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ADAC skimagazin 2011

Es muss nicht immer Kaviar sein

In St. Moritz und Umgebung Geld zu sparen, klingt nach einer unlösbaren Aufgabe. Ein Versuch mit überraschendem Ergebnis


Die Sonne lässt sich nicht kaufen. Nicht mit Rubeln, Dollarnoten und auch nicht mit Schweizer Franken. Davon haben zwar viele der Gäste, die in St. Moritz im Oberengadin Urlaub machen, mehr als genug – ein blauer Himmel ist aber auch für sie um keinen Preis zu haben. Mit diesem tröstlichen Gedanken passieren wir in einer verregneten Nacht im Februar mit unserem alten VW Golf das Ortsschild von St. Moritz. Im Gepäck: jede Menge Zweifel, ob das, was wir vorhaben, machbar ist. „Ein Skiwochenende in St. Moritz …“ – als wir dies im Freundeskreis erzählten, ernteten wir ein neidisches „Oooh!“. Erst als wir den Satz beendeten: „… um dort so günstig wie möglich Urlaub zu machen“, wurden die Mienen skeptisch, und wir bekamen ein gedehntes „Aha!“ zu hören. Maximal 500 Euro pro Person – mit drei Übernachtungen, Essen, Ski und Skipass – wollen wir ausgeben.


Am rechten Straßenrand erhebt sich eine Art Märchenschloss mit vier Turmspitzen in all seiner leuchtenden Pracht in den nächtlichen Himmel. Es ist das Kempinski Grand Hotel des Bains, eines von sieben 5-Sterne-Hotels im Oberengadin. Das Frühstücksbüfett gilt als eines der besten der Schweiz. Es ist im Preis von 355 Euro* pro Nacht im Doppelzimmer enthalten – würden wir hier einchecken, wären wir zwei Drittel unseres Budgets auf einen Schlag los. Unsere Sehnsucht endet daher in der Via dal Bagn im Piz-Hotel St. Moritz. Auf den ersten Blick keine Schönheit, sondern vielmehr ein schlichter Kasten. Mehr Wert auf Äußerlichkeiten sollte man bei 70 Euro pro Person und Nacht in der teuersten Stadt der Schweiz auch nicht legen. Zählen nicht ohnehin mehr die inneren Werte? Hier punktet unsere Herberge: Sie wurde erst kürzlich umfassend renoviert. Das Ambiente der Rezeption ist freundlich und erinnert an eine schwedische Möbelhaus-Ausstellung. Im dazugehörigen Restaurant stimmt uns der Blick auf die Speisekarte zuversichtlich, was die Verpflegung für die kommenden Tage betrifft: Pizza schon ab 8 Euro! Wir liebäugeln einen Moment mit einem späten Abendessen, als wir die üppig belegten Teller sehen, beschließen dann aber, dass es für heute reicht. Uns empfängt ein gepflegtes Hotelzimmer mit elegantem Badezimmer. Wir fallen sofort in einen tiefen Schlaf, der nirgends so gut ist wie auf 1800 Höhenmetern.


Wegen eines Schneesturms sind an unserem ersten Skitag nahezu alle Lifte auf der Corviglia und am Corvatsch geschlossen. Der Berg ruft uns also vorerst nicht. Wir müssen ohnehin erst den günstigsten Skiverleih suchen. Fündig werden wir in St. Moritz Bad. Bei Boom Sport mieten wir eine komplette Ausrüstung für drei Tage zu 84 Euro. „Wir sind der billigste Anbieter in der Stadt“, bestätigt Verkäufer Felipe, „aber unser Service ist so gut, dass auch die Gäste aus dem Kempinski oder dem Badrutt’s Palace zu uns kommen. Sogar Oliver Kahn war schon hier“, ergänzt er. Promis suchen wir vergeblich, als wir aufgrund des unwirtlichen Wetters die Zeit in der Via Maistra, der Einkaufsstraße von St. Moritz, verbringen. Dafür finden wir die Läden, in denen sie einkaufen. Bei Louis Vuitton entdecken wir in elektronisch gesicherten Glasvitrinen Geldbörsen aus Krokodilleder (3890 Euro) und Handtaschen für 20 000 Euro. Anschauen kostet ja nix! Gegenüber dem Badrutt’s Palace, das mit seinem Hotelturm eines der Wahrzeichen von St. Moritz ist, befindet sich ein kleines Schaufenster, in dem ein goldener Hirsch steht. Er trägt eine Handtasche in seinem Geweih – die bizarre Dekoration gehört zum Geschäft von Tabea Lörtscher. Sie fertigt in ihrer kleinen Ladenwerkstatt exklusive Fell- und Ledertaschen an, die bis zu 5000 Euro kosten, und erklärt: „Viele meiner Kreationen könnte ich mir selbst nicht leisten.“ Ihre Kundschaft schon. Sie stöckelt gerade in Gestalt einer aufwendig geschminkten Dame mit High Heels und weißer Pelzmütze herbei. Gegen dieses Outfit muten unsere praktischen Winterstiefel etwas dürftig an, und wir lassen unser Geld dort, wo wir uns auf vertrautem Terrain bewegen: Im Coop-Supermarkt kaufen wir eine Zahnbürste, rot, für 1,86 Euro.


Dieser Text ist ein Auszug aus der Reportage „Es muss nicht immer Kaviar sein“. Die vollständige Reportage lesen Sie im ADAC skimagazin 2011.

 

So kann ein Skitag zu Ende gehen: zünftige Schneeballschlacht vor der Bischofhütte auf 1600 Metern im oberen Lavanttal.

Foto: Mirco Taliercio

Aufstieg mit Schneeschuhen: Die Technik haben wir schnell raus.

Foto: Mirco Taliercio

Das gemeinsame Essen ist ein wichtiger Punkt im Hüttenalltag. Heute gibt es Kürbissuppe.

Foto: Mirco Taliercio

Bevor der Tag sich neigt und die Nacht hereinbricht: entspannen und wärmen am offenen Kamin. Was kann schöner sein?

Foto: Mirco Taliercio

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