Urteil: Haben Radfahrer am Zebrastreifen Vorrang?

Fahrradfahrer, der an der Zebrakreuzung eine überfüllte Straße überquert
Fahrend über den Zebrastreifen: Keine gute Idee!© Shutterstock/Christian Mueller

Autofahrende müssen an Zebrastreifen besonders vorsichtig fahren und Fußgänger über die Straße gehen lassen. Gilt das auch gegenüber Radfahrenden? Ein Urteil des Amtsgerichts Würzburg.

Der Fall: Eine Radfahrerin wollte einen Zebrastreifen an einem Kreisverkehr queren. Sie hielt an, doch ein Autofahrer signalisierte, sie hinüberfahren zu lassen. Erst als die Frau in der Mitte des Fußgängerüberweges war, nahm sie ein zweites Auto wahr. Dieses bremste nicht und es kam zu einem Zusammenstoß. Die Ehefrau des zweiten Autofahrers machte als Halterin des Fahrzeugs die Radfahrerin für den Unfall verantwortlich und verlangte von ihr Schadenersatz für die am Auto entstandenen Schäden. Die Sache ging vor Gericht.

Kein Vorrang für Radfahrende am Zebrastreifen

Das Amtsgericht Würzburg gab der Halterin des Autos Recht. Die Radfahrerin müsse Schadenersatz zahlen, denn sie sei über den Zebrastreifen gefahren, ohne auf das einbiegende Auto Rücksicht zu nehmen. Obwohl sie hätte warten müssen, habe die Radfahrerin vor dem Auto die Fahrbahn überquert. Sie habe kein Vorrang am Zebrastreifen gehabt, weil sie nicht als Fußgängerin unterwegs war, sondern mit dem Rad über den Zebrastreifen gefahren sei, so das Gericht. Das Gesetz spreche ausdrücklich von "zu Fuß Gehenden". Einzige Ausnahme: Fahrer von Krankenfahrstühlen oder Rollstühlen.

Autofahrer haftet mit

Das Gericht führte weiter aus, die Halterin hafte jedoch für den Unfall teilweise mit. Sie müsse sich die Betriebsgefahr ihres Autos, die höher sei als die des Fahrrads, zurechnen lassen. Außerdem habe ihr Mann einen erheblichen Verkehrsverstoß begangen, den sie sich anrechnen lassen müsse.

Er habe zwar Vorfahrt gehabt, aber so schwer gegen das Gebot der allgemeinen Rücksichtnahme verstoßen, dass er bzw. seine Frau sich ein hälftiges Mitverschulden anrechnen lassen müsse. Denn er sei verpflichtet gewesen, den gesamten vor ihm liegenden Fahrbahnraum zu beobachten, so das Gericht. Wäre er aufmerksam gewesen, hätte er die Radfahrerin sehen und ihre offensichtliche Absicht, den Zebrastreifen zu überqueren, erkennen können.

AG Würzburg, Urteil vom 24.5.2023, Az.: 30 C 1164/21

Wichtige Urteile, neue Verkehrsregeln. Direkt vom ADAC