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- Defizite an aktiver und passiver Sicherheit -

Kleintransporter: Ausreichend sicher?

Die Zulassungszahlen von Kleintransportern bis 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht nehmen seit Jahren kontinuierlich zu. Das bleibt nicht ohne Folgen: Allein 2005 haben sich in Deutschland 14.569 Verkehrsunfälle mit Verletzungsfolgen ereignet, 300 Menschen wurden getötet.. Diese Zahlen ließen sich in erster Linie durch technische Maßnahmen verringern, wie der ADAC in diesen Test-Serien nachweisen konnte.

  • Risiko Schleudergefahr

    Untersuchungen der ADAC Unfallforschung zeigen, dass Transporter-Unfälle vielfach mit Schleuder-Situationen beginnen. Sie enden dann häufig mit einem Überschlag, einem Anprall gegen den Baum oder einer Kollision mit dem Gegenverkehr.

    Ursachen für die Schleudergefahr der Kleintransporter sind hauptsächlich der hohe Schwerpunkt und die oft hohe Zuladung. Wenn der Verkehr schnelles Ausweichen erfordert, kann es dann sehr schnell zu kritischen Situationen kommen. Nicht unerheblich ist dabei der Einfluss der Ladung. Sind die Güter im Gepäckraum schlecht oder gar nicht gesichert, können sie frei über die Ladefläche wandern. Dabei verändert sich ständig der Schwerpunkt des Fahrzeuges, was den Kleintransporter unbeherrschbar machen kann und selbst das Anti-Schleuder-System ESP an seine Grenzen bringt.

    Dass dieses Fahrerassistenzsystem jedoch dringend notwendig ist, haben Fahrversuche im ADAC Autotest deutlich gezeigt. Ohne ESP konnte der Ausweichparcours maximal mit Tempo 54 sicher durchfahren werden. Bei Geschwindigkeiten darüber stieg die Kipp- und Schleudergefahr erheblich.

    Ganz anders die Versuche mit ESP. Durch den schnellen und rigorosen Eingriff des Fahrstabilitätsprogramms wurde das Fahrzeug sofort stabilisiert und stark verzögert, so dass keine kritischen Fahrzustände aufgetreten sind. Leider verfügen gerade mal ein Drittel der derzeit lieferbaren Transportermodelle serienmäßig über ESP.


  • Risiko Crash

    Wie sicher die Insassen im Fahrerhaus eines Transporters aufgehoben sind, hat der ADAC in einem Frontalaufprall aus 64 km/h untersucht.  

    Ergebnis: Die Karosseriestrukturen des Kleintransporters wurden hoch belastet. Positiv wirkt hier wie auch beim PKW besonders der Airbag, der den Kopf abfängt und die Belastungen in Grenzen hält. Fuß- und Beinregion sowie die Brust weisen dagegen ein höheres Verletzungsrisiko auf. Die Deformationen in den Bereichen Armaturenbrett, Fußraum und der Pedale führten zu einer sehr hohen Einklemmgefahr. Dieses Crashergebnis deckt sich mit der  Auswertung von realen Unfällen durch die ADAC-Unfallforschung.

    Zusätzlich sorgt das massive Eindringen der Lenksäule in den Innenraum für eine weitere, potentielle Verletzungsgefahr in der Brustregion des Fahrers. Zudem können die weit in den Fußraum eindringenden und sich verhärtenden Pedale schwere Verletzungen an den Füßen und Unterschenkeln hervorrufen.  

    Während des Aufpralls wurde der Tank undicht, nachdem ein Flansch des Einfüllstutzens abgerissen worden war. Da sich der Dieselkraftstoff exakt über das heiße Auspuffrohr ergoss, bestand ein erhebliches Brandrisiko. Dies ließe sich durch einfache konstruktive Maßnahmen wie etwa einen flexiblen Tankeinfüllstutzen oder Sollbruchstellen im oberen Bereich leicht verbessern.


  • Risiko Auffahrunfall

    Ein weiterer  Problembereich sind Auffahrunfälle mit Transportern - häufig an Stau-Enden auf Autobahnen.  Hier sind neben dem Fahrer des auffahrenden Kleintransporters vor allem die Insassen von Fahrzeugen am Stau-Ende stark gefährdet.   

    Der ADAC hat diese Situation mittels eines Heck Aufpralls mit Tempo 60 nachgestellt. Die Ergebnisse waren, wie erwartet, katastrophal. Während sich am Transporter lediglich der Motorraum verformte, rissen beim Pkw die Schweißnähte an Schweller und Dach auf. Der Fahrersitz verformte und verdrehte sich massiv. Die Kopfstützenhalterung wurde durch den sich rückwärts bewegenden Fahrer deformiert und der gesamte Sitzrahmen stark beschädigt. Das Verletzungsrisiko für mögliche Insassen, insbesondere im Bereich der Wirbelsäule, wäre extrem hoch.  

    Auch die Nacken-Belastungen der Dummys auf der Rückbank lassen erhebliche Verletzungen befürchten. Für Beine und Brust der Testfahrer bestand ebenfalls höchste Verletzungsgefahr.

    Solche Unfälle können durch einen Bremsassistenten vermieden werden. Die meisten der aktuellen Transporter-Modelle verfügen bereits über diese Technik. Bei einer Ausgangs-Geschwindigkeit von 100 km/h kann dadurch in Notsituationen der Bremsweg um bis zu zwölf Meter verkürzt werden (Bild links). Wenn ein Transporter mit Bremsassistent bereits zum Stehen gekommen ist, rauscht ein Modell ohne dieses wichtige Sicherheitsextra noch mit einer Rest-Geschwindigkeit von Tempo 60 in ein Hindernis (Bild rechts).


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