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ADAC-Reisemagazin Sizilien

Aller Fang ist schwer

Rosetta wird Lasagne auftischen, danach Kalb, dann die Geburtstagstorte und große Teller mit süßen Cannoli zum Sekt. Kein Fisch. Der Maestrale blies zu heftig. Als Salvatore, der heute 67 geworden ist, wie jede Nacht um drei Uhr nach dem Wetter sah, wusste er, sie konnten die Furia am Strand liegen lassen. Er hat Erfahrung. 46 Jahre – wenn man drei als Maurer in der Schweiz abzieht und neun auf einem Krebskutter in Australien. Dort, in Fremantle, lernte er Rosetta kennen. Sie war schon als Kind aus Capo d’Orlando weggegangen und wechselt noch immer gern ins Englische. Vor der Hochzeit nahm er ihr das Versprechen ab, mit ihm zurückzukehren in diese Bucht, in der jetzt kein Lüftchen mehr das Wasser kräuselt. „Was soll’s, hoffen wir auf morgen.“ Auf seinem Gesicht breitet sich ein Grinsen aus, bis es nur noch aus waagrechten Linien zusammengesetzt scheint. Er rückt seinen Stuhl näher an die Hausmauer, an die bei Stürmen die Gischt schlägt und wo um Fenster und Türen blaue Rahmen gemalt sind, so strahlend wie seine Augen. Neben ihm bessert Enzo ein Netz aus, mit einer langen Nadel aus Holz. „Siehst du, es hat engere Maschen – für die Rotbarben mit ihrem kleinen Kopf. Die kann man erst ab drei Uhr nachts fangen: Würden sie länger im Netz hängen, wäre ihr Fleisch morgens schon verdorben.“


Die Brüder Enzo und Salvatore Salvo erklären diese Dinge häufig. In San Gregorio können Touristen durch die Fischer dem Meer näherkommen und am Morgen mit hinausfahren, um die Netze einzuholen.Oder bei der Buliata zusehen, wie wir gestern: Dabei wird das Netz nahe den Felsen ausgelegt und danach mit den Rudern ein Heidenlärm gemacht, der die Tiere aus ihrem Versteck unter den Steinen treibt. Manche Urlauber probieren das Fischen selbst, und die meisten sind verrückt nach den in Salz eingelegten Sardellen oder der Tintenfischsoße, die Rosetta und Rita, Enzos Frau, in Gläsern verkaufen. Für die Besucher stellen Enzo und Salvatore so etwas wie die letzte Verbindung zu einer Welt dar, die langsam verschwindet: In San Gregorio, wo früher alle vom Meer lebten, wo am Strand die Boote dicht nebeneinanderlagen und Dutzende Männer die Netze zum Trocknen ausbreiteten, wo der alte Glorioso mit dem Sardinenfang leicht eine schöne Mitgift für seine drei Töchter verdiente, in diesem Ortsteil von Capo d’Orlando sind die Salvos – Salvatore und Enzo sowie Enzos Sohn Alessandro – die letzten hauptberuflichen Fischer. Dass Enzo nicht so recht weiß, ob er sich über die Fortführung der Familientradition freuen oder sich Sorgen machen soll, sagt eigentlich schon alles über die Zeiten.

 

Mit Licht angelockt, eingekreist und an Bord gezogen: Die San Calogero hat Beute gemacht - der Fang ergibt rund 100 Kisten Sardellen
Frühmorgens holt Enrico Barbera, ein Fischer aus Capo d´Orlando, seine Netze ein
Salvatore Salvo rudert, während sein Neffe Alessandro das Netz ins Wasser gleiten lässt
Auf dem Markt von Catania wird Fisch fangfrisch und preiswert angeboten

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