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– Messungen VW 1.2 TDI (55 kW) (Test 12/2016) –

Verbessert die Softwareanpassung auch den Dreizylinder-TDI?

Im Verdacht hatte die amerikanische EPA (Umweltschutzagentur) VW jahrelang: beim 2.0 TDI ginge nicht alles mit rechten Dingen und ganz gesetzeskonform zu. Am Ende konnte sie dem Wolfsburger Autokonzern in USA illegale Softwaretricksereien nachweisen. Diese nicht zulässige Prüfstandserkennung wurde auch in den europäischen Modellen verbaut. Über einen Rückruf mit Softwareupdate und teilweise kleinen baulichen Anpassungen werden die Dieselmotoren des Typs EA189 nun vorschriftskonform modifiziert.

Auch der in Europa verkaufte kleinere Dreizylinder mit 1,2 Liter Hubraum ist vom Rückruf betroffen. Der ADAC hat nun wie schon beim Golf 2.0 TDI einen Polo mit 1.2 TDI gekauft (weil das mit Abstand meistverkaufte Modell mit diesem Motor) und genau untersucht, wie sich das Fahrzeug vor und nach dem Software-Update verhält.

Die Herausforderung bleibt die gleiche: allgemein sind der Verbrauch bzw. der CO2-Ausstoß, der Stickstoffoxid- (NOx) sowie der Rußpartikelausstoß ein Zielkonflikt. Optimiert man an einer Stelle, verschlechtert sich ein anderer Wert. Die Kunst ist, die Verbrennung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (verbaute Einspritztechnik) so zu modifizieren, dass in diesem Dreiklang der NOx-Ausstoß sinkt, ohne dass Verbrauch oder Partikelemissionen ansteigen.

Untersucht wurden bei diesem Polo 1.2 TDI mit 75 PS (55 kW) die Leistung und die Fahrbarkeit des Motors sowie der Verbrauch und der Schadstoffausstoß, jeweils vor und nach dem Software-Update.

Leistungsmessung

Die Leistungsmessung war ein Teil der Fahrzeuguntersuchung. Die folgenden Diagramme stellen die Leistungs- und Drehmomentwerte vor und nach dem Update dar.


Nachmessung_Polo_Diagramm01_378x205.jpg


Die Motorleistung des 1.2 TDI ändert sich praktisch nicht, die Leistungskurve steigt nun schon etwas früher an, was Vorteile bei niedrigeren Drehzahlen mit sich bringt. Wie aus dem Diagramm ersichtlich liegt die Maximalleistung vor wie nach dem Update bei rund 59 kW und damit immerhin 4 kW über der Herstellerangabe.


Nachmessung_Polo_Diagramm02_378x225.jpg


Die Drehmomentkurve steigt nach dem Update etwa 100 U/min. früher an. Die Drehmomentspitze um 1.900 U/min. ist etwas geglättet, in der Summe hat man nun über ein breiteres Drehzahlband hohes Drehmoment zur Verfügung, was üblicherweise schaltfaules Fahren begünstigt.


  • Ansprechverhalten des Motors

    Die Fahrbarkeit des Polo 1.2 TDI hat sich nicht verschlechtert durch das Update, im Gegenteil sogar leicht verbessert, weil nun bei niedrigeren Drehzahlen schon mehr Leistung zur Verfügung steht. Der subjektive Eindruck wird auch durch die Messwerte bestätigt. Bei den Beschleunigungs- und Durchzugsmessungen konnten keine Nachteile festgestellt werden. Wenn in hohen Gängen aus niedrigen Drehzahlen beschleunigt wurde, zeigten sich leichte Verbesserungen durch das oben beschriebene frühere Ansprechen. Ansonsten konnten keine Unterschiede festgestellt werden, das Anfahrverhalten sowie die Laufkultur des Motors haben sich nicht geändert. Auch auf die Motorgeräusche und die Vibrationen des Fahrzeugs hatte diese Maßnahme keinen Einfluss.


  • Abgas- und Verbrauchsmessungen

    Wie schon mit dem Golf 2.0 TDI wurden auch mit dem Polo 1.2 TDI vor und nach dem Update jeweils drei Messzyklen gefahren: ein „Weltzyklus“ WLTC und ein Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest sowie eine NEFZ-Messung nach Homologationsvorschriften, um die korrekte Funktion des Motors und eventuelle Abweichungen exakt feststellen zu können. NEFZ steht für den „Neuen Europäischen FahrZyklus“, der Grundlage für die Typzulassung und die Hersteller-Verbrauchsangabe ist (weitere Informationen zum ADAC EcoTest).


    Nachmessung_Polo_Diagramm03_350x318.jpg


    Die Gegenüberstellung der NOx-Werte vor und nach der Softwareaktualisierung zeigt einen leichten Anstieg im NEFZ – der 1.2 TDI bleibt aber immer noch deutlich unter dem gesetzlichen Grenzwert von 180 mg/km (Euro5 Norm). Eine deutliche Verbesserung ergibt sich aber, wenn man außerhalb des gesetzlichen Zulassungszyklus unterwegs ist, dann reduzieren sich die Stickstoffoxid-Emissionen um 23 bis 25 Prozent. Insbesondere die Verbesserung bei hohen Lasten (Autobahnzyklus) ist signifikant. Wie schon beim 2.0 TDI im Test schafft VW tatsächlich die versprochene Verbesserung.


    Nachmessung_Polo_Diagramm04_350x288.jpg


    Die CO2-Messwerte vor und nach dem Update ändern sich kaum, weisen nur eine leichte Erhöhung im Autobahnzyklus auf. Die Messgenauigkeit bei einem direkten Vergleich kann hier bis +/- 2 Prozent schwanken, da das Auto zwischen den Messungen vom Prüfstand abgebaut wurde, um in der VW-Werkstatt das Motor-Softwareupdate zu erhalten.


Die Qualität unserer Verbraucherschutztests wird umfassend und zuverlässig abgesichert. Die Qualitätssicherung umfasst alle Maßnahmen, die der Schaffung, Sicherung und Verbesserung der Qualität dienen. Wir legen deshalb höchste Maßstäbe bei unserer Arbeit an. Mehr


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