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- ADAC Test LKW Unterfahrschutz -

Standard-Schutz kann tödlich enden

Schwerste oder tödliche Verletzungen bei Auffahrunfällen auf Lastwagen und Anhänger sind keine Seltenheit – trotz gesetzlich vorgeschriebenem Heckunterfahrschutz. Der ADAC hat schon 2006 den Standard-Unterfahrschutz nach EU-Richtlinie untersucht und zum Vergleich eine mit einfachen Mitteln verbesserte Variante unter gleichen Bedingungen gecrasht. Das Ergebnis: tödliche Verletzungen beim Standard-Schutz, nur leichte Verletzungen beim verbesserten Unterfahrschutz nach ADAC-Vorschlag.


Erfolg für den ADAC: Die Änderung der internationalen Verordnung (Nummer 58) wurde in einer Sitzung der UNECE WP.29 vom 10. Bis 13. November 2015 beschlossen, womit die EU in naher Zukunft einen besseren Unterfahrschutz vorschreibt. Allerdings mussten dabei Kompromisse eingegangen werden, so dass die Anforderungen nicht soweit erhöht wurden, wie vom ADAC vorgeschlagen.

Das vorgeschriebene Unterfahrschutz-System für LKW und Anhänger (über 3,5 Tonnen) schützt Pkw-Insassen nicht ausreichend vor lebensbedrohlichen Verletzungen. Jährlich verunfallen in Deutschland rund 40 Pkw-Insassen bei Auffahrunfällen auf Lastfahrzeuge tödlich, rund 400 Personen werden schwer verletzt. Aus Untersuchungen ist bekannt, dass durch verbesserte Unterfahrschutz-Systeme 57 % der tödlichen und 67 % der schweren Verletzungen verhindert werden könnten. Und das zu Kosten von weniger als 100 Euro je Fahrzeug.
  • Warum die bisherigen Vorschriften unzureichend sind
    Hauptursache für das hohe Verletzungsrisiko sind die zu geringen Prüflasten bei der Zulassung. Daher muss die Verbindung zwischen Unterfahrschutz-System und Lkw-Rahmen nicht besonders stabil ausgeführt sein. Das Standard-System nach EU-Richtlinie bricht bei einem Aufprall des Pkw unmittelbar weg, so dass der Pkw weit unter den Lastwagen rutscht. Je nach Aufprallgeschwindigkeit wird dabei die Fahrgastzelle bis zu den hinteren Türen komplett zerstört. Zusätzlich drückt die Bordwand des Lkws die Pkw-Airbags herunter, so dass diese die Fahrgäste nicht schützen können. Dies hat auch der ADAC in seinem Crashtest 2006 nachgewiesen.

    Das zuständige Gremium der UNECE Working Party 29, die GRSG (Working Party on General Safety Provisions), hat die Misslage erkannt und hat die Anforderungen für den Lkw-Unterfahrschutz überarbeitet. Dafür wird die UNECE-Verordnung 58, Grundlage für eine Anpassung der oben genannten EU-Richtlinie, novelliert.
  • Einfacher Weg zum sicheren Unterfahrschutz
    Aus Sicht des ADAC lässt sich die Stabilität des LKW-Unterfahrschutz einfach und kostengünstig optimieren: 

    • Deutlich stabilere Unterfahrschutz-Systeme
      Nur deutlich stabilere Systeme können lebensbedrohliche Verletzungen bei den Pkw-Insassen verhindern. Daher müssen die statischen Prüflasten für die Zulassung von Unterfahrschutz-Systemen dringend angehoben werden.
    • Niedrigere Montage
      Ein tiefer reichendes Unterfahrschutz-System mildert die Unfallfolgen ab. Der auffahrende Pkw kann die Energie besser abbauen, wenn er an seiner tragenden Struktur getroffen wird. So wird verhindert, dass der Pkw weit unter den Lastwagen rutscht, mit verheerenden Folgen für die Pkw-Insassen. Nach Ansicht des ADAC sollte die zulässige Höhe des Unterfahrschutzes daher von 550 auf 450 Millimeter reduziert werden.
    • Unterfahrschutz nah an der Bordwand
      Laut EU-Richtlinie darf sich ein Unterfahrschutz bei der Typprüfung um maximal 400 Millimeter durchbiegen. Verformt er sich kaum oder weniger, ist es sogar erlaubt, ihn bis zu 400 Millimeter vor der Bordwand zu montieren – also ein gutes Stück unter dem Lkw. Dem auffahrenden Pkw nimmt dies allerdings wertvollen Platz für den „Deformationsweg“. Besonders bei kurzen Fahrzeugen hat die Knautschzone damit kaum helfen. Der Unterfahrschutz muss daher möglichst nah am Heck des Lkw angebracht werden. 
    Die Verbesserung der Unterfahrschutz-Systeme ist extrem effektiv, lebensrettend und kostengünstig.

  • Erkenntnisse aus der ADAC Unfallforschung
    Aus der ADAC Unfallforschung ist bekannt, dass schwerste und tödliche Verletzungen bei Auffahrunfällen von Pkw auf Lastwagen und deren Anhänger trotz gesetzlich vorgeschriebenem Heckunterfahrschutz keine Seltenheit sind. Die amtliche Unfallstatistik belegt, dass das Risiko tödlicher Verletzungen beim Zusammenprall zwischen Pkw und Lkw mehr als dreimal so hoch ist als beim Unfall zwischen zwei Pkw. Bei genauer Analyse der Unfälle ist erkennbar, dass der am Lastwagen angebrachte Heckunterfahrschutz häufig den auftretenden Belastungen nicht standhält und abreißt. Der Pkw rutscht dann weit unter den Lkw und der Überlebensraum für die Insassen verringert sich dramatisch.


    Ausführliches zur ADAC Unfallforschung


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