"Flugtaxis haben enormes Potential"

Portrait Frank Thelen
Tech-Investor Frank Thelen ist ein Freund klarer Worte ∙ © ADAC/Michael Englert

Wenn man das Klima schützen will, führt an Elektromobilität kein Weg vorbei, findet Frank Thelen. Gleichzeitig erwartet der Gründer, Technologie-Investor und Autor ("10xDNA – Das Mindset der Zukunft") saubere Innovationen auch im Verkehr jenseits der Straße – und fordert im Interview mehr Unterstützung aus der Politik.

Frank Thelen, zählt die Umwelt zu den Gewinnern von Innovationen im Bereich Mobilität?

Als Gewinner würde ich die Umwelt nicht bezeichnen. Bis jetzt ist sie wegen uns Menschen die große Verliererin. Aber Technologie kann helfen, dass dieser Planet für Menschen überhaupt bewohnbar bleibt.

Welche Technologie wird sich auf der Straße durchsetzen?

Eindeutig Elektromobilität. Motoren, die Benzin oder Diesel verbrennen, können wir uns
einfach nicht mehr erlauben. Sie werden immer CO₂ ausstoßen. Die Klimabilanz von Elektroautos dagegen lässt sich leicht optimieren, indem man Kohlekraftwerke abschaltet und grünen Strom verwendet. Auch die Batterien werden immer besser.

Beim Battery Day von Tesla am 22. September wurde eine neue Generation angekündigt, die nur halb so viel kostet wie die derzeitige und dabei deutlich leistungsstärker und ausdauernder sein soll. Hinzu kommt, dass immer weniger seltene Erden für die Batterieproduktion notwendig sind, was die Ökobilanz der E-Mobilität verbessert.

Was ist mit Brennstoffzellenfahrzeugen, die mit Wasserstoff betrieben werden?

Wasserstoff ist als Energieträger für Autos viel zu kompliziert. Die Effizienz ist zu niedrig, am Ende bleibt zu wenig Energie übrig. Deswegen eignet er sich nur dort als Alternative, wo es nicht anders geht, zum Beispiel für Schiffe oder Flugzeuge auf der Langstrecke. Die Automobilindustrie aber kann sich aus meiner Sicht von der Brennstoffzelle verabschieden.

Für E-Autos braucht man jede Menge Strom. Noch fehlt in Deutschland eine flächendeckende Ladeinfrastruktur. Und haben wir überhaupt die Energiekapazitäten für E-Mobilität in größerem Stil?

Die Sorgen dazu sind übertrieben. Jede Öltankstelle, viele Häuser und Bürogebäude werden zu Stromtankstellen werden. Es stimmt auch nicht, dass die Stromnetze zusammenbrechen, wenn viele E-Autos in Betrieb sind, im Gegenteil: Künftige Akkus können Energie nicht nur aufnehmen, sondern auch abgeben.

Deshalb werden E-Autos das Stromnetz stabilisieren und sogar zu niedrigeren Strompreisen beitragen, weil sie als Energiespeicher helfen, die Nachfrage in den Spitzenzeiten zu bedienen.

Wo liegt jenseits des Autos Potenzial, Mobilität klimaschonender zu gestalten?

Den meisten Menschen ist nicht bewusst, dass der Straßenbau einer der größten CO₂-Treiber ist. Deshalb haben Flugtaxis ein enormes Potenzial, das viele noch unterschätzen. Das Start-up Lilium, an dem ich beteiligt bin, braucht keine Straßen. Seine senkrecht startenden elektrischen Luftfahrzeuge werden klimaneutral fliegen und unsere Umwelt und Wälder unberührt lassen.

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Aber das Flugtaxi wird doch kaum zum Massentransportmittel werden.

Doch, wir wollen damit sehr viele Menschen kostengünstig transportieren. Noch mehr Kapazität auf einmal bietet eine weitere vielversprechende Innovation: der Hyperloop, bei dem Passagierkapseln nahezu ohne Energieaufwand mit bis zu 1500 km/h durch eine Vakuumröhre düsen. Im Idealfall werden die Rohre unterirdisch gebohrt, sodass keine Trassen durch Wälder gebaut werden müssen. Dieses Transportmittel könnte eine große Chance für Europa sein.

Inwiefern? Hinter der Idee steckt doch Elon Musk, ein Amerikaner.

Das stimmt, er hat bereits 2013 ein Whitepaper dazu veröffentlicht und damit Ingenieure aus der ganzen Welt dazu aufgerufen, seine Idee in die Tat umzusetzen. Er veranstaltet sogar jährlich einen Hyperloop-Wettbewerb, der bereits viermal in Folge von dem Hyperloop-Projekt der TU München gewonnen wurde.

Aber auch andere europäische Teams haben vielversprechende Hyperloop-Projekte. Hardt Hyperloop aus Delft, in das wir mit meinem Unternehmen Freigeist investiert haben, hat eine Spurwechseltechnologie entwickelt, die den Aufbau eines effizienten Streckennetzes möglich macht. Unabhängig von meinem Investment hoffe ich, dass ein europäisches Unternehmen das Rennen macht. Wenn die führende Hyperloop-Technologie aus Europa kommen würde, wäre das ein riesiger Sprung für die europäische Wirtschaft.

Was braucht es noch für diesen europäischen Erfolg?

Die klugen Köpfe haben wir bereits. Was jetzt noch fehlt, ist die Unterstützung aus der Politik. Wenn unser Verkehrs- und Wirtschaftsministerium sich zu einer Investition von rund 25 bis 30 Milliarden Euro für die Infrastruktur entscheiden würde, hätten wir eine reelle Chance, Standort Nummer eins zu werden.

Das Interview führte Christoph Henn.

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