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– Messungen VW 1.6 TDI (77 kW) (Test 01/2017) –

Mit Sieb und Software für weniger Stickoxide

Den Ausgangspunkt nahm die Geschichte in den USA: Jahrelang hatte die amerikanische EPA (Umweltschutzagentur) VW im Verdacht, bei den 2.0 TDI Motoren nicht so ganz mit zulässigen Mitteln zu arbeiten. Am Ende konnte sie dem Wolfsburger Autokonzern in USA illegale Softwaretricksereien nachweisen. Diese nicht zulässige Prüfstandserkennung wurde auch in den europäischen Modellen verbaut. Über einen Rückruf mit Softwareupdate und teilweise kleinen baulichen Anpassungen werden die Dieselmotoren des Typs EA189 nun vorschriftskonform modifiziert.

Neben dem 2,0-l-Dieselmotor ist auch der 1,6-l-TDI mit vier Zylindern vom Rückruf betroffen. Der ADAC hat nun wie schon beim Golf 2.0 TDI und dem Polo mit 1.2 TDI einen weiteren Golf Variant mit 1.6 TDI gekauft und genau untersucht, wie sich das Fahrzeug vor und nach dem Software-Update und der kleinen baulichen Änderung verhält.

Die Herausforderung bleibt die gleiche: allgemein sind der Verbrauch bzw. der CO2-Ausstoß, der Stickstoffoxid- (NOx) sowie der Rußpartikelausstoß ein Zielkonflikt. Optimiert man an einer Stelle, verschlechtert sich ein anderer Wert. Die Kunst ist, die Verbrennung mit den zur Verfügung stehenden Mitteln (verbaute Einspritztechnik) so zu modifizieren, dass in diesem Dreiklang der NOx-Ausstoß sinkt, ohne dass Verbrauch oder Partikelemissionen ansteigen.

Untersucht wurden bei dem Golf Variant 1.6 TDI mit 105 PS (77 kW) die Leistung und die Fahrbarkeit des Motors sowie der Verbrauch und der Schadstoffausstoß, jeweils vor und nach dem Software-Update.

Leistungsmessung

Die Leistungsmessung war ein Teil der Fahrzeuguntersuchung. Die folgenden Diagramme stellen die Leistungs- und Drehmomentwerte vor und nach dem Update dar.


VW_Messung_2017_Diagramm_01_378x204.jpg


Die Motorleistung des 1.6 TDI ändert sich kaum, die Leistungskurve steigt nun schon etwas früher an und insgesamt auch höher als zuvor – der Vierzylinder hat nach dem Update 6 kW mehr Maximalleistung als zuvor.


VW_Messung_2017_Diagramm_02_378x224.jpg


Die Drehmomentkurve steigt nach dem Update früher an und zeigt auch hier ein insgesamt höheres Niveau; bis zu 10 Nm mehr stehen zur Verfügung. Über einen breiten Drehzahlbereich steht ein hohes Drehmoment zur Verfügung, was schaltfaules Fahren insgesamt begünstigt und beim Spritsparen unterstützt.


  • Ansprechverhalten des Motors

    An der Fahrbarkeit des Golf Variant 1.6 TDI ändert sich durch das Update nichts, das Ansprechverhalten bleibt weitgehend gleich, die höhere Leistung wirkt sich in geringfügig besseren Beschleunigungswerten aus. Der subjektive Eindruck wird auch durch die Messwerte bestätigt. Bei den Beschleunigungs- und Durchzugsmessungen konnten keine Nachteile festgestellt werden. Wenn in hohen Gängen aus niedrigen Drehzahlen beschleunigt wurde, zeigten sich leichte Verbesserungen durch das oben beschriebene höhere Drehmoment. Ansonsten konnten keine Unterschiede festgestellt werden, das Anfahrverhalten sowie die Laufkultur des Motors haben sich nicht geändert. Auch auf die Motorgeräusche und die Vibrationen des Fahrzeugs hatte diese Maßnahme keinen Einfluss.


  • Abgas- und Verbrauchsmessungen

    Wie schon mit dem Golf 2.0 TDI und dem Polo 1.2 TDI wurden mit dem Kombi und seinem 1.6 TDI vor und nach dem Update jeweils drei Messzyklen gefahren: ein „Weltzyklus“ WLTC und ein Autobahnzyklus nach ADAC EcoTest sowie eine NEFZ-Messung nach Homologationsvorschriften, um die korrekte Funktion des Motors und eventuelle Abweichungen exakt feststellen zu können. NEFZ steht für den „Neuen Europäischen FahrZyklus“, der Grundlage für die Typzulassung und die Hersteller-Verbrauchsangabe ist (weitere Informationen zum ADAC EcoTest).


    VW_Messung_2017_Diagramm_03_350x261.jpg


    Die Gegenüberstellung der NOx-Werte vor und nach der Softwareaktualisierung zeigt bereits eine Verbesserung im NEFZ – bei den beiden anderen Varianten war hier noch eine leichte Verschlechterung festzustellen. In jedem Fall wird aber der gesetzliche Grenzwert von 180 mg/km (Euro5 Norm) im NEFZ nicht überschritten. Eine erhebliche Verbesserung ergibt sich jedoch, wenn man außerhalb des gesetzlichen Zulassungszyklus unterwegs ist, dann reduzieren sich die Stickstoffoxid-Emissionen um über 50 bis fast 60 Prozent. Das ist nochmals deutlich besser als bei den anderen getesteten Varianten. Insbesondere die Verbesserung bei hohen Lasten (Autobahnzyklus) ist signifikant. Wie schon beim 2.0 und beim 1.2 TDI im Test schafft VW tatsächlich die versprochene Verbesserung.


    Nachmessung_2017_Diagramm04neu_350x261.jpg


    Die Verbrauchsmesswerte vor und nach dem Update ändern sich wenig, weisen nur eine leichte Erhöhung im Autobahnzyklus auf. Die Messgenauigkeit bei einem direkten Vergleich kann hier bis +/- 2 Prozent schwanken, da das Auto zwischen den Messungen vom Prüfstand abgebaut wurde, um in der VW-Werkstatt das Motor-Softwareupdate zu erhalten.


Die Qualität unserer Verbraucherschutztests wird umfassend und zuverlässig abgesichert. Die Qualitätssicherung umfasst alle Maßnahmen, die der Schaffung, Sicherung und Verbesserung der Qualität dienen. Wir legen deshalb höchste Maßstäbe bei unserer Arbeit an. Mehr


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