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ADAC-Reisemagazin London

Menschen in London

Eine Frau, die täglich Rad fährt, ein Hofmaler, der keiner sein will, vier Mädchen beim Versteckspiel, ein Taxifahrer, eine Barfrau und ihre Tochter, eine bescheidene Rapperin, eine Kunst- und Menschenkennerin, eine Bootsfamilie, ein echter Hundeprofi

DIE FRAUENSAMMLERIN

Schlank, graziös und 15 Zentimeter hohe Absätze: Valeria Napoleone sticht aus der Menge der Kunstsammler heraus. Über ihr Äußeres hinaus unterscheidet sich die Italienerin von ihnen, weil sie sich auf zeitgenössische Kunst spezialisiert, die ausschließlich von Frauen stammt. „Zunächst war das kein Konzept, sondern Zufall. Ich interessierte mich einfach eher für die Arbeiten von Künstlerinnen“, sagt Napoleone. Sie besitzt rund 200 Werke, Gemälde, Skulpturen und Installationen. Außer für ihre Sammlung engagiert sie sich als Mäzenin in Museen und Institutionen, wie in der frisch renovierten South London Gallery. Für uns posiert sie dort vor einer Wandzeichnung des Cartoon-Künstlers Dan Perjovschi. Die Kunstwerke, die in ihrem Haus Flure und Räume bewohnen, sind für sie keine reine Wertanlage. Sie besitzt und genießt mit Leidenschaft. Eine Eigenschaft, die sie von Männern unterscheidet, wie sie glaubt: „Männer entscheiden sich schnell. Ich bin keine Impulskäuferin, sondern lasse mir Zeit.“ Manchmal beobachtet sie eine Künstlerin jahrelang. „Bevor ich etwas kaufe, lerne ich die Frau kennen und besuche sie in ihrem Studio. Alles andere wäre mir zu unpersönlich.”

www.southlondongallery.org

DER HUNDEPROFI

Windhunde als Spitzensportler zu halten ist ein ungewöhnliches Hobby. „Mein Vater fing damit als junger Mann an, und ich habe es wohl auch im Blut“, sagt Dave Brown. Der 41-jährige Besitzer des Greyhound King Graham hat viel Arbeit mit dem Tier: Training, Pflege und Abende in kalten Stadien. Dort setzen die Londoner ihr Geld auf Hunde mit lustigen Namen, die in einem irren Tempo einem falschen Hasen hinterherhetzen. Der zweijährige King Graham trainiert als Profisportler mit eigenem Fitnesstrainer. In drei Jahren geht der Hund in die verdiente Rente und wird Haustier oder zieht zu Zuchtzwecken nach Irland. Brown hat für seinen Schützling einst 5000 Pfund bezahlt, doch es gibt auch Menschen, denen ein Tier das Zwanzigfache wert ist. Das ist wahre Leidenschaft: Reich wird mit dem „Pferderennsport des kleinen Mannes“ keiner. Hier geht’s zur Hunderennbahn in Wimbledon:

www.lovethedogs.co.uk

DIE GOLDHERZEN

Ohne das Golden Heart hätten die Kreativen der Stadt kein Wohnzimmer. Der Pub von Sandra Esqulant und ihrer Tochter Katie nahe der Ostlondoner Brick Lane ist seit Jahren das zweite Zuhause berühmter Künstler wie Gilbert & George, Tracey Emin oder Cerith Wyn Evans. Namhafte Galeristen richten hier ihre Weihnachtsfeiern aus, Maler zelebrieren runde Geburtstage. Daneben trinken alternde Finanzexperten, japanische Austauschstudenten und Kellner aus den umliegenden Restaurants ihr Guinness und gucken Premier-League-Spiele. An den holzgetäfelten Wänden des um 1910 erbauten Lokals hängen Fotografien der prominentesten Gäste. Allerdings legt Sandra Wert auf britisches Understatement: Nach vergilbten Autogrammkarten sucht man vergebens. Im Golden Heart werden VIPs inszeniert, in schön gerahmten Schwarz-Weiß-Fotografien, auf denen auch immer wieder die Pub-Chefin selbst zu sehen ist. Tochter Katie arbeitet ebenfalls hinter der Bar, und es kommt vor, dass ältere Stammgäste nach ein paar Pints zu viel die Tochter mit einer jungen Version der Mutter verwechseln. Es sei ihnen verziehen: Die 32-Jährige ist Sandra Esqulant wie aus dem Gesicht geschnitten. 110 Commercial Street Tel. +44 (0)20 / 72 47 21 58

DIE RADFAHRERIN

Carmen Tevar erlebt ihre Stadt jeden Tag in einer neuen Stimmung. Die 34-Jährige ist Hostess im Riesenrad London Eye. Gästen, die eine Privatgondel gemietet haben, serviert sie Champagner und Kanapees. „Ich kann nicht sagen, wie viele Runden ich in den sieben Jahren, die ich hier arbeite, schon gedreht habe“, sagt die Spanierin, die neben ihrer Arbeit in der Luft Flamenco tanzt. Pro Jahr fahren fast vier Millionen Menschen aus allen Teilen der Erde mit dem höchsten Riesenrad Europas. Der Scheitelpunkt liegt 135 Meter über der Erde. Von dort aus reicht der Blick bei klarem Wetter kilometerweit. Den Höhepunkt ihres Arbeitsalltags erlebt Tevar am Valentinstag: „Ich liebe es, wenn ein Mann hoch über London auf die Knie geht und seiner Freundin einen Heiratsantrag macht!“

www.londoneye.com

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