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Kleinbusse im Crashtest

Große Familien brauchen viel Platz. Kleinbusse vom Format eines VW T5 oder Renault Trafic bieten passendes, bis hin als Schulbus-Shuttle. Ob die Passagiere, insbesondere Kinder auf der zweiten und dritten Sitzreihe auch ausreichend sicher untergebracht sind, hat der ADAC in einem ganz speziellen Crashtest untersucht.

Der Kleinbus als sicherer Familientransporter?

Der Kleinbus – das passende Gefährt für die größere Familie, wenn der Platz in „Vans“ vom Schlage eines Zafira zu knapp bemessen ist. Aber wie ist es um die Sicherheit bestellt? Muss man sich in derart großen Fahrzeugen überhaupt Gedanken dazu machen? Ein Crashtest der ganz speziellen Art soll hier die Antwort liefern.

Die Crash-Konfiguration sieht ähnlich aus wie beim EuroNcap-Schema, das der ADAC üblicherweise bei seinen Tests zu Grunde legt. Mit 64 km/h prallen VW Bus T5 (in der Caravelle-Ausstattung) und Renault Trafic (Version „Passenger“), der im übrigen mit dem Opel Vivaro baugleich ist, bei  40% Überdeckung, also seitlich versetzt, gegen die deformierbare Barriere. Eine harte Nuss für beide Kandidaten: Diese Konfiguration würde in der Realität dem Begegnungsfall mit einem gleich großen Fahrzeug (!) entsprechen.

Abweichend vom EuroNcap Schema: Die Dummy-Verteilung auf den Sitzplätzen. Neben den Erwachsenen sitzen unterschiedlich große Kinder-Dummies in der zweiten und dritten Sitzreihe – sofern der Fahrzeughersteller das zulässt. Nachdem sich auch in der Praxis Kinder unterschiedlichen alters kunterbunt im Kleinbus ihre Sitzplätze suchen, ergibt sich mit diesem ADAC-Test eine sehr gute Bestandsaufnahme zum Thema Insassensicherheit.

 

VW T5 und Renault Trafic: Sicherheit im Detail


Ergebnisdiagramm_VW_T5_378x221


Ergebnisdiagramm_Renault_Trafic_378x237

 

Pluspunkte sammeln beide, T5 wie auch Trafic. Sie zeigen aber auch Schwächen. Hier Plus und Minus im Detail:
  • Stabilität der Fahrgastzelle
    Beim VW ist die Fahrgastzelle am stärksten im Fußraumbereich deformiert. Weder Schweller, Dachholm oder die Versteifung in den vorderen Türen können höheren Kräften widerstehen. Beim Trafic sind ebenfalls deutliche Deformationen an der Fahrgastzelle erkennbar, jedoch scheint der massive Träger in der Fahrertür noch höhere Belastungen aufnehmen zu können.

    VW T5
    + homogene Deformationszone (eindringende Kräfte verteilen sich auf mehrere Pfade)
    - erhebliche Deformation im Fußraumbereich
    - keine stabile Verstrebung in Fahrer- und Beifahrertür

    Renault Trafic
    + sehr stabile Fahrgastzelle
    + stabile Verstrebung in Fahrer- und Beifahrertür
    - Rettung des Fahrers problematisch (Werkzeug nötig)
    - inhomogene Deformationszone
  • Insassenschutz Fahrer/Beifahrer/Kind
    Der Fahrer des T5 hat etwas höhere Kopf- und Nackenbelastungen im Gegensatz zum Trafic, da das Lenkrad weiter in die Fahrgastzelle eindringt. Auch die Unterschenkel und die Füße sind durch die größeren Intrusionen im Fußraum und der damit verbundenen stärkeren Eindringung der Pedale mehr gefährdet.

    Der Trafic schneidet auf Grund seiner stabileren Fahrgastzelle mit befriedigendem Ergebnis ab. Die Rückhaltesysteme für den Fahrer arbeiten bei beiden Fahrzeugen einwandfrei und können einen Kontakt von Kopf und Brust mit  dem Lenkrad verhindern.

    Beim Beifahrer im Trafic sind die Brustbelastungen höher als beim T5, weil kein Airbag serienmäßig vorhanden ist. Für die Beifahrer beider Fahrzeuge besteht ein erhöhtes Verletzungsrisiko im Kniebereich, da sich hier scharfkantige Bauteile befinden. Insgesamt konnte der Beifahrer des T5 diesen Test mit guten Ergebnissen abschließen und der im Renault mit „befriedigend“.

    Da der Fahrer die Verantwortung für die Sicherheit aller Insassen trägt, wären grundsätzlich Gurtwarner für alle Sitzplätze wünschenswert.

