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- RDE, Real Driving Emissions -

Prüfung der Emissionen im tatsächlichen Fahrbetrieb

Um die Abgasemissionen im realen Fahrbetrieb besser abbilden zu können, sollen zukünftig neben den Emissionsmessungen auf Abgasprüfständen direkte Messungen der Emissionen bei Fahrt auf der Straße (RDE, Real Driving Emissions) unter Einsatz portabler Messtechnik (PEMS, Portable Emissions Measurement Systems) erfolgen.
  • Hintergrund
    Trotz Erfüllung strenger Abgasnormen mit niedrigen Grenzwerten im Typgenehmigungszyklus besteht die Gefahr, dass im realen Fahrbetrieb deutlich mehr Emissionen ausgestoßen werden – mit der Folge, dass die Immissionsbelastung kaum sinkt.

    Messungen zeigen, dass insbesondere die Stickoxidemissionen NOx außerhalb des Prüfzyklus deutlich über dem Typgenehmigungsgrenzwert liegen.

    Um die Abgasemissionen im realen Fahrbetrieb besser abbilden zu können, wurden daher im Rahmen des europäischen Abgasgesetzgebungsverfahrens neben den Emissionsmessungen im vorgeschriebenen Typgenehmigungszyklus auf Abgasprüfständen direkte Messungen der Emissionen bei Fahrt auf der Straße (RDE, Real Driving Emissions) unter Einsatz portabler Messtechnik (PEMS, Portable Emissions Measurement Systems) aufgenommen. So soll sichergestellt werden, dass die Automobilindustrie Abgastechniken einsetzt, die wirksam Emissionen über alle Betriebszustände verringern.
  • Gesetzliche Rahmenbedingungen
    Drei Gesetzespakete zu RDE wurden bereits verabschiedet. Die Verordnung (EU) 2016/427 vom 10. März 2016 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 692/2008 hinsichtlich der Emissionen von leichten Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen (Euro 6) legt die Grundlagen für RDE-Messungen mit portabler Messtechnik (PEMS) fest. Mit der Veröffentlichung im Amtsblatt der Europäischen Union, trat das erste Paket zu RDE rückwirkend zum 1. Januar 2016 in Kraft.

    Im 2. Paket, der Verordnung (EU) 2016/646 vom 20. April 2016 zur Änderung der Verordnung (EG) Nr. 692/2008 hinsichtlich der Emissionen von leichten Personenkraftwagen und Nutzfahrzeugen (Euro 6), wurde ein sogenannter Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) für Stickoxide-missionen NOx (zulässige Abweichung der realen Emissionen zum Prüfstandgrenzwert) von 2,1 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle ab 1. September 2017 (ab 1. September 2019 für neu zugelassene Fahrzeuge) festgelegt. Der – vom ADAC geforderte – Übereinstimmungsfaktor von 1,5 gilt erst ab 1. Januar 2020 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle (ab 1. Januar 2021 für neu zugelassene Fahrzeuge).

    Mit dem 3. Paket, der Verordnung (EU) 2017/1154 vom 7. Juni 2017, folgte die Festschreibung eines Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) für Partikelzahlemissionen PN von 1,5 für neu typgenehmigte Pkw-Modelle ab 1. September 2017 (ab 1. September 2018 für neu zugelassene Fahrzeuge).

    Das vierte Gesetzespaket zu RDE ist in Vorbereitung. Dieses soll sich u.a. mit den „In-Use-Conformity-Tests“ befassen.
  • Messablauf und Auswertung laut Norm

    Um eine Vergleichbarkeit bei unterschiedlichen Fahrweisen zu gewähren, gibt es in der Gesetzgebung (Verordnungen (EU) 2016/427 und (EU) 2016/646) zur RDE-Messung einige Parameter, die für eine gültige Messung eingehalten werden müssen.

    Laut Verordnung muss eine RDE-Messung zwischen 90 und 120 min dauern und jeder Streckenanteil (Stadt-, Land- und Autobahnanteil) muss aus mindestens 16 km bestehen. Der Innerortsteil ist durch eine Fahrzeuggeschwindigkeit von maximal 60 km/h gekennzeichnet, der Außerortsteil durch eine Geschwindigkeit von höchstens 90 km/h und der Autobahnbetrieb von mindestens 90 km/h. Insgesamt müssen die Anteile einen ungefähren 1/3-Mix ergeben.

