DruckenPDFBookmarkKontaktieren Sie uns

- Teure Instandsetzung -

Auto unter Wasser

Was früher als Jahrhundert-Hochwasser zählte, gehört mittlerweile schon fast zum normalen Jahresablauf. Entsprechend häufig heißt es dann nicht nur „Land unter" sondern auch "Auto unter" und es stellt sich die Frage, wie die Autotechnik das verkraftet, wie man sie in Ordnung bringen kann und worauf bei der Schadenregulierung durch Versicherer geachtet werden muss.

Wichtig:

Riskieren Sie keine Folgeschäden! Setzen Sie das Auto im geringsten Zweifel nicht in Betrieb, fahren Sie nicht! Klemmen Sie die Fahrzeugbatterie ab! Rufen Sie beim ADAC an und lassen Sie das Fahrzeug verladen und zur Werkstatt bringen. Sprechen Sie mit Ihrer Versicherung, die Schäden am abgestellt überfluteten Fahrzeug übernimmt die Teilkaskoversicherung.


Die Wassermassen bei einem Hochwasser sind in der Regel durchsetzt mit Sand und Schlamm, teilweise auch mit Abwässern aus der Kanalisation oder Öl aus Heizungstanks der überfluteten Keller. Am Meer enthält das Wasser Salz. Die meisten Bauteile am Fahrzeug sind gegen Spritzwasser geschützt, jedoch nicht gegen längeres Tauchen.

Stand das Auto mehr als etwa 25cm unter Wasser, so können Schäden eintreten an Sensoren, Elektrik, Fahrwerk oder Bremsanlage. Durch kleine Undichtigkeiten im Auspufftrakt kann der Katalysator vollgelaufen sein. Feinste Sande aus dem Schlamm können in Radlager eingedrungen sein und diese langfristig schädigen. In den Seitenschwellern kann sich Dreck und Schlamm abgesetzt haben, der die Feuchtigkeit hält und die Rostbildung fördert.

Selbst wenn das Auto augenscheinlich noch betriebsbereit ist, raten wir zu einer genauen Inspektion des Fahrzeugs durch einen Fachbetrieb und zu einer professionellen Reinigung von Unterboden, Fahrwerkteilen und Hohlräumen.

Ganz grob kann man von folgendem Schema ausgehen:



Wasserstand bis ca. Mitte Stoßfänger (Innenraum noch trocken)

Schadenrisiko noch gering/überschaubar.

Prüfumfang in der Werkstatt: Lenkgetriebe, Betriebs- und Feststellbremse, Gelenke der Antriebswellen, Radlager. Bei ungünstiger Platzierung können aber auch Lichtmaschine, Anlasser oder andere Bauteile in Mitleidenschaft gezogen sein. Angefeuchtete Textilverkleidungen im Innenraum übergangsweise mit saugfähigem Papier unterfüttern (bei stark verschmutztem Wasser kann Ersatz nötig sein).

Wasser über Türschweller bzw. im Innenraum

Schadenrisiko mittel bis hoch, bereits schwer abgrenzbar (von der technischen Konzeption des Fahrzeugmodells abhängig).

Trockenlegung nicht unbedingt ausreichend, da Restfeuchtigkeit aus Kabelbäumen und Steckverbindungen mit zumutbarem Aufwand kaum zu beseitigen ist (Störungen im späteren Fahrbetrieb nicht ausgeschlossen). Zudem verbleiben Schmutzablagerungen in bzw. unter Bodenbelägen und Dämmmatten, auch der Einsatz von Sprühsaugern (Teppichpflege im Haushalt) stößt hier an Grenzen. In der Regel wird man hier Neuteile verwenden müssen, auch weil der Ausbau des meist verklebten Bodenteppichs beschädigungslos nicht möglich ist. Auch Tür -und Seitenverkleidungen sollten entfernt werden, um die dahinterliegenden Bereiche (Hohlräume, auch das Innere der Türschweller) auf Nässe- und Schmutzeintrag hin kontrollieren zu können. Einzukalkulieren ist ein hoher Zeitaufwand - die Größenordnung kann die Werkstatt anhand eines Kostenvoranschlages angeben.

Wir empfehlen, alle im Bodenbereich des Innenraums platzierten Funktions-Bauteile checken zu lassen sowie sicherheitsrelevante Teile (z.B. Gurtstrammer, Gurtaufrollautomaten) prophylaktisch zu tauschen (Kostenfaktor beachten). Auch ein Kat (vollgelaufene Auspuffanlage) wäre ggfs. zu erneuern.

Um eine Größenordnung darzustellen: Ein "nur" bis zur Sitzfläche vollgelaufener Opel Vectra wurde beispielhaft bis in jedes Detail durchkalkuliert - bei fundierter Behebung aller Schäden hätte die Instandsetzungs-Rechnung bei deutlich über 10 000 Euro gelegen.

Wasser bis Scheibenunterkante

Schadenrisiko sehr hoch und, nur nach aufwändiger Bestandsaufnahme abschätzbar. Die Detail-Kalkulation kann man sich sparen: Nach derart hohen Pegelständen muss nahezu immer von einem wirtschaftlichen Totalschaden ausgegangen werden, selbst bei relativ neuen, hochpreisigen Autos.
Ausschlaggebend ist, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit nahezu alle elektrischen/elektronischen Bauteile einschließlich ihrer Kabelbäume geschädigt sind, auch Wassereintritt in Motor und Getriebe sind anzunehmen. Auch die Elektronik-Bestückung hinter dem Armaturenbrett kann zerstört sein. Entsprechend dieser Charakterisierung kann man schon einmal grob abschätzen, in wieweit sich Maßnahmen am betroffenen Auto überhaupt lohnen. Bei kaskoversicherten Fahrzeugen zählt das Urteil des Sachverständigen, ohne Versicherung wird man versucht sein, das Auto in jedem Fall zu retten. Noch so gründliche Reinigungsmaßnahmen müssen aber zwangsläufig "Kosmetik" bleiben - mit zukünftigen massiven Funktionsstörungen wird man hier rechnen müssen. Um nicht unwirtschaftlich hohe Reparaturkosten zu riskieren, empfehlen wir zudem, sich einen Überblick über den "Zeitwert" (Wert des Fahrzeugs ohne Beschädigungen) mit dem ADAC-Gebrauchtwagenrechner zu verschaffen.

Weitere interessante Themen für Sie

Rückrufe

Was war wann? Unsere Rückrufdatenbank gibt präzise Auskunft?  Mehr

In der Werkstatt

Von der Auftragserteilung bis zu Werkstatt. ADAC Tipps. Mehr

Rettungskarte

Sie verkürzt Rettungszeiten deutlich und gehört deshalb in jedes Auto!  Mehr

Mängel am Gebrauchtwagen

Was gilt als Mangel, wann greift die Sachmängelhaftung?  Mehr

Lampenwechsel

Scheinwerferlampen austauschen: Manchmal eine Zumutung!  Mehr

Reifen-Luftdruck

Zu wenig wirkt sich auf Fahrsicherheit, Verschleiß und Kraftstoffverbrauch aus.  Mehr


– Mitgliedschaft –

Mitglieder-Rabatte

Zeigen Sie Ihre ADAC Clubkarte und profitieren Sie weltweit von zahlreichen Ermäßigungen für ADAC Mitglieder. Mehr




– Mein ADAC –

ADAC ReiseService-Newsletter

Aktuelle Informationen rund um Urlaub, Camping und Wassersport Mehr




Ihr Kontakt zum ADAC: Hilfe, Rat und Schutz für Ihre Mobilität