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Ratgeber

ADAC TruckService-Wintertipps für Fahrer und Fuhrpark



Mit der kalten Jahreszeit beginnt die heiße Phase beim ADAC TruckService. Schnee und Eis machen es den Fahrern schwer und es ist doppelte Vorsicht geboten. Wenn der Winter richtig Gas gibt, ist die Bereifung das A und O. Welche neuen Winterreifenregeln ab 2018 für Lkw gelten und die besten Tipps, wie man die Klassiker unter den Winterpannen vermeidet.


Bei Glätte, Schnee oder Matsch sind Winterreifen an allen permanent angetriebenen Antriebsachsen von Fahrzeugen über 3,5 t zGG Pflicht. Neu ist, dass M+S-Reifen künftig durch Alpine-Reifen, erkennbar am Bergpiktogramm mit Schneeflocke, abgelöst werden. Entscheidend, ob ein M+S-Reifen als Winterreifen verwendet werden kann, ist sein Produktionsdatum. M+S-Reifen, die ab dem 1. Januar 2018 hergestellt werden, dürfen nicht mehr als Winterreifen zum Einsatz kommen. Für noch in diesem Jahr produzierte M+S-Reifen gilt dagegen eine Übergangsfrist bis zum 30. September 2024. 


Die gesetzlich vorgeschriebene Profiltiefe liegt bei 1,6 Millimetern, der ADAC TruckService empfiehlt jedoch Winterreifen mit vier Millimeter Restprofil und mindestens eine Antriebsachse mit sechs Millimeter Restprofil auszustatten. Außerdem ist es ratsam, die Schneeketten vor dem Wintereinbruch zu kontrollieren und das Anlegen der Ketten zu trainieren. 


Neben dem Profil ist für guten Grip vor allem die Kontrolle des Reifendrucks wichtig. Ist er zu hoch oder zu gering, setzt sich das Profil schneller zu, der Bremsweg verlängert sich, und das Fahrzeug kommt leichter ins Rutschen. Zudem steigt der Verbrauch und die Reifen verschleißen schneller. 


Die Strafen für nicht angepasste Bereifung liegen bei 60 Euro. 80 Euro werden bei Behinderung und 120 Euro bei einem Unfall fällig, jeweils zuzüglich eines Punktes.

Wer im Ausland unterwegs ist, sollte sich über die Rechtsvorschriften bezüglich Winterreifen und Schneeketten auf der Route schlau machen, denn die variieren in Europa erheblich. Bei Missachtung von nationalen Winterreifenpflichten drohen teilweise drastische Strafen bis hin zu Einreiseverboten, Führerscheinentzug und Bußgeldern bis zu 5.000 Euro.


Verhalten bei Wildwechsel

Ein besonderes Augenmerk sollten Fahrer morgens und abends speziell auf Waldränder und Felder legen, wo es verstärkt zu Wildwechseln kommt. Bei Wildkontakt keinesfalls die Lichthupe betätigen, sondern sofort Abblenden und Hupen. Lässt sich eine Kollision nicht vermeiden, ist ein kontrollierter Aufprall besser als ein Ausweichmanöver. Vor allem bei höheren Geschwindigkeiten besteht sonst die Gefahr, dass der Lkw ausbricht und mit dem Gegenverkehr oder mit einem Baum kollidiert.


Klassische Winterpannen: Batterie, Licht, Bremse

Die Klassiker unter den Lkw-Winterpannen sind schwache Batterien, Defekte an der Beleuchtung und eingefrorene Bremsventile. 

Zu den häufigsten Einsätzen des ADAC TruckService während der kalten Jahreszeit gehören Pannen infolge von kältebedingt tiefentladenen Batterien. Viele elektrische Verbraucher und die höhere Belastung beim Anlassen eines kalten Dieselmotors fordern die Batterie zusätzlich. Meist zeigt es sich schon am ersten richtig kalten Tag, ob die Batterie noch genügend Kraft hat. Stimmt die Säuredichte, können selbst hohe Minusgrade der Batterie nichts anhaben.


Bei geplanten Werkstattaufenthalten ist es deshalb ratsam, die Batterie überprüfen zu lassen. Im Übrigen sollten auch Wasserkocher, Kaffeemaschinen und Standheizungen im Lkw immer in Fachwerkstätten eingebaut werden, um Kurzschlüsse und Brände durch schlampige Montage oder eine Überlastung des Kabelbaums zu verhindern. 


Um ein Versagen der Bremse zu verhindern, sollten der Frostschutz im Bremssystem geprüft und die Entwässerungsventile an Druckluftkesseln proaktiv betätigt werden. Ist eine Bremsanlage bereits eingefroren, hilft am schnellsten der Pannendienst. Die Profis arbeiten mit speziellen Schlauchadaptern, die heiße Auspuffgase auf die eingefrorene Stelle leiten. 


