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Der ADAC

Verstoß gegen FIS-Regeln: Skifahrer haftet für Unfall

Snowboarder und Skifahrer auf der Piste
Oberstes Gebot beim Ski- und Snowboardfahren: Rücksicht nehmen auf andere ∙ © iStock.com/Ingus Kruklitis

Ein Skifahrer muss Schadenersatz zahlen, wenn er auf der Piste gegen die FIS-Regeln* verstößt und deswegen einen anderen Wintersportler verletzt. Das hat ein Gericht entschieden.

Das Landgericht Frankenthal hat folgenden Fall entschieden: Ein Ski- und ein Snowboardfahrer nahmen an einer Skireise nach Lake Louise in Kanada teil. Bei einer gemeinsamen Abfahrt überholte der Skifahrer den Snowboardfahrer. Die beiden stießen zusammen, der Snowboardfahrer wurde verletzt. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland wurden ein Kreuzband- und Seitenbandriss sowie eine Verletzung des Innen- und Außenmeniskus diagnostiziert. Der Snowboardfahrer verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld von dem Skifahrer.

Skiunfall: Skifahrer kollidiert mit Snowboarder

Das LG Frankenthal gab dem Snowboarder Recht und verurteilte den Skifahrer zur Zahlung von Schadenersatz und Schmerzensgeld. Nach Ansicht der Richter muss der Skifahrer für alle Unfallfolgen haften, weil er gegen die FIS-Regeln verstoßen hat. Er hatte selbst geschildert, dass er direkt vor dem Unfall zu einem Linksschwung angesetzt hatte und beim Ausfahren aus der Kurve leicht hangaufwärts gefahren war. Nach Nr. 5 der FIS-Regeln muss sich jeder Skifahrer, der hangaufwärts schwingen oder fahren will, nach unten und nach oben vergewissern, dass er dies ohne Gefahr (für sich und andere) tun kann. Diese besondere Sorgfaltspflicht hat der Skifahrer nicht beachtet, so die Richter.

Snowboarder fährt trotz Schmerzen weiter

Der Snowboarder machte nach dem Unfall trotz Schmerzen weitere Abfahrten und nahm sogar an einem Helikopter-Skiing teil. Die Richter hatten dennoch keinen Zweifel, dass seine schwere Knieverletzung von der Kollision mit dem Skifahrer kam und nicht erst in den Tagen danach entstanden ist. Ein vom Gericht beauftragter orthopädischer Sachverständiger erklärte zur Überzeugung der Richter, dass Snowboardfahren im Vergleich zum Skifahren knieschonender ist. Außerdem wird das Knie durch die hervorragenden Schneeverhältnisse in Kanada nicht so stark belastet. Bei erfahrenen und ambitionierten Sportlern ist zudem nach Aussage des Sachverständigen immer wieder festzustellen, dass diese eine höhere Schmerztoleranz haben.

Schadenersatz und Schmerzensgeld für Snowboarder

Das Gericht sprach dem Snowboardfahrer Ersatz seines Verdienstausfalls in Höhe von 20.000 Euro und 7000 Euro Schmerzensgeld für die erlittenen Verletzungen zu.

LG Frankenthal, Urteil vom 27.11.2020, Az.: 7 O 141/19

Hinweis: Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

FIS-Regeln kurz erklärt

Die *FIS-Regeln sind allgemeine Verhaltensregeln für Skifahrer und Snowboarder. Sie wurden vom Internationalen Ski-Verband FIS aufgestellt und gelten weltweit. Die Regeln sollen – vergleichbar mit der Straßenverkehrsordnung – Unfälle und gegenseitiges Gefährden vermeiden. Der oberste Grundsatz in den FIS-Regeln: Rücksichtnahme auf andere.