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– Verkehrsmittel –

ADAC Test 2014: Gebrauchtwagenkauf in sechs deutschen Städten

Blitzblank poliert steht der Gebrauchtwagen auf dem Hof des Händlers. Die Mängel, die das Fahrzeug hat, sind erst auf den zweiten Blick zu erkennen. Eine unpräzise Lenkung zum Beispiel. Verschlissene Bremsscheiben oder -beläge. Ein poröser Keilriemen. Schäden oder Rost am Unterboden. Ein undichtes Getriebe. Oder auch Schimmel im Innenraum. Das und noch viel mehr entdeckten die ADAC Tester, die als Kaufinteressenten 36 Gebrauchtwagenhändlern in sechs deutschen Städten besuchten. Da hilft nur eines: Augen auf beim Kauf.

Weitere Informationen zum Gebrauchtwagenkauf


Redaktion: Sabine Behr

Es ist nicht alles Gold, was glänzt

In Berlin, Dresden, Hamburg, Köln, München und Stuttgart waren die ADAC Experten für den Test von 36 Gebrauchtwagenhändlern unterwegs, und sie brachten ganz unterschiedliche Ergebnisse mit. Acht Mal konnten sie zur Note sehr gut greifen, zehn Mal zur Wertung gut und fünf Mal vergaben sie ein zwar mageres, aber immer noch positives Ausreichend. Drei Mal allerdings mussten sie ein Mangelhaft aus dem Noten-Köcher ziehen und zehn Mal gar das Urteil sehr mangelhaft.
  • Große Spannbreite der Ergebnisse
    Die Spannbreite der Ergebnisse ist breit: Sie reicht von gerade mal 199 der 1 000 möglichen Punkte bis zu 938 Punkten. Diese vielen sammelten sich auf dem Konto eines Markenhändlers in München, dessen Renault Grand Scenic sich ordentlich mit gepflegter Originallackierung, schadenfrei und ohne gravierende Mängel präsentierte. Der Verkäufer, ehrlich und kundenorientiert, bot unter anderem eine kostenlose Gebrauchtwagengarantie und einen guten Preis, der dem Wert des Fahrzeugs entsprach.

    Am anderen Ende der Skala platzierte sich ein freier Autohändler in Hamburg. Die Lenkung seines Alfa Romeo 159 Sportwagon hatte so starkes Spiel, dass die Tester das Fahrzeug als nicht verkehrssicher einstufen mussten. Der desinteressierte Händler aber wies auf keinen der gravierenden Mängel, unter anderem auch an Bremsen, Reifen und Felgen, hin. Darauf angesprochen, bot er keine Instandsetzung an, beharrte allerdings auf seinem Preis, der sage und schreibe 51 Prozent über dem Fahrzeugwert lag.
  • Überhöhte Preise
    Diese Preisgestaltung war zwar der Höhe nach ein Einzelfall, die geforderten Preise lagen aber des Öfteren über dem von den Kfz-Sachverständigen ermittelten, tatsächlichen Fahrzeugwert. Gleich ein Viertel der Händler bekam dafür die Wertung sehr mangelhaft. Insgesamt ließen sich nur acht von ihnen auf einen Rabatt ein. Bis zu sieben Prozent konnten die Tester hier rausholen. Manchmal gab es jedoch kostenlose oder zumindest verbilligte Zugaben wie zum Beispiel Winterreifen. Der ein oder andere Händler ließ sich allerdings die Beseitigung von Mängeln vom Käufer ganz oder teilweise bezahlen, was den Preis des Autos erhöhte.
  • Zwölf Fahrzeuge mit K.O.-Wertung
    Gleich zwölf Mal musste eine der K.O.-Wertungen vergeben werden, die eine gesamte Test-Kategorie auf null Punkte setzen, wenn ein Mangel oder ein Fehlverhalten gravierend sind. So waren schwere Mängel am Bremssystem bei zwei Fahrzeugen in Köln und Stuttgart der Grund dafür, dass sie als nicht mehr verkehrssicher eingestuft wurden und damit automatisch ein Sehr Mangelhaft in der gesamten Kategorie technischer Zustand erhielten. Gleiches gilt für zwei Fahrzeuge von Hamburger Händlern: den oben bereits beschriebenen Alfa und ein Fahrzeug mit sehr stark ausgeschlagenem Traggelenk an der Vorderachse. Bei vier Händlern in Hamburg, Köln, München und Dresden wichen die Angaben im Internet zum Zustand des Fahrzeugs gravierend von den tatsächlichen Gegebenheiten ab. Einmalig im Test: Der Skoda Roomster in Dresden diente in seinem früheren Leben als Fahrschulauto. Deshalb hatte er zweite (funktionsfähige) Bedienelemente im Fußraum des Beifahrers. Sie waren abgeschraubt und lagen im Kofferraum. Darauf hingewiesen wurden die Tester allerdings weder im Internet noch vom Verkäufer.