Anfällig für Korrosion infolge von Nässe und Salz sind alle Verbindungsteile aus Metall. Kabel mit Scheuerstellen, Batterieübergabepunkte oder Anhängersteckdosen sollten zur Vorbeugung regelmäßig gecheckt und gründlich gereinigt werden. Ein wachsames Auge sollte der Fahrer auf gesplittertes Plastik oder poröse Dichtungen an der Beleuchtung des Trucks haben. Dringt nämlich Feuchtigkeit ein, können Streuscheiben beschlagen oder Reflektoren erblinden. Die Lichtleistung kann sich so um bis zu zwei Drittel vermindern. Verschmutzungen durch Schnee und Streusalz tun dazu ein Übriges. Daher Scheinwerfer unbedingt regelmäßig säubern. Richtig gefährlich wird es, wenn Feuchtigkeit Kurzschlüsse auslöst und zum Ausfall der Beleuchtung führt. Die Folge: Der Lastzug wird von anderen Verkehrsteilnehmern nicht mehr gesehen. 


Teure Langzeitschäden: Rost und Klimaanlage

Für Lkw, die im harten Wintereinsatz sind, wie etwa Baustellen- oder Winterdienstfahrzeuge, ist eine Unterbodenkonservierung ratsam, die rechtzeitig vor dem Winter auf Schäden geprüft und gegebenenfalls erneuert werden sollte. Für die Zugmaschine schlägt eine Konservierung mit etwa 800 Euro zu Buche, dafür reduziert sich der Verschleiß deutlich. 


Nirgendwo trifft das Prinzip „Kleine Ursache, große Wirkung“ mehr zu als bei der Klimaanlage. Wer sie einige Monate nicht einschaltet, riskiert einen Totalausfall. Dann hilft oft nur ein neuer Klimakompressor. Kostenpunkt: rund 1.500 Euro. Das regelmäßige Einschalten der Klimaanlage auch im Winter hält die Dichtungen geschmeidig und garantiert, dass sie am ersten heißen Tag auch funktioniert. 


Abfahrtskontrolle ist Pflicht

Zu den Standards der Wintervorbereitung gehört, das Frostschutzmittel für die Kühleranlage, Scheibenwasch- und Scheinwerferreinigungsanlage aufzufüllen.

Die sorgfältige Abfahrtskontrolle ist ebenfalls Standard und im Winter besonders wichtig. Vor allem ist die Kontrolle der Fahrzeugdächer Pflicht. Schnee- und Eisplatten gefährden die anderen Verkehrsteilnehmer und müssen vor Fahrtantritt beseitigt werden. 


Auch eine angepasste Fahrweise ist bei Eis und Schnee selbstverständlich. Bei schlechter Sicht durch Nebel, Schnee oder Regen (weniger als 50 Meter) gilt für Fahrzeuge mit mehr als 7,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht zudem ein Überholverbot. Die Missachtung führt zu einem Bußgeld von 120 Euro und einem Punkt in Flensburg.


Außerdem gilt: Türgummis mit Hirschtalg behandeln, das verhindert ein Einfrieren der Tür. Die warme Decke gehört ins Fahrzeug, der Türschlossenteiser ins Handgepäck, und es ist rechtzeitig zu tanken, sobald die Tanknadel sich Richtung Viertelvoll neigt.


Sollte es trotz Winter-Check einmal zu einer Panne kommen: Die ADAC TruckService-Notrufzentrale ist rund um die Uhr erreichbar unter 0800 524 8000.



ADAC TruckService Winter-Checkliste:


1. Auf Winterreifen wechseln: 1,6 mm Profiltiefe sind gesetzlich vorgeschrieben, besser sind mindestens vier bis sechs Millimeter.

2. Luftdruck checken: Der richtige Reifendruck sorgt für Grip und verhindert, dass sich das Profil zusetzt.

3. Schneeketten prüfen: Bei Bedarf mit Rostlöser oder Diesel behandeln und probehalber anlegen. 

4. Batterieleistung und Batterieübergabepunkte testen.

5. Für Kühler-Frostschutz bis -30 Grad sorgen.

6. Frostschutz im Bremssystem prüfen und Entwässerungsventile an Druckluftkesseln proaktiv betätigen.

7. Wischwasser mit Scheibenklar befüllen (Nachfüllpack mitführen).

8. Gehäuse, Dichtungen und Leuchtmittel von Scheinwerfern und Positionslichtern prüfen.

9. Anhängersteckdosen auf Beschädigungen prüfen.

10. Lkw-Unterbodenkonservierung prüfen.

11. Türgummi mit Hirschtalg behandeln, um ein Zufrieren zu verhindern. 

12. Türschlossenteiser ins Handgepäck legen (nicht ins Fahrzeug).

13. Lappen griffbereit halten, um Lampen, Spiegel und Scheiben zu säubern.

14. Warme Kleidung und Decke mitführen.

15. Klimaanlage auch im Winter gelegentlich einschalten, damit Dichtungen nicht austrocknen.


Bildnachweis: ADAC TruckService


Ihre Nummer für alle Pannen: 0800 524 8000


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