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– ADAC Crashtest Kompatibilität 2015 –

Gut bis mangelhaft: Kompatibilitätscrash Kompaktklasse

Die Sicherheit im Auto gibt es nicht durch eine lange Motorhaube oder ein hohes Fahrzeuggewicht. Es kommt auf die Gestaltung der Karosserieelemente an, damit die Energie eines Zusammenstoßes für die Fahrzeuginsassen möglichst ungefährlich absorbiert wird. Dafür haben in den letzten Jahrzehnten die Autohersteller ihre Hausaufgaben mehr oder minder gut erledigt – wie etwa die Crashtests gemäß Euro NCAP-Standard offenbarten. Laut ADAC Unfallforschung deckt der Standard-Crashtest rund 75 % der Frontunfälle ab. Durch den vom ADAC entwickelten Kompatibilitätstest können aber auch die restlichen Unfalltypen abgedeckt werden, wie z. B. Streifkollisionen, Baumunfälle, Unfälle mit sehr unterschiedlichen Unfallgegnern usw. Damit kann die passive Sicherheit von Fahrzeugen unterschiedlicher Klassen miteinander verglichen werden.

Wichtig dabei: Die Strukturen der Karosserie müssen zueinander passen. Die Fahrzeuge benötigen ein sogenanntes Schutzschild unter der Frontverkleidung, das bei allen Unfalltypen einen optimalen Energieabbau gewährleistet. Das neue ADAC Testverfahren mit drei Vertretern aus der unteren Mittelklasse im Jahr 2015, drei Fahrzeugen aus der Mittelklasse im Jahr 2013 und vier Fahrzeugen der Kleinwagenklasse zeigen, dass es möglich ist und auch, wo es Lücken gibt.

Der neue ADAC-Crashtest für mehr Kompatibilität ist bereits international anerkannt und soll in absehbarer Zeit beim Crashtest nach EuroNCAP aufgenommen werden. Hierdurch können nach Einschätzung von Unfallexperten in Deutschland pro Jahr über 150 weniger Verkehrstote und rund 2100 weniger Schwerverletzte realisiert werden.


Honda_Civic_165x87.jpgRenault_Mégane_165x87.jpgVW_Golf_165x87.jpg
Honda CivicRenault MeganeVW Golf
KompatibilitätDie Knautschzone des Honda Civic ist gut gestaltet. Sein Vorbau hat keine harten Strukturen, ist vergleichsweise homogen aufgebaut und nimmt beim Unfall viel Energie auf. Er überlastet deshalb auch leichtere Unfallgegner nicht. Sein „Schutzschild“ deckt nahezu den gesamten Bereich an der Fahrzeugfront ab, was bei ungünstigen Unfallkonstellationen, z. B. bei geringer Überdeckung, auch seinen eigenen Insassen zu Gute kommt.Die Gestaltung der Knautschzone des Renault Mégane wird mit ausreichend bewertet. Die Steifigkeiten der Bauteile an der Fahrzeugfront unterscheiden sich erheblich, insbesondere die Längsträger geben beim Unfall nur wenig nach. Das erhöht die Gefahr von lokalen Überlastungen beim Mégane und dessen Unfallgegner. Zudem weist der Schutzschild des Mégane besonders im äußeren Bereich Lücken auf. Wird er dort getroffen, dann besteht die Gefahr, dass der Gegner mit hoher Geschwindigkeit auf die Fahrgastzelle trifft und dadurch hohe Belastungen auf die Fahrgastzelle und die Fahrzeuginsassen wirken.Die Gestaltung der Knautschzone des VW Golf wird mit mangelhaft bewertet. Es gibt sowohl sehr steife Längsträger, die sich in den Unfallgegner bohren, als auch sehr weiche Bereiche, in denen bei einer Kollision nur wenig Energie abgebaut wird. Durch diese Auslegung ist die Gefahr von lokalen Überlastungen – beim Unfallgegner, aber auch beim VW Golf selbst – sehr groß. Der Schutzschild des Golf weist außen deutliche Lücken auf. Wird er dort getroffen, dann besteht die Gefahr, dass der Gegner mit hoher Geschwindigkeit auf die Fahrgastzelle trifft und deshalb hohe Belastungen auf die Insassen wirken.
Civic_165x118.jpgMegane_165x118.jpgGolf_165x118.jpg
Schutzschild an der Fahrzeugfrontgutausreichendmangelhaft
Bewertung der Struktur


Bewertung_01_533x19.jpg


Honda CivicRenault MèganeVW Golf
FahrerseiteCivic_75x143.jpgMegane75x143.jpgGolf_75x143.jpg
Der Bereich vor dem Vorderrad ist deutlich besser geschützt als bei den meisten anderen Fahrzeugen – der besonders „verwundbare“ Bereich, der kaum Energie aufnehmen kann, ist sehr klein. Für den Fahrer bedeutet es, dass auch bei geringer Überdeckung beim Crash die Aufprallgeschwindigkeit auf die Fahrgastzelle weitgehend abgebaut ist und der Überlebensraum intakt bleibt, Airbag und Gurte können den Fahrer auffangen. Leider wird der Fahrschemel der Vorderachse beim Crash durch die PDB Barriere nach hinten geschoben und prallt mit seinem hinteren Ende an den Fahrerfußraum. Dieser Schlag wird direkt an die Beine des Fahrers weitergegeben und verursacht ein hohes Verletzungsrisiko für seine Unterschenkel. Das Verletzungsrisiko der anderen Körperbereiche ist gering.

Im gelb und insbesondere im orange eingefärbten Bereich ist der Mégane zu weich. Der Schutzschild des Renault hat hier gravierende Lücken, beim Unfall mit geringer Überdeckung kann dort kaum Energie abgebaut werden. Daher fährt der Unfallgegner nahezu unverzögert weiter, bis es zum harten Anprall an die Fahrgastzelle kommt. Dies führt zu hohen Verzögerungen, die auf die Fahrzeuginsassen wirken und es besteht das Risiko, dass die Fahrgastzelle dabei zerstört wird. Der Airbag des Fahrers erreicht seine Belastungsgrenze, er kann nicht verhindern, dass die Brust des Fahrers auf den Lenkradkranz durchschlägt. Dies führt zu einem erhöhten Verletzungsrisiko. Die Belastungen der anderen Körperbereiche sind gering.

Werden die Längsträger beim Unfall direkt getroffen, verformen sie sich kaum und bohren sich in den Gegner. Im gelb und insbesondere im orange eingefärbten Bereich dagegen ist der VW zu weich. Der Schutzschild des Golf hat vor dem Rad eine gravierende Lücke – dort kann bei einem Unfall keine Energie abgebaut werden. Der Unfallgegner fährt nahezu unverzögert weiter, bis es zum harten Anprall an die Fahrgastzelle kommt. Die Rückhaltesysteme im Fahrzeug und die stabile Fahrgastzelle sorgen dennoch für ein geringes Verletzungsrisiko.



 


Fotos: Marek Vogel/Martin Hangen

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