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ADAC-Reisemagazin Sizilien

Menschen in Sizilien

Eine Rettungsschwimmerin, zwei Waldbrandbekämpfer, eine Kellnerin am schönsten Platz Italiens, ein Kliff-Kletterer, zwei Marionettenspieler, eine Künstlerin, ein Seilbahn-Techniker

Die Beobachterin

 
Wo lässt sich das Sozialverhalten der Menschen ideal studieren? Am Strand, findet Rosamaria Lapi. Deshalb jobbt die 22-Jährige neben ihrem Psychologiestudium in Palermo für den Salvataggio – als Rettungsschwimmerin. Seit drei Jahren wacht sie am schönen Strand von Lascari westlich von Cefalù darüber, dass kein Badegast seine Kräfte überschätzt. Und betreibt psychologische Feld- beziehungsweise Strandforschung. Leute zu beobachten, das ist ihre Leidenschaft.

So hat sie gelernt, bei Italienern gelassen zu bleiben: „Die hüpfen mal kurz rein und stehen dann meist nur bis zur Hüfte im Wasser – stundenlang.“ Deutsche Gäste dagegen schwimmen ihrer Beobachtung nach gern und weit raus. Wie sie selbst auch. Jeden Abend, zum Training. Doch noch lieber als von ihrem Wachturm beobachtet sie den Strand vom Rücken eines Pferdes aus. Was aber nur im Winter möglich ist. Dann ist der Strand menschenleer – und Rosamaria kann richtig entspannen.

Der Überflieger

Lebensgefahr ist für Andreas Schellner alltäglich. Regelmäßig bekämpft er im Tiefflug Flächenbrände. Er steuert seinen vollgetankten Helikopter dann in nur zehn Meter Höhe über ein Flammenmeer. „Klar muss man da aufpassen“, sagt der 27-jährige Pilot. Auf unserem Foto sitzt der hitzebeständige Flieger im Cockpit des Eurocopter AS 350. Am Boden steht sein Assistent Alessandro Benini, 30. Schellner sagt: „Unser Hubschraubermodell ist zwar extrem leicht und wendig. Aber mit einem 1000-Liter-Wassersack am Seil steigt es nur langsam.“

Stationiert ist die Crew in Palermo. Insgesamt neun Hubschrauber-Teams fliegen für die sizilianische Forstbehörde. 2009 rückten die Spezialisten gegen 762 Wald und Macchiabrände auf der Insel aus. Nur in Kampanien brennt es in Italien noch häufiger. Für die Piloten sind die größte Gefahr nicht Feuer und Asche, die Turbinen und Rotoren beschädigen könnten, sondern die vielen Hochspannungsleitungen. Langweilig wird es Schellner selbst im Winter nicht. „Dann zieht es mich in die Alpen“, sagt er. Denn wenn es kalt, windig und trocken ist, brennt es in den Bergen.

www.regione.sicilia.it

Die Platzhalterin

Der Domplatz von Syrakus ist ein magischer Ort – und Giovanna Randieri eine seiner charmantesten Botschafterinnen. Seit zwei Jahren arbeitet die 20-Jährige in den Sommermonaten im Gran Caffè del Duomo – direkt auf der Piazza, die viele für die schönste Italiens halten. Das liegt am Duomo Santa Maria delle Colonne und an den barocken Palazzi, die ihre Farbe mit dem Licht ändern. Am Morgen leuchten sie fast weiß. Wenn es abends dämmert, legt sich ein rosafarbenes Gewand über die Fassaden.

Es liegt aber auch an den Süßspeisen und Getränken, die Giovanna vor dieser Kulisse serviert. Dass unwissende Touristen um Mitternacht noch das Frühstücksgetränk Cappuccino bestellen, entlockt ihr schon lang kein spöttisches Lächeln mehr. Nur über sich selbst muss die Sizilianerin lachen. „Oft verstehe ich die Gäste nicht und bringe ihnen das Falsche.“ Wie neulich, als sie einem Engländer statt des gewünschten Espresso einen Eisbecher vor die Nase stellte. Er hat ihn trotzdem gegessen. Und das – ein Blick in Giovannas schwarze Augen genügt – lag bestimmt an der Aussicht.

Die Palastmalerin

Jenny Saville und Palermo: Es war Liebe auf den ersten Blick, als die Engländerin vor sieben Jahren zum ersten Mal die Stadt besuchte. Der Grund? Der blättrige Charme der Geschichte. Tausend Gerüche, Stimmengewirr und brutales Licht. Eindrücke, die sich zu einem magischen Chaos verdichteten. Statt wie geplant nur einen Tag zu bleiben, kaufte die Malerin in einem Palast am Ballarò- Markt eine ganze Etage mit 21 Zimmern – ihr neues Studio.

Jenny Saville gehört wie Damien Hirst und Tracey Emin zur Gruppe der Young British Artists, entdeckt hat sie der Londoner Kunsthändler Charles Saatchi. Die bekanntesten Werke der 40-Jährigen sind Großformate, die nackte, dicke Körper zeigen. Darin dominieren Phasen des Übergangs und der Vergänglichkeit, von denen sie besessen ist. In dem Prachtbau aus dem 18. Jahrhundert, in dem sie heute arbeitet, legte sie Fresken unter bröselndem Gips frei, unter abgewetzten Linoleumböden kamen kostbare Terrakottafliesen zum Vorschein. Seit sie in Italien lebe, sagt sie, hätten viele ihrer Bildelemente eine religiöse Bedeutung bekommen. Obgleich sie nie gläubig war. „Ich habe Caravaggio und Michelangelo studiert und ihre Ästhetik neu entdeckt. Ihre Bilder in den Kirchen sind wunderbar. Und in Palermo gehören sie zum Alltag.“

www.saatchi-gallery.co.uk/artists/jenny_saville.htm

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