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ADAC skimagazin 2011

Ein Wintermärchen

Es gibt ein Land, in dem Träume wahr werden. Viele Hütten sind dort zu finden. Mit Holz davor und so urig wie aus der Werbebroschüre. Kärnten jeißt das Land. Und wir haben dort eine der Hütten gemietet.


Wir stellen das Auto auf dem Parkplatz ab, laden Sportgeräte, Schlafsäcke und Proviantkisten aus und machen uns daran, alles in unsere Hütte zu tragen. Ein Trampelpfad führt durch den Schnee zum Almhaus Traudi. Alex und Daniela haben für den Aufstieg Bergschuhe angezogen. Gute Idee. Ich trage Sneakers, rutsche und falle in den Schnee, spüre die Eiskristalle und den kalten Atem der Berge auf meiner Haut. Endlich Urlaub! Der erste Morgen. Alex weckt mich kurz nach acht Uhr. Ich habe lang und tief geschlafen. Lag es an der klaren Gebirgsluft, an der fast unwirklichen Ruhe? „Es schneit“, sagt Daniela, „die Sicht ist gleich null.“ Normalerweise wäre das betrüblich für einen leidenschaftlichen Skifahrer wie mich. Doch ich spüre schon die ersten Konsequenzen des Hüttenurlaubs: Lässigkeit. Ich bin tiefenentspannt. Wir müssen das Glück nicht jagen. Ich ziehe mir die Decke über den Kopf. „Weckt mich nicht!“ Schließlich sind wir hier, um auch das Hüttenleben auszukosten. Und das tun wir dann auch.


Am nächsten Tag ist der meteorologische Hausarrest beendet. Vom Balkon aus sehen wir den Gartnerkofel, der im Westen mehr als 2000 Meter aufragt. Der höchste Skilift im Nassfeld führt auf 2020 Meter. Die Region gilt als sehr schneesicher, da zwei Hochtalkessel die feuchte Luft des Adria-Tiefs fangen. Im Rekordwinter 2009, erzählt der Kassierer am Lift, seien 15 Meter Schnee gefallen. Zum Beweis zeigt er uns Fotos auf seinem Mobiltelefon. Dort steht er neben einer vier Meter hohen Schneewand, die „ned vom Pflug aufg’schütt woar“, wie er betont. Zum Abschluss des Tages fahren wir die Carnia-Talabfahrt von 1822 Metern bis nach Tröpolach (610 Meter) hinunter, auf der sich Steilhänge und Gleitstrecken harmonisch ergänzen. Mehr als acht Kilometer und 1200 Höhenmeter. Daniela beschreibt es so: „Ich fühle mich wie nach einem Fallschirmsprung.“ Als wir schließlich um 16 Uhr an unserer Hütte abschwingen, leuchten die Lichter im Haus gelb und warm wie in einem Werbespot für Kräuterlikör.


Bei einem Hüttenurlaub hat fast jedes Gruppenmitglied eine Aufgabe. Da ist Thomas, der Guide, der alle Karten, Wetterberichte und Öffnungszeiten kennt. Oder Sonja, die mit ihrem Lächeln die Herzen der wildesten Alpenbewohner erobert. Und Dietrich, der Alpin-Smutje, der dafür sorgt, dass ein dampfender Suppentopf auf dem Tisch steht, wenn wir am frühen Abend zurückkommen: Graupen, Kürbis, Pfannkuchen. Wie die anderen Ski-Verweigerer in unserer Gruppe genießt er den weiten Blick, die leere Zeit und die klare Luft sowie die Tatsache, dass kein Mobilfunknetz die dicken Wände unserer Hütte durchdringt. Die Abende sind von einer hypnotischen Regelmäßigkeit. Duschen. Essen. Trinken. Plaudern. Trinken. Lesen. Trinken. Schlafen. Während ich meine Freunde in der Stadt nur hin und wieder sehe, erlebe ich sie beim Hüttenurlaub in einem ruhigeren, friedlicheren Gemütszustand zwischen Tiefschnee-Trance und Wellness-Winterschlaf. Der Innenraum der Hütte hat viel mit einer Höhle gemein. Der raue Steinboden zum Beispiel oder die Holzbalken, die im Lauf der Zeit fast schwarz geworden sind. An der Wand hängt ein Steinbockgehörn, daneben Silberteller, Holzschnitte und ein schwerer Schlüssel aus Metall. Wie aus dem Bilderbuch. Und trotzdem echt.


Dieser Text ist ein Auszug aus der Reportage „Ein Wintermärchen“. Die vollständige Reportage lesen Sie im ADAC skimagazin 2011.


 

So kann ein Skitag zu Ende gehen: zünftige Schneeballschlacht vor der Bischofhütte auf 1600 Metern im oberen Lavanttal.

Foto: Mirco Taliercio

Aufstieg mit Schneeschuhen: Die Technik haben wir schnell raus.

Foto: Mirco Taliercio

Das gemeinsame Essen ist ein wichtiger Punkt im Hüttenalltag. Heute gibt es Kürbissuppe.

Foto: Mirco Taliercio

Bevor der Tag sich neigt und die Nacht hereinbricht: entspannen und wärmen am offenen Kamin. Was kann schöner sein?

Foto: Mirco Taliercio

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