    In Berlin wurde der Tester mit einem Kurzzeitkennzeichen auf Probefahrt geschickt, das der Händler einfach von einem anderen Auto abschraubte. Damit war das Auto praktisch nicht zugelassen. Ein Händler in Stuttgart meinte, einen nicht fachgerecht reparierten Unfallschaden verschweigen zu müssen. Als Blender entpuppte sich ein Wagen in Köln, der mit viel Lackspray und Farbe oberflächlich aufgehübscht worden war. Und schließlich werteten unsere Experten den Schimmel im Inneren eines Fahrzeugs bei einem Händler in Dresden als gesundheitsschädlich, was der Note ebenfalls nicht bekam.
  • Die häufigsten Mängel beim Verkauf
    Sowohl Markenhändler als auch freie Händler halten sich mit der Aufzählung von Mängeln am Fahrzeug gerne zurück und reagieren erst, wenn der Kaufinteressent die Defizite anspricht. Aber auch dann sind sie selten bereit, sie zu beseitigen. Ein Berliner Händler schoss den Vogel ab: Er schlug vor, die blinkende Motorkontrollleuchte einfach außer Betrieb zu setzen. Oftmals kennen die Verkäufer das Fahrzeug, das sie an den Mann bringen sollen, gar nicht richtig. Wen wundert es da, dass sie über die Geschichte des Wagens oder anstehende Reparaturen nichts sagen können. Mal ganz abgesehen von dem Desinteresse, das mancher an den Tag legte. Umgekehrt nervte es aber ebenso, wenn der Verkäufer auf einen schnellen Abschluss drängte. Schlechte Werbung auch, wenn das Verkaufsgespräch in wenig einladenden Containern stattfindet oder das Auto nicht einmal einen Waschgang wert war. Mit einem Drittel der Wagen unternahmen die Tester eine Probefahrt ohne vorherige Einweisung. Erstaunen riefen auch die vier Verkäufer hervor, die sich die Probefahrt extra zahlen ließen.
  • Die häufigsten Mängel beim Fahrzeug
    Auf der technischen Seite fielen vor allem die Reifen negativ auf: Sehr oft waren sie älter als sechs Jahre. Ab diesem Alter aber verändert sich die Gummimischung so stark, dass die Bremswirkung nachlässt. Auch gab es zahlreiche Schäden an den Laufflächen, Felgen, Achsen oder der Radaufhängung. Die Bremsen waren ebenfalls nicht immer einwandfrei. Zu oft waren Bremsscheiben und -beläge an der Verschleißgrenze oder korrodiert sowie die Bremsflüssigkeit zu wenig. Und als regelrechte Stiefkinder kann man die Reifen-Pannensets, Verbandskästen und Warndreiecke, aber auch Wagenheber, Radmutterschlüssel und das Reserverad selbst bezeichnen. Sie fehlten gerne mal ganz oder in Teilen, oder das Haltbarkeitsdatum war abgelaufen.

    Der Test macht deutlich, dass man beim Gebrauchtwagenkauf kein Rund-um-sorglos-Paket erwarten kann. Die wenigsten Fahrzeuge sind so hergerichtet, dass der Käufer ohne Einschränkungen vom Hof fahren kann. Um die Defizite des Wunschfahrzeugs zu erkennen, bedarf es der Eigeninitiative.

Markenhändler oder freier Händler:
Die Unterschiede

2,3 Millionen Gebrauchtwagen wechselten 2013 über einen Markenhändler den Eigentümer, 1,7 Millionen über einen freien Autohändler. In Euro ausgedrückt, ist der Unterschied wesentlich deutlicher: Hier stehen 31,6 Milliarden Euro Umsatz der Markenhändler 14,4 Milliarden der Freien gegenüber. Wobei der Markenhändler längst nicht mehr nur „seine“ Marke verkauft. Auf seinem Hof stehen immer mehr Autos, die von Käufern eines Neuwagens markenunabhängig in Zahlung genommen wurden und als Gebrauchtwagen auf einen neuen Käufer warten.
  • Markenhändler serviceorientierter
    Im ADAC Test finden sich im oberen Drittel der Rangliste fast nur Markenhändler, im unteren hingegen meist die freien Händler, die häufig K.O.-Wertungen einstecken mussten. Das heißt nicht, dass man bei den Freien nur schlechte Fahrzeuge erwarten kann. Aber die Markenhändler boten häufiger instandgesetzte Fahrzeuge oder die Behebung der Mängel vor dem Verkauf an, ebenso kostenlose Dienstleistungen wie zum Beispiel Inspektionen sowie komplett saubere und in dieser Hinsicht gut aufbereitete Fahrzeuge. Sie präsentierten sich serviceorientierter und damit näher am Kunden. Viele freie Händler, im Test sogar die überwiegende Mehrheit, haben allerdings gar keine eigene Werkstatt, sodass sie Instandsetzungsarbeiten von anderen Betrieben durchführen lassen müssen. Und so waren denn auch sechs der insgesamt acht Autoverkäufer im Test, die keine Mängelbehebung angeboten haben, freie Händler. Bleibt der Preis: Die sieben Verkäufer, die mit ihren Preisen unter dem marktüblichen Fahrzeugwert blieben, waren ausschließlich Markenhändler.

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