    Zusätzlich gibt es noch einige Kriterien zur Geschwindigkeit und Beschleunigung, wie z.B. maximale Geschwindigkeit, Durchschnittsgeschwindigkeiten oder auch Beschleunigungsanteile. Des Weiteren wird auch auf Umweltbedingungen eingegangen. Dadurch sind Messungen nur von 0 °C bis 30 °C bzw. im erweiterten Bereich von -7 °C bis +35 °C möglich.

    Nachfolgende Abbildung zeigt ein beispielhaftes Messergebnis sowie alle zu erfüllenden Kriterien zu Strecken-, Geschwindigkeits- und Beschleunigungsanteilen (Quelle: Sensors Tech-CT LDV).


    RDE_Grafik_350x490


    RDE_Grafik_350x400



    Nachdem eine Messrunde nach allen Kriterien erfolgreich absolviert wurde, werden die aufgezeichneten Daten ausgewertet und normiert. Hierfür gibt es laut Verordnung zwei Möglichkeiten.

    Die eine Möglichkeit ist die „CLEAR-Auswertung“, entwickelt von der TU Graz. Hier werden die gemessenen Emissionen abhängig von der Radleistung und den fahrzeugspezifischen CO2- Emissionen des WLTPs in verschiedene Leistungsklassen aufgeteilt. Jede Leistungsklasse hat ein bestimmtes Toleranzband, in dem je eine bestimmte Mindestabdeckung von Einträgen gefordert ist.

    Die andere Auswertungsmöglichkeit ist das „EMROAD-Verfahren“, entwickelt von JRC, Joint Research Center. Hier werden die Schadstoffemissionen abhängig von den CO2-Emissionen und der jeweiligen Geschwindigkeit in „gleitende Mittelungsfenster“ aufgeteilt und auf die im WLTP gemessenen durchschnittlichen CO2-Emissionen normiert.

    Der normierte Wert wird anschließend in Relation zum Prüfstandsgrentwert gesetzt und daraus der Übereinstimmungsfaktor (CF, Conformity Factor) bestimmt.



  • Nachweis in den Zulassungsdokumenten
    Pkw, die im Rahmen des Typgenehmigungsverfahrens neben dem vorgeschriebenen Laborprüfzyklus NEFZ (Neuer Europäischer Fahrzyklus) die RDE-Prüfung erfolgreich durchlaufen haben und den vorläufigen NOx-Übereinstimmungsfaktor (CF = 2,1) einhalten, erhalten in der Zulassungsbescheinigung Teil II unter Ziffer 14 den Eintrag „Euro 6d TEMP“ für die Abgasnorm sowie unter Ziffer 14.1. die dazugehörige Emissionsschlüsselnummer „36ZG“.

    Wird bereits der endgültige NOx-Übereinstimmungsfaktor (CF = 1,5) eingehalten, erfolgt in der Zulassungsbescheinigung Teil II unter Ziffer 14 der Eintrag „Euro 6d“ für die Abgasnorm sowie unter Ziffer 14.1. die dazugehörige Emissionsschlüsselnummer „36ZJ“.

    Erfolgt die Typprüfung im Labor nach dem neuen Prüfverfahren WLTP (Worldwide harmonized Light Duty Test Procedure), enthält Zulassungsbescheinigung Teil II unter Ziffer 14 bzw. 14.1. folgende Einträge.

    Bei Einhaltung des vorläufigen NOx-Übereinstimmungsfaktor (CF = 2,1): „Euro 6d TEMP“ mit Emissionsschlüsselnummer „AG“ oder „Euro 6d-TEMP-EVAP“ mit Emissionsschlüsselnummer „BG“.
  • ADAC PEMS-Messungen

    Der ADAC besitzt eine PEMS-Anlage der Firma Sensors „SEMTECH LDV“. Mit dieser können die gasförmigen Emissionen CO, CO2, NO und NO2 (NOx) sowie zusätzlich auch die Partikelanzahl (PN) gemessen werden.

    Im ADAC Ecotest werden alle Fahrzeuge die auf dem Prüfstand mindestens 4 Sterne erreicht haben einer RDE-Messung unterzogen. Damit wird überprüft, ob das Fahrzeug auch unter realitätsnahen Bedingungen auf der Straße genauso sauber ist wie auf dem Prüfstand. Weitere Informationen unter


    Weitere Informationen unter ADAC EcoTest


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