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Eine Idee für Europa


Wo immer in Europa Lkw liegen bleiben, Europe Net ist vor Ort. Die ADAC Truckservice-Tochter bietet in mittlerweile in 39 Ländern Europas und 24 Sprachen Pannenhilfe für den kommerziellen Nutzfahrzeugsektor sowie Mobilitäts- und Serviceprogramme für die Industrie. Über die Anfänge vor 30 Jahren sprach die Redaktion mit dem ADAC Truckservice- und EN-Gründer sowie langjährigen Geschäftsführer, Wolfgang Wais (70).


Können Sie sich noch an Ihren ersten Notruf erinnern?
Sehr gut sogar (lacht). Den Anruf habe 1982 mitten in der Nacht in meinem Schlafzimmer angenommen. Wir hatten gerade den ADAC Truckservice gegründet (damals: Lkw-Service-Kraftfahrzeuge GmbH, später Service24) und gerade mal einen Anruf pro Woche. Nach wenigen Wochen waren es schon zwei am Tag. Im darauffolgenden Winter saß ich Tag und Nacht am Telefon, um die Notrufe zu bewältigen. Im Nachhinein könnte man sagen, dieser Winter war der Durchbruch der Nutzfahrzeugpannenhilfe.


Wie kamen Sie auf die Idee, Europe Net aufzubauen?
Kurz nach der Gründung des ADAC Truckservice kamen Notrufe von deutschen Fahrern aus dem Ausland bei uns an. Damals arbeiteten wir lose mit anderen nationalen Pannendiensten vor allem im Österreich und Belgien zusammen. Die Pannenabwicklung war zum Teil chaotisch und die Preiskalkulation in den verschiedenen Währungen ein Riesenproblem. Mir war schnell klar, dass wir eine europaweite Pannenhilfeorganisation nach einem Standard, mit einer Notrufnummer und einem Preiskonzept für die Hilfevermittlung brauchen. Sechs Jahre später war 1988 die Geburtsstunde der Europe Net SA in Luxemburg.


Warum Luxemburg?
Alle EN-Partner waren selbstständige Notrufzentralen, und Neutralität war entscheidend. Wir wollten jede Art Bevorzugung eines Landes vermeiden. Deshalb fiel die Wahl auf Luxemburg.


Was war die größte Herausforderung bei der Gründung?
Wir haben uns natürlich über die künftige Struktur erst einmal die Köpfe heißgeredet. Jedes Land hatte seine eigenen Vorstellungen in puncto Rechtsform und Firmenanteile. Einige EN-Gründungspartner wollten eine Genossenschaft, andere eine GmbH. Erschwerend hinzu kam, dass mein Schwäbisch definitiv besser ist, als mein Englisch (lacht). Die Kommunikation war tatsächlich eine Riesenhürde. Wenn man die Geschichte der EU nimmt und EU durch EN ersetzt, dann hat man einen wunderbaren Bericht über die Entstehung der Europe Net (lacht laut).


Wie schwer war es, EN zum Leben zu erwecken?
Wir haben dafür gekämpft. Heute macht man einen Internetaufruf, vor 30 Jahren haben wir Klinken geputzt. Wir haben mit null Mark angefangen und waren in ganz Europa unterwegs, um die Idee anzuschieben.


Wie hat der Markt reagiert?
Viele haben uns anfangs für verrückt erklärt und gesagt, dass es völlig unmöglich sei, einen flächendeckenden Pannenservice in Europa für so vielen Fahrzeugtypen anzubieten. Das hat uns sogar noch angespornt. Wir wollten den Menschen einfach das Bewusstsein mitgeben, dass Europe Net für Werkstätten, nationale Pannendienste, die Industrie und die Logistikbranche ein großer Schritt nach vorne ist.


Hat es funktioniert?
Natürlich gab es bei einem so großen Vorhaben auch Enttäuschungen, aber die Akteure haben die Vorteile erkannt. So haben wir nicht nur ein engmaschiges Werkstatt- und Reifennetzwerk aufgebaut, sondern auch unsere späteren Kunden begeistert. Iveco war einer der ersten. 1983 kam MAN dazu, dann Kässbohrer, Volvo, Vergölst und Scania – zuerst in Deutschland und nach und nach folgte die Erweiterung auf andere Länder.


Wie haben Sie in den 80ern ganz praktisch betrachtet ein so komplexes Netzwerk ganz ohne Internet organisiert?
Wenn in einem EN-Partnerland der Notruf gewählt wurde, musste die Pannenhilfe, aber auch die Rechnungsabwicklung, so schnell wie möglich länderübergreifend koordiniert werden. Internet oder E-Mail war damals nicht überall verfügbar, also haben wir Fax, Telefon und Telex genutzt. Das war unglaublich aufwändig und deshalb hatten wir immer ein Auge auf neue Technologien. Der erste Computer für die Rechnungsabwicklung kostete uns 13.000 Mark. Wir haben lange überlegt, ob wir uns diese für damalige Verhältnisse unglaubliche Summe leisten können. Es hat sich gelohnt.


Können Sie sich noch an die erste Auslandspanne erinnern?
Das war großes Kino. Wir haben komplett rotiert, um einen Volvo eines Spediteurs in den österreichischen Bergen wieder flott zu bekommen. Unser erster Europaauftrag sollte schließlich perfekt sein.


In den 90ern ging es dann steil bergauf...
Ja, und damit brauchten wir letztlich auch eine 100 Prozent zuverlässige Organisation. Es konnte nicht mehr alles an mir hängen. Wir haben uns neu aufgestellt, und es kamen Abteilungen für Marketing und Vertrieb, der kaufmännische Bereich, Personal und Verträge dazu. Anfangs saßen alle hier in Laichingen in einem großen Büro. Nicht weil wir keinen Platz gehabt hätten, sondern weil es entscheidend war, dass jeder von jedem alles mitbekommt. Dieser kurze Draht war eindeutig ein Erfolgsfaktor.


Stichwort Erfolgsfaktor. Welchen Rat geben Sie der EN für die nächsten 30 Jahre mit auf den Weg?
Die Pannendienste der Länder müssen weiter an einem Strang ziehen und die neuesten technologischen Möglichkeiten nutzen. Nur gemeinsam sind sie auch in Zukunft erfolgreich. Wir hatten damals eine Idee, waren begeistert, und wir haben es geschafft. Diese Begeisterung muss man den Menschen auch wieder stärker mitgeben, sie einbinden und motivieren, ihnen Freiheiten und Selbstständigkeit zugestehen. Dann ist EN unschlagbar.



Europe Net ist eine Tochter des ADAC Truckservice. Das Unternehmen wurde 1988 gegründet und bietet in 39 Ländern Europas und 24 Sprachen Pannenhilfe für den kommerziellen Nutzfahrzeugsektor sowie Mobilitäts- und Serviceprogramme für die Industrie. Herzstück des Qualitätsnetzwerks sind 15 regionale Service Provider.


Foto: Europe Net


Gebührenfreier EN-Pannennotruf: 00800 8432 8432


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