    VW T5
    + serienmäßiger Beifahrerairbag, geringere Brustbelastungen
    + Verwendung von Kindersitzen nicht eingeschränkt
    - stark eindringende Pedale und Lenkrad, dadurch erhöhte Insassenbelastung beim Fahrer an Füßen und Nacken
    - erhöhtes Verletzungsrisiko durch scharfkantige Teile im Knieaufprallbereich für Fahrer und Beifahrer
    - keine Gurtwarner für Sitzplätze (außer für Fahrer)

    Renault Trafic
    + Niedrigere Belastung an Kopf , Nacken und Brust beim Fahrer durch stabile Fahrgastzelle 
    + geringe Fußraumdeformation
    - höhere Brustbelastungen beim Beifahrer (serienmäßig kein Beifahrerairbag)
    - scharfkantige Teile im Knieaufprallbereich für Fahrer und Beifahrer
    - Einschränkungen bei der Verwendung von Kindersitzen auf dem Beifahrersitz
    - Gurtwarner nur für Fahrersitzplatz
  • Insassenschutz zweite Sitzreihe
    Auf der zweiten Sitzreihe kann die Sicherheit für die Erwachsenen in beiden Fahrzeugen mit „gut“ bewertet werden, was nicht zuletzt der großen Beinfreiheit auf dieser Sitzreihe zu verdanken ist.

    Kindersicherheit: Im Trafic ist die Brustbelastung beim dreijährigen Insassen leicht erhöht. Da es laut Bedienungsanleitung im Renault nicht vorgesehen ist, Kinder auf der letzten Sitzreihe zu befestigen, wurde der 1 ½ jährige Insasse ebenfalls auf der zweiten Sitzreihe fixiert. Es kam bei diesem Dummy zu etwas erhöhten Nackenbelastungen. Der dreijährige Insasse im T5 blieb hingegen völlig unversehrt.

    VW T5
    + stabile Sitzbänke, geringe Insassenbelastung
    + zwei serienmäßig ISOFIX- Halterungen auf dem Mittel- und Außenplatz
    - keine Gurtstraffer
    - Gurte können nicht an die Insassengröße angepasst werden

    Renault Trafic
    + stabile Sitzbänke, geringe Insassenbelastung
    + Gurtstraffer auf den äußeren Plätzen
    + ISOFIX- Rastarme auf dem Mittelplatz serienmäßig
    - Gurte können nicht an die Insassengröße angepasst werden
  • Insassenschutz dritte Sitzreihe
    Diese Sitzreihe ist für den Erwachsenen sowohl im T5 als auch im Trafic das Sorgenkind. Obwohl in beiden Fahrzeugen ausreichend Platz vorhanden ist, wird es im Ernstfall kritisch. Bei beiden Fahrzeugen schlägt der Passagier mit den Knien so hart gegen einen Stahlträger in der vorderen Sitzbank, dass mit schweren Beinverletzungen gerechnet werden  muss.

    Kindersicherheit: Im T5 wurde der P1 ½ in der Babyschale VW Bobsy Plus gesichert und überstand den Aufprall mit etwas erhöhten Nackenbelastungen. Im Trafic wurde der P1 ½ Dummy auf der zweiten Sitzreihe befestigt. Murks nach Meinung der ADAC Ingenieure ist die Empfehlung von Renault, auf der dritten Sitzreihe keine Kindersitze zu verwenden. Damit ist der Einsatz dieses Fahrzeuges in der Verwendung als Schul- oder Kindergartenbus deutlich eingeschränkt! . Diese Vorgabe ist nur missverständlich in der Fahrzeug-Bedienungsanleitung enthalten, eine entsprechende Kennzeichnung im Fahrzeug fehlt völlig.

    VW T5
    + stabile Sitzbänke, geringe Kopf, Nacken und Brustbelastung der Erwachsenen
    + uneingeschränkte Verwendung von Kindersitzen auf alle Plätzen  
    - Abdeckung für Knieaufprall für die Rückseite der zweiten Sitzreihe fehlt, hohes Beinverletzungsrisiko  - Gurte können nicht an die Insassengröße angepasst werden
    - keine Gurtstraffer

    Renault Trafic
    + stabile Sitzbänke, geringe Kopf, Nacken und Brustbelastung der Erwachsenen
    - Abdeckung für Knieaufprall für die Rückseite der zweiten Sitzreihe fehlt, hohes Beinverletzungsrisiko  - Gurte können nicht an die Insassengröße angepasst werden 
    - Gurtstraffer wirkungslos (Knieaufprall)
    - Beschränkung bei der Verwendung von Kindersitzen
    - Angabe in Bedienungsanleitung bezüglich Kindersitzverwendung unklar
    - keine Hinweise im Fahrzeug bezüglich Einschränkung der Kindersitzverwendung!

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