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– Innovative Rückhaltesysteme auf der Rückbank im ADAC Test 09/2015 –

Mehr Sicherheit für Fondpassagiere

Nur Insassen zweiter Klasse? Bei Unfallauswertungen zeichnet sich für Fondpassagiere ein erhöhtes Verletzungsrisiko für schwere Kopf-, Brust- und Halswirbelsäulen-Verletzungen ab. Der ADAC hat deshalb die neueste Generation innovativer Rückhaltesysteme auf der Rückbank untersucht und zeigt mögliche Lösungen auf.

Auf den Vordersitzen sind Airbags in Kombination mit Gurtstraffern und Gurtkraftbegrenzern seit Jahren selbstverständlich und deren Schutzwirkung hat sich bewährt. Doch auf der hinteren Sitzreihe verbauen viele Fahrzeughersteller nur einfache Gurte, die bei Zugbelastung nur starr verriegeln. Spitzen von bis zu einer Tonne Last wirken beim Unfall dadurch auf den Insassen; vor allem auf dessen Brustkorb, der vom Gurt gehalten wird. Warum sind die Autohersteller hier so sparsam? Schon ein einfacher Gurtkraftbegrenzer würde im entscheidenden Moment etwas nachlassen und kann dadurch die hohen Belastungen auf den Körper erheblich mindern. Sehr nützlich wirkt auch ein Gurtstraffer: Er zieht den Gurt um bis zu 15 cm an, um den Insassen richtig zu positionieren. Damit verhindert er ein Durchrutschen des Beckens unter dem Gurt und gewinnt so sehr wichtige Zentimeter, die zum Energieabbau nötig sind.

  • Aufblasbare Gurte
    Einen Schritt in die richtige Richtung haben sowohl Ford als auch Mercedes getan. Sie bieten – auch ohne gesetzliche Notwendigkeit – aufblasbare Gurte auf der Rückbank an. Das Schutzpotential des „Airbag-Gurtes“ liegt in der Vergrößerung der Auflagefläche, was die Druckbelastung auf den Brustkorb und das Risiko von Rippenbrüchen reduziert. Eine qualifizierte Aussage über die Schutzwirkung fällt jedoch schwer, da die üblichen Crashtestdummys diese Belastung nicht ausreichend darstellen können. Einen Airbag vollständig ersetzen, kann indes der aufblasbare Gurt mit dem begrenzten Volumen nicht. Das mag nicht nur an Kosten sondern auch an der schwierigen Umsetzung und den damit verbundenen Einschränkungen liegen.

  • Extra Airbags

    Eine Airbag-Konstruktion im Dachhimmel würde etwa Glasdächer einschränken, ein Airbag aus dem Vordersitz müsste diesen im Einstellbereich stark eingrenzen und den Sitz deutlich stabiler und damit auch schwerer machen. Kein Konzept für alle Fahrzeuge also. Als Lösung für geräumigere Fahrzeuge, die eher auf den Transport von Fondinsassen ausgelegt sind, wäre der Airbag auf der Rückbank durchaus umsetzbar. Als erste Lösung ist der Airbag-Gurt freilich ein guter Kompromiss. Ein Nachteil des aufblasbaren Gurtes ist allerdings, dass der Verbau von universellen Kindersitzen der Gruppe 0/0+ und 1 nicht möglich ist. In der Regel werden für diese Gewichtsklassen Isofix Kindersitze empfohlen.



  • Praktikable Lösungen

    Als Basis sollten jedenfalls Gurtstraffer und Kraftbegrenzer auf der Rückbank in allen Fahrzeugen zur Serienausstattung werden; insbesondere in Kleinstfahrzeugen, da hier kaum Raum für den Energieabbau zur Verfügung steht. Innovative, aufblasbare Gurte zeigen Potential als praktikable Lösung, sind aber durch die limitierte Größe und Geometrie kein gleichwertiger Ersatz für einen „echten“ Airbag, der den Insassen großflächig auffangen kann. Für spezielle Fahrzeuge, die auf den regelmäßigen Personentransport auf der Rückbank bestimmt sind (etwa Kleinbusse und Taxis), sollte in Zukunft auch ein vollwertiger Airbag schützen. Und jedwede Rückhalteinrichtungen gehören auch in der Schutzwirkung optimierte Kopfstützen.


Die Qualität unserer Verbraucherschutztests wird umfassend und zuverlässig abgesichert. Die Qualitätssicherung umfasst alle Maßnahmen, die der Schaffung, Sicherung und Verbesserung der Qualität dienen. Wir legen deshalb höchste Maßstäbe bei unserer Arbeit an. Mehr


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