bei Bosch machen übrigens mit. Wir haben unser eigenes Firmenareal in Karlsruhe an der A5 für den Lkw-Fernverkehr geöffnet. Dort können jetzt in den Abendstunden und am Wochenende Lkw auf dem dann leeren Mitarbeiterparkplatz parken.


Bleibt die wichtigste Frage: Was muss man tun, um ein Bosch-Secure-Truck-Parking-Platz zu werden?

Ganz einfach: Der ADAC ist erster Ansprechpartner für alle Unternehmen, die einen Parkplatz anbieten wollen. Die Nummer lautet: +49(0)7333 808-174.


weiter zum nächsten Artikel
zurück zum letzten Artikel



– Mitgliedschaft –

Mitgliederrabatte

Zeigen Sie Ihre ADAC Clubkarte und profitieren Sie weltweit von zahlreichen attraktiven Ermäßigungen für ADAC Mitglieder. Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität