Wien: Fahrverbot für Lkw ohne Abbiegeassistent

Abbiegeassistent LKW
Abbiegeassistenten können Unfälle zwischen Lkw und Radfahrern/Fußgängern verhindern ∙ © ADAC/Andre Kirsch

Die österreichische Hauptstadt Wien verbannt Lkw über 7,5 Tonnen ohne Abbiegeassistenten von ihren Straßen, und das schon ab April. Verstöße werden allerdings erst ab Januar 2021 geahndet.

Immer wieder passieren schwere Unfälle, wenn Lkw beim Rechtsabbiegen Radfahrer oder Fußgänger übersehen. Dagegen will Wien nun so schnell wie möglich vorgehen. Die EU schreibt eine verpflichtende Ausstattung für Lkw mit Abbiegesystemen für neue Fahrzeugtypen erst ab 2022 und für neu zugelassene Fahrzeuge ab 2024 vor.

Da dies allerdings nicht für schon bestehende Flotten gilt, werden noch länger zahlreiche Lkw ohne Assistenzsystem auf den Straßen unterwegs sein. Die neue Wiener Verordnung, für die eine Übergangsfrist bis zum Jahresende vorgesehen ist, gilt für das gesamte Stadtgebiet mit einigen Ausnahmen. So sollen Lkw, die lediglich die Autobahnen als Transitstrecke nutzen, nicht betroffen sein.

Auch deutsche Städte wollen Lkw-Abbiegeassistenten früher

Auch einige deutsche Städte wollen nicht bis zum Inkrafttreten des EU-Beschlusses warten und die Serienausstattung mit Abbiegeassistenten vorantreiben. So wird in München ein ähnliches Verbot wie das in Wien diskutiert. Die Stadt Hamburg plant, den gesamten städtischen Fuhrpark mit Abbiegeassistenten auszurüsten, und hofft darauf, dass sich die Privatwirtschaft anschließt.

In Deutschland wäre eine Regelung für eine ganze Stadt rechtlich nicht ohne Weiteres möglich: Denn laut § 45 I S.1 der Straßenverkehrsordnung (StVO) können die Straßenverkehrsbehörden lediglich die Benutzung bestimmter Straßen oder Straßenstrecken aus Gründen der Sicherheit und Ordnung des Verkehres beschränken oder verbieten.

Und wie steht der ADAC dazu?

Der ADAC ist der Meinung, dass Abbiegeassistenten schon vor der gesetzlichen Verpflichtung zur Serienausstattung gehören sollten. Zudem unterstützt der Club die "Aktion Abbiegeassistent", bei der Unternehmen und Behörden finanziell unterstützt werden, wenn sie die eigenen Flotten schnellstmöglich mit dem lebensrettenden System nachrüsten.

Ein Fahrverbot in den Städten für Fahrzeuge ohne diese Ausrüstung wäre allerdings unverhältnismäßig, da auch die Systeme nicht fehlerfrei agieren. Entscheidend ist eine erhöhte Aufmerksamkeit der Verkehrsteilnehmer in Kreuzungssituationen. Radfahrer sollten den "Toten Winkel" kennen und vermeiden, Lkw-Fahrer in Schrittgeschwindigkeit abbiegen.

Um Flottenbetreiber bei ihrem Nachrüstvorhaben zu unterstützen, hat der ADAC die derzeit verfügbaren Systeme auf ihre Tauglichkeit überprüft.

Dieses Video wird über YouTube abgespielt. Es gelten die Datenschutzbestimmungen von Google. Bild: © ADAC

Die Erkenntnis daraus: Die Unterschiede zwischen den Technologien sind erheblich. Kein einziges System konnte komplett überzeugen. Die technische Weiterentwicklung über reine Warnsysteme hinaus muss deshalb vorangetrieben werden.

Hier finden Sie die detaillierten Testergebnisse des Vergleichs "Lkw-Abbiegeassistent"

Katharina Dümmer
Redakteurin
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