Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Produkte
Mitgliedschaft
Der ADAC

Schneemangel: Skifahren auf dem Teppich

Snowboarder springt über Kicker aus textilem Schnee
Sport ohne Schnee: Textil-Piste im sächsischen Augustusburg ∙ © Mr. Snow

In vielen Skigebieten fällt zu wenig Schnee, vor allem in tieferen Lagen. Als Alternative zur Schneekanone sollen nun Textil-Skipisten weiterhelfen.

Schneemangel macht erfinderisch: Das junge Unternehmen Mr. Snow produziert im sächsischen Chemnitz spezielle Gleitmatten aus Textilmaterial. Vor allem in Mittelgebirgen werden diese verlegt: auf Lifttrassen, Langlaufloipen, Rodelbahnen, in Skischul-Arealen, Funparks und bei Winter-Events in Deutschland und Europa. Die textilen Pisten sollen vor allem neuralgische Schneemangel-Stellen überdecken und Training ermöglichen – als Alternative zur Beschneiung, die nur bei Minusgraden funktioniert und hohen Aufwand an Energie und Wasser erfordert.

An der TU Chemnitz entwickelten die wintersportbegeisterten Tüftler das besonders gleitfähige und robuste High-Tech-Gewebe für die Textilpiste, die unabhängig vom Wetter und ohne zusätzliches Wasser oder Gleitmittel das ganze Jahr einsatzbereit sein soll. Dank einer patentierten „Berg- und Talstruktur“ kann man darauf nicht nur geradeaus fahren, „sondern auch bremsen, carven und kanten wie auf echtem Schnee“, verspricht Mr. Snow-Mitgründer Jens Reindl. 

Auch fürs Langlauf-Training

Im sauerländischen Willingen etwa hat sich eine Skischule durch die weißen Matten quasi von der künstlichen Beschneiung abkoppeln können, so Reindl. Und auf der textilen Loipe seiner Firma, bei der Internationalen Sportartikelmesse 2019 mit einem ISPO Award ausgezeichnet, trainieren etwa Langläufer in Oberwiesenthal im Erzgebirge.

Textile Schnee-Alternativen seien für den Breitensport als Ergänzung und vor allem fürs Lernen nutzbar, meint Stefan Schwarzbach, Geschäftsführer des Deutschen Skiverbands. Im Spitzensport gehe das nur zum Training in Teilbereichen mit kurzer Gleitphase. Skispringer praktizierten im Sommer bereits Mattenspringen - von einer Keramik- oder Kunststoffspur auf den mit Matten belegten Aufsprunghügel. Doch das "Erlebnisgut Schnee" als wesentlicher Faktor für die Faszination von Wintersport lasse sich nicht gleichwertig ersetzen.

Schnee von gestern: Snowfarming

Im schweizerischen Adelboden sichern die Textilmatten aus Sachsen eine Liftspur, für die Piste nutzt man dort Snowfarming: Am Saisonende wurde Schnee zusammengeschoben und mit Folie und Gletschervlies abgedeckt; rund zwei Drittel überstanden den Sommer. So verfahren auch andere Skigebiete: Auf der Zugspitze lagerten etwa 500.000 Kubikmeter Naturschnee, verteilt auf neun Depots in Mulden und schattigen Bereichen. Dieser Schnee half in puncto Grundpräparierung, um Mitte Dezember in die Wintersaison starten zu können, so Verena Lothes von der Bayerischen Zugspitzbahn, „ganz ohne Neuschnee geht es nicht“.

Grüne Piste in Dänemark

Ganz ohne Schnee geht Skifahren im dänischen Kopenhagen: auf dem Copenhill, einer neuen Anlage auf dem schrägen Dach der Müllverbrennungsanlage mit Blick auf den Öresund. Die rund 450 Meter lange Piste aus Plastikmatten eines italienischen Herstellers mit Silikon als Gleitmittel ist leuchtend grün.

Die wichtigsten Neuheiten der Saison in den Skigebieten finden Sie hier

Andrea Steichele-Biskup
Redakteurin
Kontakt