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– Einsatzgrenzen von elektronischen Helfern –

Zuverlässigkeit von Notbremsassistenten

Der positive Nutzen von Notbremsassistenten als zweitwichtigstes Fahrerassistenzsystem nach ESP wurde bereits durch mehrere Studien belegt. Untersuchungen der amerikanischen Versicherer (IIHS, 2016) gehen von bis zu 40 % weniger Auffahrunfällen aus. Stichprobenartig wurden bei drei Fahrzeugen mit unterschiedlichen Sensorsystemen exemplarisch Versuche zur Robustheit der Sensoren durchgeführt. Als Grundlage dient das Szenario „AEB-City“ – die automatische Notbremsung im Stadtverkehr – eine Fahrt mit 25-30 km/h auf eine stehende Fahrzeugattrappe.

Die überprüften Systeme lassen sich von Variationen außerhalb des festgelegten Testprocedere nicht beeinflussen, trotz stark verdreckter Scheibe funktionieren die optischen Sensoren erstaunlich gut. Anders bei Nässe: Durch die rutschige Oberfläche kann die Bremsung zu spät erfolgen. Die Systeme sollten noch intelligenter werden, dem Fahrzeug bekannte Umwelteinflüsse (durch Regensensor, Temperatursensor) könnten für rechtzeitige Warnung und Aktion genutzt werden.

Die Systeme sind die letzte Hilfe bei Unaufmerksamkeit, sich darauf verlassen oder sie gar ausprobieren darf man nicht, denn nicht alle Störungen werden zuverlässig angezeigt.

Insgesamt wurden drei Fahrzeuge mit verschiedenen Sensortechniken getestet. Ein VW UP! (im Test wurde ein eUP! verwendet, welcher aber dieselbe Sicherheitsausstattung hat) mit einem relativ einfach gehaltenen LIDAR-Sensor, ein Seat Ateca mit einem leistungsfähigen RADAR-Sensor und ein Subaru Outback mit dem System „Subaru EyeSight”, welches als Sensor eine Stereokamera verwendet.


  • Referenzversuche:

    Als Grundlage werden die Fahrzeuge bei 25-30 km/h gefahren. Während der VW UP! ohne Warnton sehr spät (ca. 600 Millisekunden vor Aufprall) automatisch bremst, warnt Subaru auch bei diesen niedrigen Geschwindigkeiten vor dem automatischen Bremseingriff.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    1. Referenzfahrt 25-30 km/hAufprall vermiedenAufprall vermiedenAufprall vermieden


  • Störgrößen - Parkende Autos:

    Im Testprotokoll des AEB-City ist klar festgelegt, dass sich keine Gegenstände, Fahrzeuge etc. im Testbereich befinden dürfen. Um einer realistischen Verkehrssituation näher zu kommen, werden ein oder mehrere Fahrzeuge in der Spur neben der Fahrzeugattrappe geparkt. Keines der Systeme wird hierdurch gestört.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    2. Störgrößen im Test - Parkende FahrzeugeAufprall vermiedenAufprall vermiedenAufprall vermieden


  • Verdreckte Scheibe - Schlechte Sicht:

    Was im Testverfahren undenkbar ist, auf der Straße aber durchaus vorkommt, ist eine verdreckte Scheibe. Im Test wurde die Frontscheibe mit Salzlauge benebelt und der Salzschleier auf der Scheibe gelassen. Trotz der Beeinträchtigung funktionieren die Systeme. Der Radarsensor des Seat wird dadurch nicht beeinträchtigt, daher wurde der Test bei diesem Fahrzeug nicht durchgeführt.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    3. Verdreckte Scheibe - Schlechte SichtAufprall vermiedenkein EinflussAufprall vermieden


  • Sensor Blind - keine Sicht:

    Mit einer Milchglasfolie wird die Sicht der Sensoren komplett blockiert ohne sie zu verdunkeln. Im realen Geschehen könnte das z.B. ein Blatt, Vereisung oder anderer Dreck sein, der einen Sensor komplett blockiert. Ziel ist herauszufinden, ob der Mangel angezeigt wird. Während „Subaru Eye-Sight” sehr schnell eine Störung anzeigt, ist die Funktionsfähigkeit im VW UP! nicht mehr gegeben, eine Warnung im Display erscheint jedoch auch nach einigen Minuten Fahrt nicht. Der UP! kollidiert ungebremst mit dem Hindernis.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    4. Sensor Blind - keine Sicht Sichtkeine Reaktionkein Einflussrechtzeitige Warnung


  • Neustart direkt vor Test:

    Die Fahrzeuge werden ca. 150 Meter vor der Fahrzeugattrappe abgestellt, neu gestartet und fahren direkt auf das Hindernis. Während die optischen Systeme keine Auffälligkeiten zeigen, ist der Assistent des Seat Ateca nach der kurzen Fahrt noch nicht bereit und kollidiert ohne Reaktion mit dem Hindernis. In einem zweiten Test werden drei Fahrzeuge entlang des Anfahrweges geparkt. Das genügt bereits als Kalibriervorgang um die Funktion bei der Testgeschwindigkeit zu gewährleisten. Nicht alle Systeme funktionieren nach jedem Neustart sofort zu 100%, das System prüft sich zuerst selbst. So kann eine Sensor-Fehlstellung (z.B. durch einen Parkrempler) ausgeschlossen werden. Um sich selbst zu prüfen bzw. zu kalibrieren, muss der Radarsensor einige valide Signale aus der Umgebung erhalten. Das können parkende Autos, aber auch Zäune, Leitplanken oder ähnliches sein. Diese Eigenheit wird im Realverkehr wohl nicht zu Problemen führen, sehr wohl aber bei versuchten Demonstrationen.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    5. Neustart direkt vor TestAufprall vermiedenkeine ReaktionAufprall vermieden


  • Nasse Fahrbahn:

    Für diesen Versuch wird die Fahrbahn bewässert, der Scheibenwischer wird vor dem Test aktiviert und auch das Fahrzeug während der Anfahrt bewässert. Während der Seat und der Subaru rechtzeitig bremsen, um auch auf glatter Fahrbahn den Anprall zu vermeiden, rutscht der VW UP! mit etwas Restgeschwindigkeit in das Hindernis.

    LIDARRadarStereo Cam
    VW up!Seat AtecaSubaru Outback
    6. Test auf nasser FahrbahnKollisionAufprall vermiedenAufprall vermieden


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