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ADAC-Reisemagazin Garmisch-Partenkirchen

Ein Tag im Paradies

Text: Christian Neureuther
Protokoll: Gregor Staltmaier
FOTOS: Michael Mayer


6.15 Uhr: Ich wälze mich von links nach rechts. Springe aus dem Bett, schaue in den stockfinsteren Himmel hoch über Garmisch-Partenkirchen. Das uns so vertraute Kreuzeck, unser Skiberg unterhalb der Alpspitze, scheint noch unerreichbar weit weg. Aus dem Kühlschrank greife ich mir eine Flasche Wasser. Eigentlich müsste ich Schnee räumen, gestern Abend hat es noch 20 Zentimeter geschneit. Aber viel mehr raubt mir eine Hoffnung den morgendlichen Schlaf: Kommt heute der perfekte Skitag? Denn worauf freut sich ein skiverrücktes Ehepaar mehr als auf frischen Pulverschnee und blauen Himmel?

 

7.15 Uhr: „Rosi, schau, vielleicht wird’s was!“, rufe ich zu meiner Frau rüber. Abheben vom Alltag: Christian Neureuther und Ehefrau Rosi Mittermaier auf der Osterfelder-Abfahrt, die spektakulär von Felsen gerahmt istlich kann ich durch das Fernrohr, das im Schlafzimmer steht, die Pisten entdecken. Auch der Riss in der Wolkendecke wird größer – und meine Laune besser. Jetzt ist es wichtig, den Skitag sinnvoll zu planen. Denn wenn es frisch geschneit hat, möchte ich als Erster auf der Piste sein, und zwar auf der richtigen. Zum Frühstück koche ich meiner Frau noch Kaffee, dazu gibt’s Müsli und frisch gepressten Orangensaft. Kräfte sammeln fürs Carven im Classic-Gebiet von Garmisch-Partenkirchen.

 

8.15 Uhr: Noch ist der Parkplatz an der Kreuzeckbahn menschenleer, ob die Kassen überhaupt schon besetzt sind? Welche der drei Bergbahnen wir nehmen, das ist schnell klar: Die erste Fahrt geht mit der Kreuzeckbahn, südwestlich von Garmisch, hinauf aufs 1651 Meter hohe Kreuzeck. Von dort fahren wir mit der Hochalmbahn weiter zum Osterfelderkopf auf 2050 Meter, denn hier gibt’s schon morgens Sonne. Ich gebe zu: Die Versuchung ist groß, sich gleich in die neue, steile Kandahar-Abfahrt zu stürzen. Aber das wäre zu voreilig, denn der Hang liegt schließlich im schattigen Norden, und damit ist der Schnee bis in den Nachmittag griffig.8.45 Uhr: Klack, klack. Endlich kommt der Moment, in dem die Skischuhe in der Bindung einrasten. Die etwa 900 Meter lange Längenfelder Abfahrt auf dem Osterfelderkopf liegt vor uns, noch menschenleer, schneeweiß. Kleine Atemwolken vor unserem Gesicht, milder Frost an diesem Märzmorgen. Im Hintergrund das Trio Alpspitze, Zugspitze und Waxenstein. Sogar das Königshaus am Schachen, das Ferienhaus von Ludwig II. im Wettersteingebirge, wird schon von der Sonne angestrahlt. Oft hat mir mein Vater, selbst ein ausgezeichneter Skifahrer, von dieser Aussicht vorgeschwärmt. Ob unser Sohn Felix hier in 40 Jahren auch stehen und staunen wird? Gerade ist er beim Training in Kanada, bestimmt auch nicht schlecht. Wie schwerelos gleiten Rosi und ich immer wieder in weiten Schwüngen zur Hochalm hinunter. Mal auf, mal abseits der breiten Skiwiese. Ich kann mir Juchzer nicht verkneifen.

 

10 Uhr: Mittlerweile kreuzen immer mehr Skifahrer und Snowboarder unsere Schwünge, zu viele für uns. Daher wechseln wir zur ruhigeren Kochelberg-Abfahrt, von Einheimischen „Dreh“ genannt, um Richtung Hausbergbahn abzufahren.
Auf der Terrasse vor der Drehmöser Hütte an der Hausberg-Bergstation bestellen wir Cappuccino. Obwohl die Hütte erst vor drei Jahren gebaut wurde, ist sie längst Treffpunkt von uns Einheimischen, eine Art Dorfplatz auf 1300 Metern. Sie hat wirklich alles, was eine Skihütte in den Alpen braucht: viel Holz, urige Winkel – und, ganz klar, bayerische Brotzeiten. Wenn Felix ein Skirennen hat, sitzen alle vor dem Fernseher und feuern den Burschen an. Allen voran Hüttenwirt Andi, der hat unseren Sohn früher trainiert.


Mehr zu lesen im aktuellen Reisemagazin Garmisch-Partenkirchen.

Traumrevier jedes Skifahrers: Rosi Mittermaier inmitten der gesicherten Freeride-Zone im Alpspitzgebiet.

Die Skier auf der Schulter, die gute Laune ins Gesicht geschrieben: Nach einer Kaffeepause auf der Drehmöser Hütte stapft Rosi Mittermaier zum Kreuzwankl-Ski-Express, um ins Kreuzeck-Gebiet zu kommen

Christian Neureuther hat das Vergnügen hinter sich und wartet einige Meter weiter auf der Längenfelder Abfahrt auf seine Frau – mit bewunderndem Blick

Abheben vom Alltag: Christian Neureuther und Ehefrau Rosi Mittermaier auf der Osterfelder-Abfahrt, die spektakulär von Felsen gerahmt ist

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