Menü
Rund ums Fahrzeug
Verkehr
Reise & Freizeit
Versicherungen & Finanzen
Mitgliedschaft
Services
Der ADAC

"Corona hat das Bewusstsein für Nachhaltigkeit verstärkt"

Portrait von Nico Rosb erg
Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg ∙ © Shutterstock/OttaviaF

Der frühere Formel-1-Weltmeister Nico Rosberg investiert heute in grüne Technologien. Er sieht viel Potenzial in Elektromobilität und fliegenden Taxis – und glaubt, dass die Formel 1 zum Testfeld für ökologische Technologie werden könnte. 

Nico Rosberg, Formel-1-Weltmeister von 2016, engagiert sich heute als Unternehmer und
Investor in den Bereichen Grüne Technologien und Mobilität. Zudem ist der 35-Jährige Gründer des Greentech-Festivals, einer Messe für nachhaltige Innovationen, die 2021 vom 17. bis 19. Juni in Berlin stattfindet.

Herr Rosberg, warum interessiert sich ein Ex-Rennfahrer für Elektromobilität?

Ich liebe Innovation und möchte meinen Kindern ein Vorbild sein. Außerdem habe ich mich viel mit Psychologie beschäftigt, um Weltmeister zu werden. Dabei lernte ich, dass Hingabe für andere langfristig der beste Weg ist. All das machte Nachhaltigkeit zum Zentrum meines unternehmerischen Handelns.

Wie stellen Sie sich das saubere Auto der Zukunft vor?

Noch bieten Hybridfahrzeuge die effizientesten Verbrennungsmotoren. Der nächste Schritt ist das Elektroauto mit grünem Strom und vernünftigem Batterie-Recycling. Erst in 30, 40 Jahren sehe ich Wasserstoff, denn da sind noch immense Herausforderungen, unter anderem in der Produktion und der Logistik, zu bewältigen.

Wann erwarten Sie E-Autos in relevanter Menge?

Sobald E-Autos preislich mit Verbrennern gleichziehen und ausreichend Ladeinfrastruktur existiert, wird das richtig schnell gehen. Ich bin überzeugt, dass Corona das Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Gesellschaft noch einmal verstärkt hat.

Manche sagen, die deutsche Autoindustrie hinke weit hinterher.

Dem würde ich deutlich widersprechen. Ich glaube an unsere Autoindustrie und Ingenieurskompetenz. Momentan liegen die deutschen Hersteller vielleicht zwei, drei Jahre zurück, aber sie werden aufholen. 

ADAC Podcast

Schneller retten: Wie Flugtaxis die Luftrettung revolutionieren könnten

00:00

00:00


Welche anderen Mobilitätstechnologien halten Sie für vielversprechend?

Ich bin ein Fan von Flugtaxis und als Investor an den Start-ups Volocopter (das Unternehmen arbeitet auch mit der ADAC Luftrettung zusammen) und Lilium beteiligt. Damit lassen sich Staus, Pendelzeiten und lokale Emissionen reduzieren.

Wenn man es sich leisten kann…

Wenn Flugtaxis autonom fliegen, werden die Kosten pro Kilometer vergleichbar mit denen heutiger Taxis. Eine große Herausforderung wird es, diese und andere Mobilitätsinnovationen auch in Schwellenländer zu transferieren, in denen besonders hohe Emissionen entstehen.

Kommen wir noch mal zurück auf den Boden: Wann wird Motorsport klimaneutral?

Die Formel 1 will bis 2030 klimaneutral werden. Die Rennen selbst sind dabei aber nur ein Mikrofaktor. Die meisten Emissionen stammen von den anreisenden Zuschauern und der Logistik. Deshalb wird man die Fans etwa mit E-Mobilität und Ridesharing an die Strecke bringen, aber natürlich auch mit Ausgleichsmaßnahmen Emissionen kompensieren, die nicht vermieden werden können. Die Formel E wiederum ist bereits lokal klimaneutral, aber sie steht außerhalb der Rennen vor den gleichen Herausforderungen.

Werden Formel E und Formel 1 bald eins?

Das glaube ich nicht, aber die Formel 1 wird Innovationstreiber für Nachhaltigkeit. Hybridmotoren wurden dort sehr weit entwickelt, und ich bin überzeugt, dass sie auch synthetische, klimaneutrale Kraftstoffe stark voranbringen wird.

Lässt sich klimafreundliche Mobilität insgesamt eher mit Technologie oder über
Verhaltensänderungen erreichen?

Das geht Hand in Hand: Technologie kann Menschen zu Verhaltensänderungen bewegen – wenn sie einen Mehrwert bietet, der über den Klimaschutz hinausgeht.

Interview: Christoph Henn